
Lies ruft nach der "konzertierten Aktion" â Ein Hilferuf der Hilflosen?

Wenn Politiker nicht mehr weiterwissen, greifen sie gerne in die Mottenkiste vergangener Jahrzehnte. So auch Niedersachsens MinisterprĂ€sident Olaf Lies (SPD), der nun den Ruf nach einer "konzertierten Aktion" von Bund, LĂ€ndern, Gewerkschaften und Arbeitgebern erhebt. Ein Begriff, der wie aus der Zeit gefallen wirkt â und doch verrĂ€t er mehr ĂŒber den Zustand dieser Republik, als seinem Urheber lieb sein dĂŒrfte.
Eine Regierung, die "Respekt verdienen" muss?
Im GesprĂ€ch mit dem "Tagesspiegel" gab Lies zu Protokoll, die Menschen wĂŒrden wahrnehmen, dass die Bundesregierung sich derzeit schwertue, notwendige Entscheidungen zu treffen. Eine bemerkenswert vorsichtige Formulierung fĂŒr einen Zustand, den der BĂŒrger lĂ€ngst mit deutlich hĂ€rteren Worten beschreibt. Die Koalition aus Union und SPD unter Kanzler Friedrich Merz, mit groĂer Geste als Aufbruch verkauft, prĂ€sentiert sich nach wenigen Monaten als das, was viele befĂŒrchtet hatten: ein zerstrittener Apparat, der sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen verliert.
Lies forderte mehr Respekt vor der Bundesregierung â zumindest von jenen, die in Funktion und Verantwortung stĂŒnden. Ein bemerkenswerter Satz. Denn Respekt, so möchte man dem MinisterprĂ€sidenten entgegnen, ist keine Bringschuld der BĂŒrger, sondern muss erarbeitet werden. Wer Versprechen bricht, wer trotz gegenteiliger Beteuerungen ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket auflegt und nachfolgende Generationen in die Zinsknechtschaft fĂŒhrt, der sollte sich mit Forderungen nach Respekt zurĂŒckhalten.
Das Mantra vom "Klein-Klein"
"Die Herausforderungen sind zu groĂ fĂŒr dieses Klein-Klein", zitierte Lies sich selbst. Man habe nicht eine Summe von Einzelproblemen, sondern eine veritable Krise. Diese Erkenntnis darf man getrost als spĂ€t bezeichnen. WĂ€hrend Industriebetriebe abwandern, der Mittelstand unter BĂŒrokratie und Energiekosten Ă€chzt und die innere Sicherheit jeden Tag aufs Neue ad absurdum gefĂŒhrt wird, entdeckt die SPD nun das Wort "Krise". Willkommen in der RealitĂ€t, möchte man rufen.
Auch die Selbstreflexion fiel bemerkenswert offen aus: Alle maĂgeblichen Akteure seien gleichzeitig Parteivorsitzende und keiner mache sich frei von den Umfragewerten, rĂ€umte Lies ein. Ein selten ehrliches EingestĂ€ndnis dafĂŒr, dass in Berlin nicht fĂŒr das Land regiert wird, sondern fĂŒr die nĂ€chste Sonntagsfrage. Genau dieses PhĂ€nomen ist es, das das Vertrauen in die politische Klasse zerfressen hat â und zwar nicht erst seit gestern.
Konzertierte Aktion â ein Konzept aus einer anderen Zeit
Wer historisch geschult ist, dem fĂ€llt bei der "konzertierten Aktion" sofort der Name Karl Schiller ein. Der damalige Wirtschaftsminister rief das Instrument 1967 ins Leben, um in der ersten Nachkriegsrezession Lohn-, Preis- und Finanzpolitik zu koordinieren. Damals herrschte zumindest noch ein gewisser Grundkonsens darĂŒber, was eine deutsche Volkswirtschaft auszeichnet: FleiĂ, Innovation, solide Finanzen, eine starke Industrie. Heute? Heute soll eine "konzertierte Aktion" offenbar darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass die politische FĂŒhrung schlicht nicht weiĂ, wohin die Reise gehen soll.
Die Krise, von der Lies spricht, ist hausgemacht. Sie ist das Resultat jahrelanger Fehlentscheidungen: einer ideologiegetriebenen Energiepolitik, einer ausufernden SozialbĂŒrokratie, einer ungesteuerten Migration und eines Klimakurses, der wirtschaftliche RealitĂ€ten konsequent ignoriert. Nun bittet man Gewerkschaften und Arbeitgeber an einen Tisch, damit diese die Suppe mit auslöffeln, die in Berlin angerichtet wurde.
Was bleibt: Sachwerte als Anker in stĂŒrmischen Zeiten
Wenn ein MinisterprĂ€sident öffentlich um Respekt fĂŒr die eigene Regierung bettelt und gleichzeitig zugibt, dass die Lage als "Krise" zu bezeichnen sei, dann sollten beim aufmerksamen BĂŒrger die Alarmglocken lĂ€uten. Politische InstabilitĂ€t, wachsende Schuldenberge und eine Inflation, die durch das Sondervermögen weiter befeuert wird, bilden eine toxische Mischung. In solchen Phasen haben sich ĂŒber Jahrhunderte hinweg physische Edelmetalle als verlĂ€sslicher Anker bewĂ€hrt. Gold und Silber kennen keine Parteivorsitzenden, keine Umfragewerte und keine "konzertierten Aktionen" â sie behalten ihren Wert, wĂ€hrend Papierversprechen zunehmend an GlaubwĂŒrdigkeit verlieren.
Ob die nun beschworene "konzertierte Aktion" tatsĂ€chlich kommt, darf bezweifelt werden. Selbst wenn: Eine Regierung, die ihre HandlungsunfĂ€higkeit hinter neuen GesprĂ€chsrunden verstecken muss, wird damit kaum jenes Vertrauen zurĂŒckgewinnen, das sie in atemberaubendem Tempo verspielt hat.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die getroffenen Aussagen geben ausschlieĂlich die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trĂ€gt die volle Verantwortung fĂŒr seine Investitionsentscheidungen selbst. Eine Haftung fĂŒr VermögensschĂ€den ist ausgeschlossen.










