
Trump geht nach Urteil zu Teil-ImmunitÀt in die Offensive
Ex-US-PrÀsident Donald Trump hat vor dem Obersten US-Gericht einen Teilerfolg errungen. Nun nehmen seine AnwÀlte weitere Strafverfahren gegen ihn ins Visier. US-PrÀsident Joe Biden kritisierte das Urteil zur ImmunitÀtsfrage und warnte vor möglichen Folgen.
Trump strebt Aufhebung seiner Verurteilung an
Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump bemĂŒht sich offenbar nach der jĂŒngsten Entscheidung des höchsten Gerichts zur ImmunitĂ€tsfrage um die Aufhebung seiner Verurteilung in New York. Nur wenige Stunden nach dem Beschluss des Supreme Courts hĂ€tten die AnwĂ€lte des Republikaners erste Schritte unternommen und sich mit einem Brief an den zustĂ€ndigen Richter in New York gewandt, berichteten der Sender CNN und die New York Times unter Verweis auf nicht namentlich genannte Quellen. Demnach sollen die AnwĂ€lte den Richter auch gebeten haben, die fĂŒr den 11. Juli angesetzte StrafmaĂverkĂŒndung zu verschieben.
Trumps Team beruft sich dabei auf die jĂŒngste Entscheidung des Obersten US-Gerichts, wonach US-PrĂ€sidenten weitgehenden Schutz vor Strafverfolgung fĂŒr offizielle Handlungen im Amt genieĂen. Der Schritt von Trumps AnwĂ€lten war erwartbar und dĂŒrfte wohl aussichtslos sein, könnte wegen der folgenden juristischen Schritte aber zumindest die VerkĂŒndung des StrafmaĂes hinauszögern.
Reaktionen auf das Supreme-Court-Urteil
WĂ€hrend Ex-PrĂ€sident Trump ĂŒber das Urteil des Obersten US-Gerichts jubelt, reagieren die Demokraten entrĂŒstet. Der New Yorker Fall ist anders gelagert als das Wahlbetrugsverfahren in Washington, bei dem es um Trumps Versuche geht, das Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu kippen. Damals hatte Trump gegen den Demokraten Biden verloren, wollte seine Niederlage aber nicht akzeptieren. Diese Anklage betrifft seine Zeit als PrĂ€sident im Amt.
Das Verfahren in New York drehte sich in erster Linie um Trumps Handlungen als PrĂ€sidentschaftskandidat vor der Wahl 2016. Trump war mit der Argumentation, dass der Fall seine PrĂ€sidentschaft betreffe, bereits in der Vergangenheit gescheitert. Allerdings könnten Trumps AnwĂ€lte argumentieren, dass die Anklage sich in dem Fall auch auf Beweise gestĂŒtzt hat, die aus Trumps Zeit im WeiĂen Haus stammen.
Biden kritisiert Entscheidung des Supreme Court
US-PrÀsident Biden hat die Entscheidung zur ImmunitÀt von ehemaligen AmtstrÀgern scharf kritisiert. Mit ungewöhnlich scharfen Worten kommentierte auch der amtierende US-PrÀsident Joe Biden das Urteil der Obersten Richter. Von einem "gefÀhrlichen PrÀzedenzfall" sprach Biden und warnte vor schwerwiegenden Folgen.
"Die heutige Entscheidung bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass es praktisch keine Grenzen fĂŒr das Handeln eines PrĂ€sidenten gibt", sagte der Demokrat bei einer kurzfristig anberaumten Ansprache im WeiĂen Haus. Jeder PrĂ€sident, einschlieĂlich Trump, werde nun die Freiheit haben, das Gesetz zu ignorieren, warnte der 81-JĂ€hrige.
Er will bei der PrĂ€sidentenwahl im November gegen Trump antreten. Biden, der sich nach einem desaströsen Auftritt bei der TV-Debatte in der vergangenen Woche in einer kritischen Phase seines Wahlkampfs befindet, nutzte die Gelegenheit und rief die Menschen zum WĂ€hlen auf. Der Supreme Court habe mit seiner Entscheidung ein "grundlegend neues Prinzip" geschaffen: Die Macht des PrĂ€sidentenamtes werde kĂŒnftig nicht mehr durch Gesetze eingeschrĂ€nkt, auch nicht durch das Oberste Gericht, warnte Biden. "Die einzigen Grenzen werden vom PrĂ€sidenten selbst gesetzt."
Trump-Lager gewinnt Zeit
Zeit gewonnen hat das Trump-Lager aber auf jeden Fall im Washingtoner Verfahren. Nach dem Urteil des Supreme Courts muss nun eine untere Instanz herausfinden, fĂŒr welche Handlungen Trumps ImmunitĂ€t gilt. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass der Prozess in Washington noch vor der PrĂ€sidentenwahl im November beginnen wird. Sollte Trump die Wahl gewinnen, könnte er nach Beginn seiner neuen Amtszeit einen Justizminister ernennen, der eine Einstellung des Verfahrens erwirkt. AuĂerdem könnte Trump theoretisch versuchen, sich selbst zu begnadigen.
Langfristige Folgen der Entscheidung
Auch innerhalb des Richtergremiums war die Entscheidung umstritten. Die als erzkonservativ geltende Mehrheit der Richter schloss sich im Grundsatz der Entscheidung an. Die drei als liberal geltenden Richterinnen widersprachen. In der von Richterin Sonia Sotomayor verfassten abweichenden Meinung Ă€uĂerten die Juristinnen ihre "Angst um unsere Demokratie".
Sotomayor skizzierte denkbare Situationen, in denen der Schutz des PrĂ€sidenten vor Strafverfolgung kĂŒnftig Anwendung finden könnte. Als Beispiel nannte sie einen von ihm in Auftrag gegebenen Mordanschlag auf einen Rivalen, einen MilitĂ€rputsch des abgewĂ€hlten PrĂ€sidenten oder den Nachweis von Bestechlichkeit. "Selbst, wenn diese Alptraumszenarien nie eintreten sollten, und ich bete, dass sie es nie tun, ist der Schaden bereits angerichtet", schrieb Sotomayor. "Bei jeder AusĂŒbung seiner Amtsgewalt ist der PrĂ€sident jetzt ein König, der ĂŒber dem Gesetz steht." Die langfristigen Folgen der Entscheidung seien erheblich. Das Gericht schaffe damit "effektiv eine rechtsfreie Zone um den PrĂ€sidenten und rĂŒttelt am Status quo, der seit der GrĂŒndung der Nation existiert".
Trump feierte hingegen seinen juristischen Teilerfolg und sprach in seinem Online-Netzwerk Truth Social von einem "groĂen Sieg fĂŒr die Verfassung und Demokratie". Der Republikaner spielt in allen seinen juristischen Auseinandersetzungen auf Zeit. Bei einem Wahlsieg im November wĂŒrde er dann voraussichtlich die Bundesjustiz anweisen, die gegen ihn erhobenen Anklagen fallenzulassen. Dies betrĂ€fe neben der Anklage zu seinen Wahlinterventionen vor dem Washingtoner Bundesgericht einen weiteren Fall vor einem Bundesgericht im Bundesstaat Florida, in dem es um seine Mitnahme geheimer Regierungsdokumente in sein Privatanwesen geht.










