
Hexenjagd auf Laschet: Wenn eine fehlende Unterschrift zum Staatsverbrechen wird
Was fĂŒr ein erbĂ€rmliches Schauspiel sich da wieder einmal in der deutschen Politik abgespielt hat. Armin Laschet, der Mann, der einst wegen eines unglĂŒcklichen Lachens im Hochwassergebiet politisch gekreuzigt wurde, musste erneut als SĂŒndenbock herhalten. Sein Vergehen? Er hatte es gewagt, eine bedeutungslose Friedensdeklaration nicht zu unterschreiben â aus einem privaten Notfall heraus, wie sich spĂ€ter herausstellte. Doch da war die Empörungsmaschinerie bereits auf Hochtouren gelaufen.
Die Meute wittert Verrat
Es begann harmlos genug. Der estnische Parlamentarier Marko Mihkelson hatte eine dieser typisch europĂ€ischen Deklarationen vorgelegt â ein Sammelsurium bekannter Standpunkte, verpackt in wohlklingende Phrasen ĂŒber einen "gerechten und dauerhaften Frieden". Zwanzig europĂ€ische Ausschussvorsitzende setzten brav ihre Unterschrift darunter. Nur einer fehlte: Armin Laschet.
FĂŒr die grĂŒne Empörungsfraktion war das Signal eindeutig: Verrat! Hochverrat! Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der GrĂŒnen, Agnieszka Brugger, konnte ihre EntrĂŒstung kaum zĂŒgeln. Deutschland sei schwach, wenn es bei solchen Initiativen fehle, tönte sie auf X. Ihre Parteikollegin Sara Nanni legte nach und fragte scheinheilig, ob Laschet ĂŒberhaupt noch merke, was in Europa passiere.
Der wahre Grund: Ein familiÀrer Notfall
Die Wahrheit war weitaus banaler, als es die aufgeregte Meute wahrhaben wollte. Laschet hatte an jenem Tag sĂ€mtliche Termine abgesagt und verbrachte die Zeit im Krankenhaus â ein familiĂ€rer Notfall. Doch diese Information kam zu spĂ€t. Die Empörungswelle hatte bereits ihre volle Wucht entfaltet.
"Nach der gestrigen Sendung von Caren Miosga ist es bezeichnend, nicht ĂŒberraschend, dass ausgerechnet Armin Laschet nicht mit unterschrieben hat."
So kommentierte die FDP-Europaparlamentarierin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die sich natĂŒrlich auch nicht die Gelegenheit entgehen lassen konnte, auf den vermeintlich abtrĂŒnnigen Laschet einzuprĂŒgeln. Selbst CDU-Kollege Norbert Röttgen fĂŒhlte sich bemĂŒĂigt, demonstrativ seine UnterstĂŒtzung fĂŒr die Deklaration zu bekunden â ein klassischer DolchstoĂ in den RĂŒcken des Parteikollegen.
Die wahre SĂŒnde: Diplomatische Vernunft
Doch was war eigentlich Laschets wirkliches Vergehen? In der Talkshow bei Carmen Miosga hatte er es gewagt, einen Hauch von diplomatischer Vernunft walten zu lassen. Der amerikanische Friedensplan könne zumindest "eine Grundlage" fĂŒr Verhandlungen sein, hatte er gesagt. Ein Satz von geradezu revolutionĂ€rer BanalitĂ€t in einem politischen Klima, das nur noch Maximalforderungen kennt.
Die selbsternannten Sicherheitsexperten wie Nico Lange können sich solche RealitĂ€tsferne leisten. Sein "1-Punkt-Friedensplan" â Russland kehrt in seine Grenzen zurĂŒck und bleibt dort â mag auf X fĂŒr Applaus sorgen. Ob die frierenden ukrainischen Soldaten an der zusammenbrechenden Front ĂŒber solche WunschtrĂ€umereien lachen können, darf bezweifelt werden.
Europa ohne Plan, aber mit viel Moral
Der Fall Laschet offenbart die ganze Misere der europĂ€ischen Ukraine-Politik. Man hat keine eigene Strategie, keine Vision, keinen realistischen Plan. Stattdessen klammert man sich an moralische Maximalforderungen und wiederholt sie wie GebetsmĂŒhlen. Wer auch nur den leisesten Zweifel anmeldet oder â Gott bewahre â pragmatische LösungsansĂ€tze diskutieren möchte, wird sofort als Putin-Versteher gebrandmarkt.
Die hastig zusammengeschusterte europĂ€ische Alternative zum amerikanischen Friedensplan, von der jeder wusste, dass Putin sie ablehnen wĂŒrde â was mittlerweile auch geschehen ist â, beweist nur eines: Linientreue ist wichtiger geworden als Realpolitik. Die FĂ€higkeit zur Diplomatie ist in diesem Klima der permanenten Empörung vollstĂ€ndig verkĂŒmmert.
Ein Klima der Angst und des KonformitÀtszwangs
Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass in der deutschen Politik ein Klima der Angst herrscht. Jede noch so kleine Abweichung vom vorgegebenen Narrativ wird als Verrat gewertet. Selbst ein erfahrener AuĂenpolitiker wie Laschet, der seit Jahren verlĂ€sslich jede Ukraine-UnterstĂŒtzungserklĂ€rung mittrĂ€gt, ist vor der Empörungsmaschinerie nicht sicher.
Die zaghaften Entschuldigungen, die nach Bekanntwerden des wahren Grundes fĂŒr Laschets Abwesenheit folgten, können nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass hier ein toxisches System am Werk ist. Ein System, das Wunschdenken fĂŒr Haltung hĂ€lt und jeden gnadenlos abstraft, der es wagt, auch nur einen Millimeter von der vorgegebenen Linie abzuweichen â oder der es wagt, aus privaten GrĂŒnden einen Tag auszusetzen.
Wenn selbst Armin Laschet, dieser Inbegriff des politischen Mainstreams, zur Zielscheibe einer derartigen Hexenjagd werden kann, dann ist klar: In diesem Klima des permanenten Verdachts kann es wirklich jeden treffen. Die deutsche Politik hat sich in eine Gesinnungsdiktatur verwandelt, in der nicht Argumente zĂ€hlen, sondern nur noch die bedingungslose Unterwerfung unter das gerade gĂŒltige Narrativ.










