
Koalitionschaos live im ZDF: CDU-Fraktionsvize Müller windet sich bei Lanz wie ein Aal

Es sind Momente wie diese, die das ganze Elend der deutschen Regierungspolitik in wenigen Minuten Fernsehen offenlegen. In der Dienstagausgabe von Markus Lanz wurde der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Sepp Müller regelrecht vorgeführt – und das nicht etwa von einem politischen Gegner, sondern schlicht von einem Moderator, der hartnäckig die richtigen Fragen stellte. Was folgte, war ein Lehrstück in politischer Ausweichkunst, das den Zuschauer zwischen Fremdscham und blankem Entsetzen schwanken ließ.
Wenn Minister gegeneinander arbeiten statt für das Land
Der Anlass des peinlichen Auftritts war ein handfester Koalitionsstreit zwischen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Finanzminister Lars Klingbeil. Reiche hatte die SPD-Pläne für eine Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne als verfassungsrechtlich bedenklich, teuer und wirkungsschwach bezeichnet – und das nicht etwa hinter verschlossenen Türen, sondern vor laufenden Kameras. Klingbeil wiederum hatte Reiche zu einem Treffen eingeladen, doch die Ministerin schickte lediglich zwei Abteilungsleiter und trat stattdessen selbst vor die Presse, um dort das genaue Gegenteil dessen zu verkünden, was der Finanzminister vorschlug.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Während die Bürger dieses Landes unter explodierenden Spritpreisen ächzen und sich fragen, wie sie ihre Tankrechnung bezahlen sollen, liefern sich die Mitglieder der Bundesregierung öffentliche Schlammschlachten. Der CDU-Arbeitnehmerflügel forderte gar die Entlassung der eigenen Wirtschaftsministerin durch Kanzler Merz, während der Wirtschaftsflügel ihr demonstrativ den Rücken stärkte. Ein Krisentreffen am Wochenende drohte laut Medienberichten zu platzen. Das ist die Realität der Großen Koalition im Frühjahr 2026.
Müllers Ausweichmanöver – und Lanz' unbarmherziges Nachhaken
Sepp Müller versuchte bei Lanz zunächst, den öffentlichen Schlagabtausch als ganz normalen demokratischen Diskurs zu verkaufen. Ein „öffentlicher Austausch von Argumenten" sei das gewesen, nicht mehr. Doch Lanz ließ sich nicht abspeisen. „Nicht ablenken!", fuhr er dem CDU-Politiker in die Parade. In einer Krisenphase schaue das ganze Land auf die Regierung und erwarte Führung – stattdessen zerlege sich das Kabinett auf offener Bühne.
Was dann folgte, war geradezu symptomatisch für den Zustand der deutschen Politik: Müller schwieg sekundenlang, wich aus, referierte über Taskforces und Einigungsprozesse, sprach von Terminkalendern, die er nicht kenne, und versuchte das Thema auf die Sorgen der Bürger umzulenken. „Wissen Sie, welche Frage ich jeden Tag bekomme? Wie kann ich meine Tankrechnung bezahlen?", fragte Müller rhetorisch. Eine bemerkenswerte Volte – denn genau diese Frage hätte die Regierung längst beantworten müssen, statt sich in internem Gezänk zu verlieren.
Selbst der Kanzler zeigt sich „befremdet"
Besonders entlarvend war der Moment, als Lanz dem CDU-Politiker das Pressestatement von Ministerin Reiche vorspielte und fragte, ob Müller verstehe, dass sein eigener Kanzler sich „befremdet" über diesen öffentlichen Schlagabtausch gezeigt habe. Müllers Antwort war bezeichnend dünn: Er könne den Kanzler verstehen, Lösungen würden jetzt kommen. Punkt. Keine Erklärung, keine Selbstkritik, kein erkennbarer Plan.
Es war schließlich die Taz-Journalistin Anna Lehmann, die aussprach, was alle dachten: „Das ist eine Koalitionskrise oder kurz davor." Ein vernichtendes Urteil, dem Müller nichts mehr entgegenzusetzen hatte.
Friedrich Merz und das gebrochene Versprechen der Stabilität
Man erinnere sich: Friedrich Merz war mit dem Versprechen angetreten, Deutschland wieder eine stabile, handlungsfähige Regierung zu geben. Nach dem chaotischen Ende der Ampel-Koalition im November 2024 und den vorgezogenen Neuwahlen im Februar 2025 sollte die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD das Land endlich wieder auf Kurs bringen. Der Koalitionsvertrag trug den ambitionierten Titel „Verantwortung für Deutschland". Doch was wir nun erleben, erinnert fatal an die letzten Monate der Ampel – nur mit anderen Akteuren.
Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Stattdessen wurde ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen aufgelegt, das kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten wird. Er hatte Führungsstärke versprochen. Stattdessen streiten sich seine Minister öffentlich, und er selbst zeigt sich lediglich „befremdet". Das ist keine Führung – das ist Zuschauen vom Seitenrand.
Die Bürger zahlen die Zeche
Während sich die politische Klasse in Berlin mit internen Machtkämpfen beschäftigt, steigen die Lebenshaltungskosten für die normalen Bürger weiter. Die Inflation frisst die Kaufkraft auf, die Energiepreise bleiben auf einem Niveau, das für viele Familien schlicht nicht mehr tragbar ist. Und was bietet die Regierung? Einen öffentlichen Streit darüber, ob eine Übergewinnsteuer verfassungskonform wäre oder nicht. Man könnte lachen, wenn es nicht so bitter wäre.
Der Auftritt von Sepp Müller bei Markus Lanz war mehr als nur ein unangenehmer Fernsehmoment. Er war ein Spiegelbild einer Regierung, die den Kontakt zur Realität der Menschen in diesem Land verloren hat. Wenn selbst ein erfahrener Politiker wie Müller keine überzeugenden Antworten auf einfache Fragen liefern kann, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht. Deutschland braucht Politiker, die Probleme lösen, statt sie vor laufenden Kameras zu produzieren. Doch danach sieht es derzeit leider nicht aus.










