
Selbstdemontage in Marl: Wie die AfD in NRW ihren Aufstieg selbst sabotiert
Es hätte ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Regierungsfähigkeit werden können. Stattdessen lieferte die AfD in Nordrhein-Westfalen ein Schauspiel, das man sich nicht einmal für einen zerstrittenen Kleingartenverein wünschen würde. Der Aufstellungsparteitag zur Landesliste im größten Landesverband der Partei geriet zur öffentlichen Blamage – und das ausgerechnet in einer Phase, in der Millionen Bürger ihre letzte politische Hoffnung in diese Kraft setzen.
Ein Parteitag als Trauerspiel
Was sich am Wochenende in Marl abgespielt haben soll, liest sich wie das Drehbuch einer schlechten Politsatire: Schreiattacken, gegenseitige Gewaltvorwürfe, gezielte Fake-Kandidaturen zur Lähmung des Verfahrens, ausgefallene Zählmaschinen und angebliche Drohungen vor den Wahlgängen. Ein Stinkefinger hier, ein umgestoßener Stuhl dort. Man reibt sich verwundert die Augen. Ist das jene Partei, die dieses Land regieren will?
Dabei ist es zweitrangig, wer gegen wen intrigiert haben mag oder wer wen vom Stuhl geschubst haben soll. Diese Detailfragen interessieren allenfalls jene kleine Gruppe, die selbst in den Konflikt verstrickt ist. Auf die Mehrheit der rund 75.000 Mitglieder wirkt das Ganze schlichtweg irritierend – und für den Beobachter von außen abstoßend.
Erfurt hat gezeigt, dass es auch anders geht
Das eigentlich Ärgerliche: Der Bundesparteitag in Erfurt hatte doch erst kürzlich bewiesen, dass die Partei durchaus in der Lage ist, selbst knappe Kampfkandidaturen und Absprachen zwischen den Lagern gesittet über die Bühne zu bringen. Der jungen AfD von 2014 oder 2015 hätte man solche Auswüchse noch nachgesehen. Eine im Aufbau befindliche Partei zieht nun einmal auch Glücksritter an, und das deutsche Parteienrecht verpflichtet zu innerparteilicher Demokratie – im Zweifel darf dann eben auch der chancenloseste Bewerber minutenlang im Rampenlicht kandidieren.
Doch wir schreiben nicht mehr 2015, sondern 2026.
Deutschland steht am Abgrund – und die Zeit drängt
Die Lage der Nation ist existenziell. Der wirtschaftliche Niedergang trifft dieses Land mit einer Wucht, deren Ausmaß viele noch gar nicht erahnen. Allein in der Industrie, der Lebensader unserer Volkswirtschaft, gehen Tag für Tag Hunderte Arbeitsplätze verloren – unwiederbringlich. Die Große Koalition unter Friedrich Merz hangelt sich von Haushaltsloch zu Haushaltsloch, während die Schuldenlast unaufhörlich steigt und den Handlungsspielraum kommender Generationen erstickt.
Wer noch nicht einmal sich selbst organisieren kann, der kann kein Land regieren.
Genau deshalb ist die AfD seit Monaten stärkste Kraft in den Umfragen. In Sachsen-Anhalt rückt sogar eine Alleinregierung in greifbare Nähe. Für immer mehr Wähler ist die Partei längst nicht mehr bloßes Wut-Ventil, sondern Ausdruck echter Hoffnung auf einen Neuanfang. Umso unverständlicher, dass man diesen Vertrauensvorschuss durch derartige Egotrips aufs Spiel setzt.
Der Bundesvorstand als hilfloser Schlichter
Dass nun ausgerechnet der Bundesvorstand per Pressemitteilung in den Konflikt des größten Landesverbandes eingreifen muss und angeblich „Mediatoren“ herbeiruft, ist kein Zeichen von Stärke oder gar Professionalisierung. Im Gegenteil: Es lässt die Partei wirken wie einen zerstrittenen Verein, der sich jetzt bitte, bitte im Bällebad wieder liebhaben soll. Den Schlichtern sei dennoch Erfolg gewünscht – sollten sie ihn erzielen, verdienten sie fast den Friedensnobelpreis.
Der immense Druck von außen
Fairerweise muss man einräumen: Der Druck auf AfD-Politiker ist enorm. Wer für diese Partei kandidiert oder in einem Parlament sitzt, muss mit Anfeindungen, beruflichen Nachteilen und im Zweifel dem Besuch des Verfassungsschutzes rechnen. Während andere Parteien ihre abgewählten Funktionäre bequem in steuerfinanzierten Stiftungen oder Bundesbehörden parken können, bleibt hier oft nur die Partei selbst als berufliche Perspektive. So schaukeln sich Konflikte schnell hoch. Auch das gehört zur ehrlichen Betrachtung dazu.
Doch all das entschuldigt nicht die Selbstzerfleischung, die den Blick auf die tatsächlich vorhandene, seriöse Sacharbeit verstellt, die die Partei landauf, landab in den Parlamenten leistet. Wer hätte gedacht, dass man einer Kraft, die seit zehn Jahren um Ernsthaftigkeit ringt, ausgerechnet jetzt zurufen muss: Werdet endlich erwachsen. Die Bürger dieses Landes haben keine Zeit für Kindereien – sie brauchen Politiker, die für Deutschland arbeiten, nicht gegen sich selbst.










