Kettner Edelmetalle
01.04.2026
09:27 Uhr

Kubas Gelddruck-Orgie: Wenn TĂŒten voller Scheine zum Einkaufen nicht mehr reichen

Es ist ein Bild, das an die dunkelsten Kapitel der Inflationsgeschichte erinnert: Kubaner, die mit prall gefĂŒllten PlastiktĂŒten voller Geldscheine zum Markt gehen, nur um die alltĂ€glichsten EinkĂ€ufe zu erledigen. Nun reagiert die kubanische Zentralbank auf die galoppierende Geldentwertung – nicht etwa mit einer soliden Wirtschaftspolitik, sondern mit dem altbekannten Rezept gescheiterter Planwirtschaften: Man druckt einfach grĂ¶ĂŸere Scheine.

Neue Banknoten als SymptombekÀmpfung

Ab dem 1. April – ein Datum, das angesichts der Tragik fast zynisch anmutet – sollen in Havanna zunĂ€chst Banknoten im Wert von 5000 kubanischen Pesos in Umlauf gebracht werden. Der 2000-Peso-Schein werde schrittweise folgen, teilte die Behörde mit. Bislang war der 1000-Peso-Schein die höchste StĂŒckelung. Umgerechnet entsprechen die neuen Nennwerte gerade einmal vier beziehungsweise zehn US-Dollar. Zehn Dollar – auf einem einzigen Geldschein. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.

Die Zentralbank begrĂŒndete den Schritt damit, Bartransaktionen erleichtern und die Logistikkosten fĂŒr den Bargeldumlauf senken zu wollen. Weitere Anpassungen der StĂŒckelungsstruktur wĂŒrden geprĂŒft. Was so technokratisch klingt, ist in Wahrheit das EingestĂ€ndnis eines fundamentalen wirtschaftlichen Versagens. Denn wer neue, höhere Geldscheine einfĂŒhren muss, hat die Kontrolle ĂŒber die PreisstabilitĂ€t lĂ€ngst verloren.

Frauen auf Scheinen – Revolution im Kleinen

Immerhin eine historische Premiere gibt es zu vermelden: Erstmals in der Geschichte der kubanischen Numismatik zieren FrauenportrĂ€ts die Banknoten. Der violett-rosafarbene 2000-Peso-Schein zeige das Bild von Mariana Grajales Cuello, einer UnabhĂ€ngigkeitspatriotin. Der blaue 5000er trage das Konterfei von Celia SĂĄnchez Manduley, einer GuerillakĂ€mpferin und engen Vertrauten Fidel Castros. Ob die Ehrung auf wertlosen Papierscheinen allerdings wirklich als WĂŒrdigung durchgeht, darf bezweifelt werden.

Die offiziell ausgewiesene Inflationsrate lag im vergangenen Jahr bei 14 Prozent. In den Jahren zuvor sei sie deutlich höher gewesen – 2021 habe sie 77 Prozent erreicht. Wer die RealitĂ€t sozialistischer Statistiken kennt, dĂŒrfte die tatsĂ€chliche Teuerung noch weitaus dramatischer einschĂ€tzen. Die Regierung drĂ€nge zwar auf bargeldlose Zahlungen und BankĂŒberweisungen, doch die Mehrheit der Kubaner bevorzuge weiterhin Bargeld – verstĂ€ndlich in einem System, dem man sein Geld nicht gerne digital anvertraut.

Russisches Öl als Rettungsanker

Zeitgleich mit der AnkĂŒndigung der neuen Geldscheine legte am 31. MĂ€rz der russische Tanker „Anatoly Kolodkin" mit rund 700.000 Barrel Rohöl im Hafen von Matanzas an. Es handele sich um die erste grĂ¶ĂŸere Öllieferung, seitdem die US-Regierung unter PrĂ€sident Donald Trump Kuba von der Treibstoffversorgung weitgehend abgeschnitten habe. Washington habe die Lieferung nach eigenen Angaben aus humanitĂ€ren GrĂŒnden zugelassen.

Der Hintergrund ist brisant: Nach der Festnahme des venezolanischen PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro durch US-KrĂ€fte Anfang Januar seien Öllieferungen aus Venezuela an Kuba unterbunden worden. Staaten, die Kuba mit Öl belieferten, habe Trump mit Strafzöllen gedroht. Aus Sicht Havannas ziele diese Politik auf einen Regimewechsel und die RĂŒckkehr Kubas unter US-Vorherrschaft ab.

Etwa 40 Prozent der Ladung sollen zu Heizöl fĂŒr Kraftwerke verarbeitet werden, 35 Prozent zu Diesel, 15 Prozent zu Benzin und zehn Prozent zu Kochgas. Die vollstĂ€ndige Verarbeitung und Verteilung werde 25 bis 35 Tage dauern. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklĂ€rte, Russland werde weiterhin daran arbeiten, Kuba zu versorgen. Moskau als Lebensretter – ein geopolitisches DĂ©jĂ -vu, das an die Zeiten des Kalten Krieges erinnert.

Ein mahnendes Beispiel fĂŒr die Welt

Kubas Schicksal sollte auch hierzulande als Warnung verstanden werden. Denn die Mechanismen, die eine Wirtschaft in den Abgrund treiben, sind universell: unkontrollierte Staatsausgaben, ideologiegetriebene Wirtschaftspolitik und die Illusion, man könne Wohlstand durch Gelddrucken erzeugen. Wenn man bedenkt, dass auch in Deutschland mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen und der ausufernden Verschuldungspolitik munter neue Schulden aufgetĂŒrmt werden, ist die kubanische Misere weniger weit entfernt, als mancher glauben mag.

Die Kubaner tragen ihr Geld in TĂŒten zum Einkaufen. In Deutschland mag es noch nicht so weit sein. Doch wer die Geschichte der Hyperinflation kennt – von der Weimarer Republik ĂŒber Simbabwe bis Venezuela – der weiß: Der Weg von der schleichenden Geldentwertung zum wirtschaftlichen Kollaps ist kĂŒrzer, als die meisten Politiker wahrhaben wollen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrtausende als verlĂ€sslicher Wertspeicher bewĂ€hrt – gerade in Zeiten, in denen Papiergeld seinen Wert verliert. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, sollte ĂŒber eine Beimischung physischer Edelmetalle in seinem Portfolio nachdenken.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche basieren. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.

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