Kettner Edelmetalle
25.02.2026
09:40 Uhr

Selenskyjs Hilferuf: 80 Prozent der Ukraine ohne Raketenschutz – und der Westen soll zahlen

Selenskyjs Hilferuf: 80 Prozent der Ukraine ohne Raketenschutz – und der Westen soll zahlen

Es ist ein Hilferuf, der inzwischen zur Routine geworden ist – und dennoch nichts an Brisanz verloren hat. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat erneut eindringlich vor massiven LĂŒcken in der Luftverteidigung seines Landes gewarnt. Rund 80 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets seien derzeit ohne Schutz gegen russische ballistische Raketen. Eine Zahl, die aufrĂŒttelt – und zugleich die Frage aufwirft, wohin die Milliarden an westlicher MilitĂ€rhilfe eigentlich fließen.

Patriot-Systeme: Teuer, knapp und kaum verfĂŒgbar

Das Kernproblem ist so simpel wie erschreckend: Die einzigen in der Ukraine stationierten Systeme, die ballistische Raketen abfangen können, sind die US-amerikanischen Patriot-Flugabwehrsysteme. Und davon gibt es schlicht zu wenige. Selenskyj bezifferte die Kosten eines einzelnen Systems auf 1,5 bis 2 Milliarden US-Dollar. Eine einzige Abfangrakete verschlingt zwischen 2 und 3 Millionen Dollar. Wohlgemerkt: eine einzige Rakete.

Wie schnell diese astronomischen Summen verpuffen, zeigt ein einziger Tag im Februar. Am 12. Februar verbrauchte die Ukraine nach eigenen Angaben 24 Abfangraketen gegen ballistische Geschosse und musste sich zusĂ€tzlich gegen 219 Drohnen verteidigen. Beim schwersten russischen Angriff dieses Winters am 3. Februar feuerte Moskau 71 Raketen ab, davon 32 ballistische. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass die zuletzt zugesagten 35 Patriot-Raketen der Partnerstaaten bei solchen AngriffsintensitĂ€ten kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sind.

38 Milliarden Dollar – und trotzdem nicht genug?

Anfang Februar hatten die VerbĂŒndeten der Ukraine im sogenannten Ramstein-Format MilitĂ€rhilfe in Höhe von rund 38 Milliarden US-Dollar fĂŒr das Jahr 2026 zugesagt. Das Paket umfasse unter anderem Drohnen, Artillerie und Raketen fĂŒr Patriot-Batterien. Kanada legte mit einem eigenen Hilfspaket von umgerechnet 1,4 Milliarden US-Dollar nach und verhĂ€ngte zusĂ€tzliche Sanktionen gegen Russland, darunter Strafmaßnahmen gegen 100 weitere Schiffe der russischen Schattenflotte.

Doch selbst diese gewaltigen Summen scheinen nicht auszureichen. Jurij Ihnat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, erklĂ€rte unmissverstĂ€ndlich, dass die bisherigen Lieferungen bei weitem nicht genĂŒgten. Und wĂ€hrend der Westen Milliarden in die ukrainische Verteidigung pumpt, drĂ€ngt sich dem deutschen Steuerzahler unweigerlich die Frage auf: Wer bezahlt das alles am Ende? Die Antwort kennt jeder, der seine monatliche SteuererklĂ€rung betrachtet.

Russland rĂŒstet technologisch auf

Erschwerend kommt hinzu, dass Russland offenbar nicht untĂ€tig geblieben ist. Laut Berichten der Financial Times hat Moskau seine Iskander-M- und Kinschal-Raketen so modifiziert, dass sie in der Endphase ihres Fluges unvorhersehbare Manöver ausfĂŒhren. Diese technologische Weiterentwicklung erschwere das Abfangen selbst fĂŒr die hochmodernen Patriot-Systeme erheblich. Ein technologisches WettrĂŒsten, das die ohnehin angespannte Lage weiter verschĂ€rft.

EuropÀische Eigenproduktion als Ausweg?

Selenskyj drĂ€ngt mittlerweile auf eine europĂ€ische Produktion von Patriot-Raketen. Die USA hĂ€tten trotz entsprechender Zusagen bislang keine Produktionslizenzen erteilt – obwohl die Ukraine eine Fertigung sowohl im eigenen Land als auch gemeinsam mit NATO-Partnern in RumĂ€nien und Polen vorgeschlagen habe. Angesichts der protektionistischen Handelspolitik unter US-PrĂ€sident Trump, der mit seinen massiven Zollerhöhungen auf EU-Importe die transatlantischen Beziehungen ohnehin auf eine harte Probe stellt, erscheint eine reibungslose Kooperation in dieser Frage alles andere als selbstverstĂ€ndlich.

FĂŒr Deutschland und die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz stellt sich die unbequeme Frage, wie lange man sich diese UnterstĂŒtzung noch leisten kann – und will. Das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur belastet die Staatsfinanzen bereits massiv. Jeder weitere Euro, der in die Ukraine fließt, fehlt bei der Sanierung maroder BrĂŒcken, Schulen und KrankenhĂ€user im eigenen Land. Es ist ein Dilemma, das die Bundesregierung nicht lĂ€nger aussitzen kann.

Eines steht fest: Der Krieg in der Ukraine verschlingt Ressourcen in einem Ausmaß, das selbst die wohlhabendsten Nationen an ihre Grenzen bringt. Und wĂ€hrend die Raketen ĂŒber Kiew fliegen, wĂ€chst in der deutschen Bevölkerung das Unbehagen darĂŒber, dass die eigenen Interessen zunehmend hinter geopolitischen Verpflichtungen zurĂŒckstehen mĂŒssen. Sicherheit hat ihren Preis – aber wer bestimmt eigentlich, wie hoch dieser sein darf?

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