Kettner Edelmetalle
19.05.2026
16:56 Uhr

Merkels später Friedensruf: Die Architektin der Krise will plötzlich Russland-Diplomatie predigen

Merkels später Friedensruf: Die Architektin der Krise will plötzlich Russland-Diplomatie predigen

Es ist ein Auftritt, der nur eines verdient: ein bitteres Lachen. Ausgerechnet Angela Merkel, jene Frau, die sechzehn Jahre lang das Schicksal Deutschlands lenkte und das Land in eine energiepolitische, migrationspolitische und sicherheitspolitische Sackgasse manövrierte, präsentiert sich nun als weise Mahnerin in Sachen Russland. Bei der Digitalkonferenz Republica in Berlin und dem dort stattfindenden WDR-Europaforum forderte die Altkanzlerin Europa auf, endlich wieder direkte Gespräche mit Moskau zu suchen. Es genüge nicht, so Merkel, wenn allein US-Präsident Donald Trump den Draht zum Kreml halte.

Die späte Einsicht der Krisenmanagerin

Merkel betonte, sie halte die militärische Unterstützung der Ukraine persönlich für absolut richtig, ebenso eine glaubwürdige Abschreckung gegenüber Russland. Doch zugleich verwies sie auf die zweite Seite der Medaille: Diplomatie. Diese habe schon im Kalten Krieg parallel zur militärischen Stärke funktioniert, und genau dieses Instrument lasse Europa derzeit sträflich verkümmern. Wörtlich erklärte sie, militärische Abschreckung und diplomatische Aktivitäten gehörten zusammen.

Wer diese Sätze hört, reibt sich verwundert die Augen. Wo war diese diplomatische Weitsicht eigentlich, als Merkel selbst noch am Ruder saß? Wo war sie, als die Nord-Stream-Pipelines Deutschland in eine fatale Energieabhängigkeit trieben, wo, als das Land seine Bundeswehr kaputtsparte, wo, als die Minsker Abkommen, wie Merkel später selbst in einem viel zitierten Interview einräumte, vor allem dazu dienten, der Ukraine Zeit zu verschaffen? Genau diese Offenheit gegenüber dem Spiegel und der Zeit dürfte im Kreml bestens dokumentiert sein. Vertrauen wieder aufzubauen, dürfte mit diesem Erbe ein Husarenstück werden.

Putin nicht unterschätzen – ein später Rat

Mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin warnte Merkel davor, den russischen Präsidenten zu unterschätzen. Europa müsse eine gemeinsame Haltung entwickeln und endlich begreifen: «Wir sind ja auch wer als Europäer.» Es sei genauso ein Fehler, Putin zu unterschätzen, wie zu glauben, Europa könne keinen eigenen diplomatischen Weg finden.

Klingt vernünftig – ist aber von einer Politikerin, die Putin nach Einschätzung zahlreicher Beobachter über Jahre hinweg eher distanziert behandelte, ein erstaunlicher Satz. Wer Russland im Pelzmantel der moralischen Überlegenheit gegenübertritt und gleichzeitig auf billiges Gas baut, sollte sich über die heutige Eiseskälte nicht wundern.

Schröder als Vermittler? Merkel winkt ab

Auch zur Frage möglicher Vermittler äußerte sich die Altkanzlerin. Nachdem Putin den früheren SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Spiel gebracht hatte, blieb Merkel reserviert. Mit Verweis auf die Minsk-Verhandlungen nach der Krim-Annexion 2014 erklärte sie, sie wäre damals nicht auf die Idee gekommen, einen Vermittler einzuschalten. Gespräche mit Putin, so Merkel, müsse man selbst in die Hand nehmen.

Ein Plädoyer mit faden Beigeschmack

Inhaltlich liegt Merkel mit ihrem Ruf nach echter Diplomatie nicht falsch. Tatsächlich wäre es höchste Zeit, dass Berlin und Brüssel ihre außenpolitische Selbstaufgabe gegenüber Washington beenden und eigenständig handeln. Die Frage, warum gerade Deutschland, jahrzehntelang Brückenbauer zwischen Ost und West, heute keinen einzigen ernsthaften Gesprächskanal nach Moskau mehr unterhält, ist berechtigt und drängend.

Doch die Botschaft wirkt im Munde Merkels seltsam fehl am Platz. Sie ist es, die Deutschland strategisch zwischen alle Stühle gesetzt hat: abhängig vom russischen Gas, abhängig vom amerikanischen Militärschirm, abhängig von chinesischen Märkten. Die Energiewende-Ideologie, die unkontrollierte Migrationsentscheidung von 2015, der Verzicht auf eine funktionsfähige Bundeswehr – all das fällt in ihre Regierungsjahre. Heute soll dieselbe Politikerin nun den Weg aus der Misere weisen?

Was bleibt für den Bürger?

Während sich die politische Klasse in Selbstgesprächen und Schuldzuweisungen verliert, trägt der deutsche Bürger die Last. Energiekosten, Inflation, eine schwächelnde Industrie und ein 500-Milliarden-Schuldenpaket der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz, das ganze Generationen in die Pflicht nimmt. In Zeiten, in denen außenpolitische Großwetterlagen und innenpolitische Fehlentscheidungen die Kaufkraft erodieren lassen, suchen viele nach handfesten Werten, die sich nicht durch politische Wendemanöver entwerten lassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in solchen Phasen historisch ihre Rolle als Anker der Vermögenssicherung bewiesen – als stille, krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.

Ob Merkels später diplomatischer Appell tatsächlich Gehör findet, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher ist, dass er als das verhallt, was er in den Augen vieler Beobachter ist: das Imagepflege-Manöver einer Frau, die ihren Platz in den Geschichtsbüchern noch einmal selbst redigieren möchte.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und seine Anlageentscheidungen auf eigene Verantwortung zu treffen. Für etwaige Verluste übernehmen wir keine Haftung.

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