
Rente mit 70 und Aktienroulette: Wie die Politik den deutschen Sparer ins Ungewisse schickt

Es ist wieder so weit. Eine Kommission tagt, ein Konzept wird vorgelegt, und am Ende steht der deutsche Beitragszahler vor dem alten Dilemma: LĂ€nger arbeiten, mehr abdrĂŒcken, spĂ€ter weniger erhalten. Am 23. Juni stellt die Rentenkommission ihre VorschlĂ€ge vor, und schon die Vorabberichte der âBild am Sonntagâ lassen erahnen, in welche Richtung das Pendel ausschlagen soll. Rente mit 70, eine neue Kapitalrente am Aktienmarkt und ein bunter StrauĂ an neuen Beitragszahlern â das klingt nach einer Reform, ist aber vor allem ein EingestĂ€ndnis: Das umlagefinanzierte Rentensystem deutscher PrĂ€gung wackelt bedrohlich.
Wenn der Staat plötzlich die Aktie entdeckt
Jahrzehntelang predigten deutsche Politiker dem BĂŒrger, das Sparbuch sei sicher und die gesetzliche Rente das Fundament. Nun also die Kehrtwende: Ein Teil der RentenbeitrĂ€ge soll kĂŒnftig an die Börse wandern. ZunĂ€chst ein Prozent vom Bruttolohn, je zur HĂ€lfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen, spĂ€ter zwei Prozent. Man reibt sich verwundert die Augen. Dieselbe politische Klasse, die den Aktienmarkt gerne als Spielwiese der âReichenâ verteufelte, will nun die Altersvorsorge der breiten Bevölkerung den Kursschwankungen der WeltmĂ€rkte aussetzen.
Besonders pikant: Die Kommission begrĂŒndet ihre Kapitalrente damit, dass gerade im Osten Deutschlands drei Viertel der Arbeitnehmer keinerlei zusĂ€tzliche Altersvorsorge besĂ€Ăen. Man fragt sich unwillkĂŒrlich, warum es ĂŒberhaupt so weit kommen konnte. Wer Jahrzehnte lang ehrlich arbeitet, sollte sich im Alter nicht auf das Wohlwollen der FinanzmĂ€rkte verlassen mĂŒssen.
Die Rente mit 70 â ein Generationenvertrag in Auflösung
Das HerzstĂŒck des Vorschlags dĂŒrfte vielen die Sprache verschlagen: Das Renteneintrittsalter soll ab 2032 an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Schrittweise, fast verschĂ€mt, soll die Altersgrenze klettern, bis in den 2090er-Jahren die Rente mit 70 erreicht ist. Wer heute eingeschult wird, darf sich also schon einmal darauf einstellen, ein halbes Jahrhundert und mehr im Hamsterrad zu verbringen.
Eine Politik, die jungen Menschen die Aussicht auf 70 Arbeitsjahre serviert, sollte sich nicht wundern, wenn das Vertrauen in den Staat weiter erodiert.
Gleichzeitig sollen die FrĂŒhverrentungen nach 45 Beitragsjahren abgeschafft werden â ein Schlag ins Gesicht jener Menschen, die frĂŒh ins Berufsleben eingestiegen sind und körperlich hart gearbeitet haben. Wer mit 15 die Lehre begann und jahrzehntelang malocht hat, darf kĂŒnftig nicht mehr auf einen verdienten frĂŒhen Ruhestand hoffen. Stattdessen sollen nur noch gesundheitlich GeschĂ€digte leichter aussteigen können.
Politiker zahlen ein â Beamte bleiben auĂen vor
Nun zum eigentlichen Skandal dieser Reform. KĂŒnftig sollen Abgeordnete aus Bundestag und Landtagen, SelbststĂ€ndige und Vorstandschefs von Aktiengesellschaften in die Rentenkasse einzahlen. Eine bemerkenswerte Geste â doch ausgerechnet die Beamten bleiben vorlĂ€ufig verschont. Warum eigentlich? Wenn schon SolidaritĂ€t, dann doch bitte fĂŒr alle. Dass der Staatsapparat sich selbst aus der Verantwortung nimmt, wĂ€hrend der einfache BĂŒrger immer lĂ€nger arbeiten und immer mehr zahlen soll, ist ein LehrstĂŒck ĂŒber die Schieflage in diesem Land.
Auch die geliebten Minijobs sollen fallen. Nur noch SchĂŒler dĂŒrften kĂŒnftig bis zu 603 Euro monatlich steuer- und beitragsfrei verdienen. Alle anderen mĂŒssten eine regulĂ€re, beitragspflichtige Stelle annehmen. Offiziell soll dies die Altersarmut von Frauen bekĂ€mpfen â in der Praxis dĂŒrfte es vor allem FlexibilitĂ€t rauben und den Niedriglohnsektor weiter regulieren.
Vom Nachhaltigkeitsfaktor und der schrumpfenden Rente
Besonders trickreich ist die geplante WiedereinfĂŒhrung des sogenannten Nachhaltigkeitsfaktors. Beim Renteneintritt soll das Niveau zwar bei 48 Prozent liegen, doch im Laufe der Bezugsjahre sinkt es schleichend ab. Das Loch soll dann die neue Kapitalrente stopfen. Erst ab 2040 verspricht man ein Gesamtniveau von 50 Prozent. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen: Die Rechnung steht und fĂ€llt mit der Entwicklung der AktienmĂ€rkte. Geht das KalkĂŒl nicht auf, zahlt am Ende wieder einer â der BĂŒrger.
Fazit: Wer sich auf den Staat verlÀsst, ist verlassen
Diese Reform ist ein deutliches Signal: Die gesetzliche Rente allein wird im Alter nicht mehr reichen. Wer sich blind auf staatliche Zusagen verlĂ€sst, riskiert im Ruhestand böse Ăberraschungen. Gerade in Zeiten ausufernder Staatsverschuldung â man denke an das 500-Milliarden-Sondervermögen der GroĂen Koalition â droht die schleichende Geldentwertung das Ersparte weiter zu zerfressen. Wer sein Vermögen krisenfest gestalten will, sollte ĂŒber die klassischen Bausteine hinausdenken. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie Kaufkraft bewahren, wenn Papierversprechen verblassen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene StabilitĂ€t, die staatliche Rentenkonstruktionen offenbar nicht mehr garantieren können.
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