
Trumps Konfrontationskurs: Wenn der PrÀsident seinen eigenen Richtern ins Gesicht blickt
Es dĂŒrfte einer der spannungsgeladensten Momente der jĂŒngeren amerikanischen Politikgeschichte werden: Wenn Donald Trump am Dienstagabend seine Rede zur Lage der Nation hĂ€lt, werden ihm voraussichtlich jene Supreme-Court-Richter gegenĂŒbersitzen, die er erst wenige Tage zuvor als âNarren und SchoĂhunde" beschimpft hat. Ein Schauspiel, das die tiefe Krise zwischen den Gewalten in den Vereinigten Staaten offenlegt â und das weit ĂŒber Amerika hinaus Wellen schlagen dĂŒrfte.
Ein PrĂ€sident, der keine DemĂŒtigung vergisst
Der Hintergrund ist brisant: Am vergangenen Freitag hatte der Oberste Gerichtshof der USA mit einer deutlichen 6:3-Mehrheit Trumps weitreichende Zollpolitik fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. Das Gericht befand, der PrĂ€sident habe seine Befugnisse ĂŒberschritten, indem er den Kongress umging und die Zölle unter einem Notstandsgesetz verhĂ€ngte. Drei konservative Richter â Oberrichter John Roberts, Neil Gorsuch und Amy Coney Barrett â schlossen sich den drei liberalen Richtern an. FĂŒr Trump, der Gorsuch 2017 und Barrett 2020 wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit selbst ernannt hatte, war dies offenbar ein unverzeihlicher Verrat.
Die Reaktion des PrĂ€sidenten lieĂ nicht lange auf sich warten und fiel so aus, wie man es von ihm kennt: maĂlos und persönlich. Er schĂ€me sich fĂŒr die drei konservativen Richter, die gegen ihn gestimmt hĂ€tten, erklĂ€rte Trump. Gorsuch und Barrett seien âeine Peinlichkeit fĂŒr ihre Familien". Ohne Belege zu liefern, behauptete er zudem, das Gericht sei âvon auslĂ€ndischen Interessen beeinflusst" worden. Lediglich Brett Kavanaugh, seinen Ernannten von 2018, der zu seinen Gunsten votiert hatte, ĂŒberschĂŒttete er mit Lob.
Das Ritual der erzwungenen Ausdruckslosigkeit
Die State-of-the-Union-Rede ist traditionell ein Moment, in dem die drei Staatsgewalten â Exekutive, Legislative und Judikative â symbolisch zusammenkommen. Die Richter des Supreme Court tragen ihre Roben und sitzen, wie es das Protokoll verlangt, regungslos im Saal. Doch genau diese erzwungene PassivitĂ€t hat in der Vergangenheit immer wieder fĂŒr unbehagliche Szenen gesorgt.
Oberrichter Roberts selbst hat diese Tradition bereits 2010 öffentlich hinterfragt. Das Bild, wie Mitglieder einer Staatsgewalt den Supreme Court buchstĂ€blich umringen, jubeln und johlen, wĂ€hrend die Richter protokollgemÀà ausdruckslos dasitzen mĂŒssten, sei âsehr beunruhigend", sagte er damals bei einer Rede an der University of Alabama. Soweit die Rede zur Lage der Nation zu einer âpolitischen Jubelveranstaltung" verkommen sei, wisse er nicht, warum die Richter ĂŒberhaupt noch erscheinen sollten.
Historische PrÀzedenzfÀlle des Unbehagens
Roberts' Unbehagen kam nicht von ungefĂ€hr. Kurz zuvor hatte der damalige PrĂ€sident Barack Obama wĂ€hrend seiner Rede zur Lage der Nation ein Urteil des Supreme Court zur Wahlkampffinanzierung direkt kritisiert. Der konservative Richter Samuel Alito reagierte sichtbar â er schĂŒttelte den Kopf und schien die Worte ânicht wahr" zu murmeln. Seitdem meidet Alito die Veranstaltung konsequent und bezeichnete sie als âsehr unangenehme" Tradition. Auch der verstorbene konservative Richter Antonin Scalia nannte die Rede einst ein âkindisches Spektakel" und blieb ihr fern.
Besonders pikant: Bei Trumps letzter formeller State-of-the-Union-Rede im Jahr 2020 waren lediglich vier Richter anwesend. Und bei seiner Rede vor dem Kongress im vergangenen Jahr ergriff Trump Roberts' Hand, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: âDanke nochmals. Ich werde das nicht vergessen." Damals bezog sich die Geste auf das wegweisende Urteil von 2024, in dem Roberts die weitgehende ImmunitĂ€t des PrĂ€sidenten vor Strafverfolgung fĂŒr Amtshandlungen festgeschrieben hatte. Nun, da Roberts gegen Trump gestimmt hat, dĂŒrfte der HĂ€ndedruck wohl ausbleiben.
Gewaltenteilung unter Beschuss
Was sich hier abspielt, ist weit mehr als ein protokollarisches Kuriosum. Es ist ein fundamentaler Angriff auf die Gewaltenteilung â jenes Prinzip, das die GrĂŒndervĂ€ter der amerikanischen Republik als Bollwerk gegen Tyrannei errichteten. Wenn ein PrĂ€sident Richter, die er selbst ernannt hat, öffentlich als âSchoĂhunde" und âRINOs" â also Republikaner nur dem Namen nach â diffamiert, nur weil sie ein verfassungswidriges Vorgehen korrigieren, dann steht mehr auf dem Spiel als eine Handelspolitik.
Man muss Trump zugutehalten, dass er mit seiner aggressiven Zollpolitik â 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren â durchaus einen Nerv trifft. Die Deindustrialisierung Amerikas, der Verlust von ArbeitsplĂ€tzen an BilliglohnlĂ€nder, die AbhĂ€ngigkeit von globalen Lieferketten â all das sind reale Probleme, die Jahrzehnte lang von der politischen Klasse ignoriert wurden. Doch der Weg, diese Probleme zu lösen, muss ĂŒber den Kongress fĂŒhren, nicht ĂŒber prĂ€sidiale Notstandsdekrete. Das hat der Supreme Court völlig zu Recht festgestellt.
Lehren fĂŒr Europa â und fĂŒr Deutschland
FĂŒr Deutschland und Europa sollte dieses Schauspiel ein Weckruf sein. Trumps Zollpolitik, ob nun vom Supreme Court gebilligt oder nicht, zeigt unmissverstĂ€ndlich, wohin die Reise geht: Amerika schĂŒtzt seine Wirtschaft, wĂ€hrend Europa â und allen voran Deutschland â weiterhin naiv auf Freihandel und multilaterale Abkommen setzt. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz tĂ€te gut daran, endlich eine eigenstĂ€ndige Wirtschaftsstrategie zu entwickeln, statt sich auf die VerlĂ€sslichkeit transatlantischer Beziehungen zu verlassen, die es in dieser Form schlicht nicht mehr gibt.
Dass Trump seine eigenen Richter derart attackiert, mag aus europĂ€ischer Perspektive verstörend wirken. Doch es offenbart eine Dynamik, die auch hierzulande nicht unbekannt ist: den wachsenden Frust der Bevölkerung ĂŒber eine politische und juristische Elite, die sich zunehmend vom Volkswillen entfernt. Der Unterschied ist nur, dass Trump diesen Frust laut ausspricht â wĂ€hrend in Deutschland die Erosion des Vertrauens in die Institutionen leise, aber stetig voranschreitet.
Ob Roberts am Dienstagabend tatsĂ€chlich erscheinen wird, ist noch unklar. Bisher hat er keine einzige State-of-the-Union-Rede verpasst, seit er 2005 Oberrichter wurde. Sollte er diesmal fernbleiben, wĂ€re das ein Signal, das lauter spricht als jede Rede. Sollte er erscheinen und Trump ihm erneut die Hand reichen â oder eben nicht â, wird die Welt genau hinsehen. Denn in diesem einen Moment verdichtet sich die ganze Dramatik einer Demokratie, die mit sich selbst ringt.
In Zeiten solcher politischer Verwerfungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten â von Handelskriegen ĂŒber WĂ€hrungsturbulenzen bis hin zu geopolitischen Spannungen â erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlĂ€sslicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Parteilichkeit, keine Notstandsdekrete und keine richterlichen Urteile. Sie bewahren ihren Wert, wĂ€hrend politische Systeme schwanken.
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