Kettner Edelmetalle
17.03.2026
07:10 Uhr

Linkspartei im freien Fall: Antisemitismusbeauftragter kehrt der Linken den RĂŒcken

Was passiert, wenn eine Partei so weit nach links abdriftet, dass selbst ihre eigenen FunktionstrĂ€ger das Weite suchen? Die Antwort liefert die Linkspartei einmal mehr selbst – und zwar mit einer Deutlichkeit, die an Peinlichkeit kaum zu ĂŒberbieten ist. Der Brandenburger Antisemitismusbeauftragte Andreas BĂŒttner hat am Sonntagabend seinen Austritt aus der Linken erklĂ€rt. Der Grund: Ein Parteitagsbeschluss in Niedersachsen, der Israel unter anderem „Apartheid" und „Genozid" vorwirft und den real existierenden Zionismus ablehnt.

Ein Parteitag als Offenbarungseid

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: 104 von 157 Delegierten des niedersĂ€chsischen Landesparteitags stimmten fĂŒr einen Antrag, der nach der international anerkannten Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) eindeutig als israelbezogener Antisemitismus einzustufen ist. Die Linke in Niedersachsen erklĂ€rt darin, sie lehne „den heute real existierenden Zionismus ab" und betrachte den „politischen Zionismus" als „wesentlichen Hinderungsgrund fĂŒr eine friedliche Zukunft" in der Region.

Dabei war der ursprĂŒngliche Antrag der „Linksjugend Solid" sogar noch radikaler formuliert. Dort forderte man, das Bekenntnis zum Antizionismus mĂŒsse „öffentlichkeitswirksam geteilt" und die „Verbreitung zionistischer Ideologie untersagt" werden. Erst nach einer Intervention der Landesvorsitzenden Hilke Hochheiden wurde der Text entschĂ€rft – wenn man das ĂŒberhaupt so nennen kann. Denn auch in der abgemilderten Fassung wird der Hamas-Terror letztlich als Folge von „Besatzung, Entrechtung und Perspektivlosigkeit" relativiert. Eine Verhöhnung der Opfer des 7. Oktober, die ihresgleichen sucht.

BĂŒttner: „Politisch absurd"

Andreas BĂŒttner, der der Linken seit 2015 angehörte und im Juni 2024 vom Brandenburger Landtag zum Antisemitismusbeauftragten gewĂ€hlt worden war, fand deutliche Worte. Die Ablehnung des Zionismus sei „im Grunde nichts anderes als die Ablehnung des Existenzrechts Israels", erklĂ€rte er auf der Plattform X. Dass der Antisemitismusbeauftragte eines Bundeslandes in seiner eigenen Partei unter Ausschlussverdacht stehe, weil er Antisemitismus klar benenne – das sei „politisch absurd".

Und tatsĂ€chlich: Gegen BĂŒttner war ein Parteiausschlussverfahren angestrengt worden, weil er mit israelfreundlichen Aussagen angeblich „gegen geltende ParteibeschlĂŒsse" verstoßen habe. Man lese das noch einmal langsam: Israelfreundliche Aussagen als Ausschlussgrund. In einer Partei, die sich selbst gerne als antifaschistisch und humanistisch inszeniert. Die Ironie könnte kaum bitterer sein.

Brandanschlag auf sein GrundstĂŒck

BĂŒttner hatte in den vergangenen Monaten nicht nur mit parteiinternem Gegenwind zu kĂ€mpfen. Zu Beginn des Jahres verĂŒbten Unbekannte einen Brandanschlag auf sein GrundstĂŒck – ein Vorfall, der die Dimension der Anfeindungen verdeutlicht, denen sich Menschen ausgesetzt sehen, die in Deutschland klar an der Seite Israels stehen. In seinem Austrittsschreiben verwies BĂŒttner auch auf die Anfeindungen durch eigene Parteigenossen und erklĂ€rte, er könne „nicht lĂ€nger Mitglied dieser Partei bleiben, ohne meine eigenen Überzeugungen zu verraten".

Die Linke auf dem Weg in die politische Bedeutungslosigkeit

Was sich hier abspielt, ist mehr als eine innerparteiliche Personalie. Es ist der sichtbare Zerfall einer Partei, die sich in ideologischen GrabenkĂ€mpfen selbst zerlegt. Die Linke hat auf Bundesebene bereits die IHRA-Antisemitismusdefinition zurĂŒckgewiesen und stattdessen die deutlich weichere „Jerusalemer ErklĂ€rung" angenommen – ein Dokument, das Boykottaufrufe gegen Israel und die DĂ€monisierung des jĂŒdischen Staates nicht automatisch als antisemitisch einstuft. Damit hat sich die Partei bewusst einen Freibrief fĂŒr genau jene Rhetorik ausgestellt, die nun in Niedersachsen ihren hĂ€sslichen Höhepunkt fand.

BĂŒttner brachte es auf den Punkt: „Die Linke entscheidet sich immer mehr dafĂŒr, dass sie weder bĂŒndnisfĂ€hig noch politisch akzeptabel ist. Und sie steht nicht an der Seite von JĂŒdinnen und Juden." Zahlreiche Delegierte hatten den Parteitag in Niedersachsen bereits vor der Abstimmung verlassen – ein stummer Protest, der BĂ€nde spricht.

Sein Amt als Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg will BĂŒttner indes weiterhin ausĂŒben. Bei seiner Wahl hatten neben Linken-Abgeordneten auch Vertreter von SPD, CDU und GrĂŒnen fĂŒr ihn gestimmt. Es scheint, als hĂ€tten diese Parteien damals einen besseren Instinkt bewiesen als BĂŒttners eigene politische Heimat.

Ein Symptom einer tieferen Krise

Der Vorgang reiht sich ein in eine lange Serie von Selbstdemontagen der deutschen Linken. Ob die Spaltung durch die Wagenknecht-Abspaltung, die desaströsen Wahlergebnisse oder nun die offene Hinwendung zu antisemitischer Rhetorik – die Linkspartei scheint entschlossen, sich selbst aus dem politischen Spektrum zu eliminieren. FĂŒr Deutschland ist das kein Verlust. Denn eine Partei, die nicht einmal in der Lage ist, sich unmissverstĂ€ndlich gegen Judenhass zu positionieren, hat in einem demokratischen Parlament schlicht nichts verloren.

Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass Antisemitismus in Deutschland keineswegs nur ein Problem der politischen RĂ€nder ist, sondern sich mitten in etablierten Parteistrukturen festgesetzt hat. Und dass es offenbar mehr Mut erfordert, in der Linkspartei fĂŒr Israel einzustehen, als aus ihr auszutreten.

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