
Medwedjews Tirade aus Moskau: Wenn ein Kreml-Hardliner Deutschland die Existenzberechtigung absprechen will

Es ist eine dieser verbalen Eruptionen, die mittlerweile fast schon zum Pflichtprogramm aus Moskau gehören: Dmitri Medwedjew, einst als liberaler HoffnungstrĂ€ger Russlands gehandelt, heute Vizechef des russischen Sicherheitsrats und Dauerprovokateur des Westens, hat in einem ausschweifenden Pamphlet auf dem Propagandaportal RT der Bundesrepublik Deutschland nicht weniger als die Existenzberechtigung abgesprochen. PĂŒnktlich, zwei Tage vor dem 9. Mai, an dem Russland traditionell den Sieg der Sowjetunion ĂŒber Nazi-Deutschland zelebriert, holte der Ex-PrĂ€sident zum verbalen Rundumschlag aus.
Die haarstrĂ€ubende These vom âillegalen" Deutschland
Medwedjews zentrales Argument klingt wie aus einem geschichtsvergessenen StammtischgesprĂ€ch: Da es 1990 kein Referendum ĂŒber die deutsche Wiedervereinigung gegeben habe, sei diese rechtlich fragwĂŒrdig. Hinzu komme, so der Kreml-FunktionĂ€r, dass die Bundesregierung mit der Eröffnung des maritimen taktischen NATO-Hauptquartiers CTF Baltic in Rostock den Zwei-plus-Vier-Vertrag verletzt habe. Daraus folge messerscharf: Der Vertrag sei ungĂŒltig â und damit auch die âLegalitĂ€t des modernen deutschen Staates" in Frage gestellt.
Eine bemerkenswerte juristische Akrobatik, die selbst hartgesottene Völkerrechtler ratlos zurĂŒcklassen dĂŒrfte. Bereits 2024 hatte Moskau die Einrichtung des Marinestabs als angeblichen VerstoĂ gegen das Verbot einer NATO-Osterweiterung gegeiĂelt. Berlin konterte damals nĂŒchtern: Es handle sich um eine nationale deutsche MilitĂ€reinrichtung unter deutscher FĂŒhrung, an der lediglich Personal anderer Nationen mitwirke. Eine ErklĂ€rung, die in Moskau offenbar bewusst ĂŒberhört wird.
Persönliche Attacken gegen Friedrich Merz
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz bekam in dem mit Nazi-Vergleichen gespickten Text sein Fett weg. Medwedjew warf der neuen Bundesregierung vor, die deutsche Wirtschaft âin den Abgrund zu treiben". AufrĂŒstung, so der Russe, werde kein Wachstum bringen. Eine bemerkenswerte Behauptung ausgerechnet aus jenem Land, das selbst rund 40 Prozent seiner Haushaltseinnahmen in den Verteidigungs- und Sicherheitsapparat pumpt â ein in der jĂŒngeren russischen Geschichte beispielloser Militarisierungsgrad.
Man muss kein Freund der Berliner Schuldenpolitik sein, um diese Heuchelei aus Moskau zu erkennen. TatsĂ€chlich ist die Kritik an der deutschen Wirtschaftspolitik nicht völlig aus der Luft gegriffen â das gigantische 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, die im Grundgesetz verankerte KlimaneutralitĂ€t bis 2045 und die galoppierende Verschuldungspolitik der GroĂen Koalition sind tatsĂ€chlich Themen, die BĂŒrgern und Ăkonomen Sorgen bereiten. Dass aber ausgerechnet ein Vertreter eines Kriegsregimes sich als Ratgeber in deutschen Haushaltsfragen aufspielt, hat schon einen besonderen Beigeschmack.
Drohungen mit Krieg â und Atomwaffen
Besonders perfide wird Medwedjews Text dort, wo er offen mit Krieg droht. Allein die Gefahr, dass Deutschland nach Atomwaffen strebe, sei ein Kriegsgrund fĂŒr den Kreml. Und selbst ein konventioneller Konflikt werde fĂŒr Deutschland mit der âvollstĂ€ndigen Zerstörung" enden. Solche SĂ€tze sind keine diplomatischen Verstimmungen mehr â das ist nackte Erpressungsrhetorik.
Medwedjew hat sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 konsequent als Hardliner profiliert. Immer wieder lieĂ er mit Drohungen aufhorchen, etwa mit AtomschlĂ€gen gegen Berlin, London oder Paris. Der einstige Liberalisierungs-HoffnungstrĂ€ger der Jahre 2008 bis 2012 hat sich in einen der lautesten Krawallrhetoriker des Kreml verwandelt â mancher Beobachter mag sich fragen, ob dies nun seine wahre Natur oder schlicht politisches ĂberlebenskalkĂŒl ist.
Die Botschaft hinter der Provokation
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Tirade. PĂŒnktlich zur Parade am 9. Mai schraubt der Kreml den Druck auf das Ausland systematisch hoch. Das russische AuĂenministerium warnt auslĂ€ndische Botschaften und fordert die ârechtzeitige Evakuierung von Personal" aus Kiew. Sollte die Ukraine die Moskauer Parade etwa durch Drohnen stören, werde es VergeltungsschlĂ€ge geben. Es ist die altbekannte Mischung aus Geschichtspathos, militĂ€rischer DrohgebĂ€rde und Geschichtsklitterung, mit der Moskau sich seit Jahren in Szene setzt.
Doch was bedeutet das alles fĂŒr Deutschland? ZunĂ€chst einmal sollte man Medwedjew nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen â seine Provokationen sind oft mehr Show als Substanz. Andererseits zeigen sie, in welchem geistigen Zustand sich Teile der russischen FĂŒhrungselite befinden. Wer einem souverĂ€nen europĂ€ischen Staat 35 Jahre nach der Wiedervereinigung die Existenzberechtigung absprechen will, der bewegt sich jenseits jeder rationalen Diplomatie.
Was bleibt: Unsicherheit, Inflation und die Frage nach Sicherheit
FĂŒr deutsche BĂŒrger bedeutet diese geopolitische GroĂwetterlage vor allem eines: Unsicherheit. Eine Bundesregierung, die Hunderte Milliarden auf Pump in AufrĂŒstung und Klimapolitik steckt, ein Kreml, der mit Krieg droht, eine Trump-Administration in Washington, die mit Zöllen die Weltwirtschaft durchschĂŒttelt â die Liste der Risiken wird lĂ€nger statt kĂŒrzer. In solchen Zeiten besinnen sich kluge Anleger traditionell auf das, was ĂŒber Jahrhunderte hinweg Bestand hatte: physische Edelmetalle wie Gold und Silber, die unabhĂ€ngig von Politikergehabe und diplomatischen Eskapaden ihren Wert bewahren. Eine Beimischung im Portfolio kann hier als solides Fundament dienen, gerade wenn die Welt einmal mehr aus den Fugen zu geraten droht.
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