
Pistorius attackiert Trump: Gefährliche Kumpanei mit dem Kreml?
Der Ton zwischen Berlin und Washington wird rauer – und Verteidigungsminister Boris Pistorius scheut offenbar nicht davor zurück, den mächtigsten Mann der westlichen Welt frontal anzugreifen. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wirft der SPD-Politiker dem US-Präsidenten Donald Trump eine gefährliche Nähe zu Wladimir Putin vor. Ein Vorwurf, der es in sich hat – und der die ohnehin fragile transatlantische Partnerschaft weiter unter Druck setzt.
Scharfe Worte aus dem Bendlerblock
Was Pistorius da formuliert, ist diplomatisch betrachtet ein Paukenschlag. Der Verteidigungsminister spricht von „Kumpanei" zwischen Trump und dem russischen Präsidenten – ein Begriff, der bewusst gewählt sein dürfte, um die Tragweite seiner Kritik zu unterstreichen. Hintergrund sei unter anderem ein Treffen in Alaska, das international für erhebliche Irritationen gesorgt habe. Die Details dieses Treffens bleiben zwar hinter einer Bezahlschranke verborgen, doch allein die Tatsache, dass ein deutscher Verteidigungsminister derart unverblümt den amerikanischen Präsidenten angreift, spricht Bände über den Zustand der westlichen Allianz.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Deutschland, das jahrzehntelang unter dem Schutzschirm der Vereinigten Staaten stand und dessen Verteidigungsfähigkeit ohne amerikanische Unterstützung bestenfalls als bescheiden zu bezeichnen wäre, erteilt Washington nun öffentlich Lektionen in Sachen Bündnistreue. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Strategische Fehler bei der NATO?
Pistorius warnt darüber hinaus vor strategischen Fehlern innerhalb der NATO. Doch wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Deutschland hat über Jahrzehnte hinweg seine Bundeswehr systematisch kaputtgespart, das Zwei-Prozent-Ziel der NATO konsequent verfehlt und sich in eine fatale Energieabhängigkeit von Russland begeben. Nord Stream 2 lässt grüßen. Dass ausgerechnet ein deutscher Minister nun anderen Staaten strategische Fehleinschätzungen vorwirft, mutet geradezu grotesk an.
Gleichwohl ist die Sorge nicht unbegründet. Trumps außenpolitischer Kurs, der bereits in seiner ersten Amtszeit für Verwerfungen sorgte, hat sich seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 noch einmal deutlich verschärft. Die massiven Zollerhöhungen gegen die EU – 20 Prozent auf europäische Importe – haben das transatlantische Verhältnis ohnehin schwer belastet. Dass der US-Präsident gleichzeitig eine auffällige Zurückhaltung gegenüber Moskau an den Tag legt, nährt den Verdacht, dass die Ukraine zum Spielball geopolitischer Interessen werden könnte.
Die westliche Unterstützung auf dem Prüfstand
Die entscheidende Frage lautet: Steht die westliche Unterstützung für die Ukraine vor einer Bewährungsprobe? Vieles deutet darauf hin. Während Europa – allen voran Deutschland unter der neuen Großen Koalition von CDU/CSU und SPD – verbal an der Seite Kiews steht, fehlt es an der nötigen militärischen Substanz. Das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur, das die Regierung Merz aufgelegt hat, wird die Verteidigungsfähigkeit allein nicht sicherstellen. Und die Frage, ob Deutschland bereit wäre, im Ernstfall ohne amerikanische Rückendeckung zu agieren, möchte man sich lieber nicht stellen.
Pistorius' Kritik an Trump mag in der Sache teilweise berechtigt sein. Doch sie offenbart vor allem eines: die tiefe Verunsicherung einer europäischen Sicherheitsarchitektur, die sich jahrzehntelang auf einen Partner verlassen hat, der nun möglicherweise andere Prioritäten setzt. Statt mit dem Finger auf Washington zu zeigen, wäre es an der Zeit, dass Berlin endlich die eigenen Hausaufgaben macht. Eine Bundeswehr, die einsatzfähig ist. Eine Verteidigungsindustrie, die liefern kann. Und eine Außenpolitik, die auf Stärke statt auf moralische Appelle setzt.
Denn eines ist gewiss: In einer Welt, in der geopolitische Machtverhältnisse neu verhandelt werden, zählen keine warmen Worte – sondern harte Fakten. Und davon hat Deutschland derzeit erschreckend wenige vorzuweisen.










