
Huawei-Bann im Handynetz: Wer zahlt die 40-Milliarden-Rechnung?

Berlin will Huawei aus dem deutschen 5G-Netz werfen, und zwar nicht mehr nur aus dem Kernnetz, sondern bis hinauf zur Antenne auf dem Dach. Telekom, Vodafone und Telefónica schlagen Alarm: Europaweit könnte der Umbau bis zu 40 Milliarden Euro kosten. Am Ende, so warnen die Netzbetreiber, tausche Europa damit nur eine Abhängigkeit gegen die nächste ein.
Die Kunden wollen Netz, keine Geopolitik
Was die Deutschen von ihrem Mobilfunk erwarten, ist schnell gesagt: Er soll günstig sein, überall funktionieren und schnell sein. Die Datensicherheit kommt erst danach. Einer repräsentativen Umfrage zufolge sind aber nur 13 Prozent mit ihrem Netz zufrieden.
84 Prozent halten eine gute Mobilfunkinfrastruktur sogar für nützlicher als Straßen und Energienetze. Wer je im ICE durch ein Funkloch gefahren ist, kann das gut verstehen. Nun stellen sich die Netzbetreiber öffentlich auf die Seite ihrer Kunden.
Die Bundesnetzagentur macht Ernst
Auslöser ist ein Katalog, den die Bundesnetzagentur Ende September zusammen mit dem BSI und dem Bundesdatenschutzbeauftragten vorgelegt hat. Darin wird erstmals auch das Antennenzugangsnetz als sicherheitskritisch eingestuft. Die Behörde begründet das Medienberichten zufolge mit „überregionalen Risiken“ durch „Angriffsvektoren oder drittstaatliche Einflussnahme“.
Damit dürfte das Bundesinnenministerium Bauteile bestimmter Hersteller verbieten. Betroffen wären nach Berichten rund 46.000 Antennenstandorte. Die endgültige Liste soll im Januar 2027 kommen. Kanzler Friedrich Merz hatte die Richtung schon vorgegeben:
„Wir werden überall dort, wo es möglich ist, Komponenten ersetzen – zum Beispiel im 5G-Netz, und wir werden keine Bauteile aus China im 6G-Netz zulassen.“
Damit wäre der Kompromiss von 2024 Geschichte. Damals hatte Innenministerin Nancy Faeser (SPD) mit den Anbietern vereinbart, dass chinesische Komponenten bis Ende 2026 aus dem Kernnetz verschwinden. Die Antennen waren davon ausgenommen.
Milliardenpoker um die Kosten
Wie teuer wird das? Darüber wird heftig gestritten. Eine Studie von GSMA Intelligence, bezahlt von sieben europäischen Netzbetreibern, beziffert allein die direkten Austauschkosten auf 30 bis 40 Milliarden Euro. Die EU-Kommission rechnet mit 10 bis 13 Milliarden Euro. Ein Telekommunikationsexperte hält Berichten zufolge für Deutschland rund 2,5 Milliarden Euro für realistischer.
Kritiker halten der Studie vor, sie rechne mit Bruttowerten. Einen Teil der Technik hätte man also ohnehin erneuern müssen. Die Branche entgegnet, der von Brüssel geplante Ausstieg binnen drei Jahren erzwinge einen vorzeitigen Austausch. Weil Wettbewerber wegfallen, rechnet die Studie außerdem mit um bis zu 24 Prozent höheren Preisen für Mobilfunkausrüstung.
Wer am Ende zahlt
Die Antwort liegt auf der Hand: Netzbetreiber geben Kosten erfahrungsgemäß an ihre Kunden weiter. Laut der Studie fehlen in Europa ohnehin schon rund 205 Milliarden Euro, um die Digitalziele bis 2030 zu erreichen. Jeder Euro, der in den Austausch funktionierender Antennen fließt, fehlt beim Ausbau von Glasfaser und 5G.
Raus aus Peking, rein nach Washington?
Für Beobachter ist das Ganze ein Lehrstück in Sachen Politikversagen. Noch 2018 hatte die Bundesregierung erklärt, eine gesetzliche Grundlage für den Ausschluss einzelner Anbieter gebe es nicht, und sie sei auch nicht geplant. Die Netzbetreiber bauten deshalb jahrelang günstig mit Huawei. Jetzt soll das auf einmal sehr schnell rückgängig gemacht werden.
Die Netzbetreiber warnen außerdem, der Umbau mache Europa nur noch abhängiger von den USA. In einer Zeit, in der Donald Trump Handelspolitik mit Zöllen betreibt, ist das ein ernster Einwand. Sicherheit im Netz ist richtig und wichtig. Ein Plan, der zwischen zwei Großmächten hin und her schwankt und die Rechnung den Bürgern überlässt, ist aber keine Souveränität. Er wirkt eher wie hektische Symbolpolitik.
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