
Häuserbauer im Schockzustand: US-Immobilienmarkt so mies wie seit 2012 nicht!

Die Stimmung unter Amerikas Hausbauern ist auf den tiefsten Stand seit 14 Jahren abgestürzt. Der viel beachtete Housing Market Index des Branchenverbands NAHB und der Bank Wells Fargo fiel im Oktober 2026 auf nur noch 29 Punkte. Im September waren es 32, Analysten hatten mit 31 gerechnet. Laut Medienberichten ist das der schwächste Wert seit Juni 2012.
Zur Einordnung: Erst ab 50 Punkten überwiegen die Optimisten. Vor einem Jahr stand der Index noch bei 37. Davon ist heute nichts mehr übrig.
Zinsen über sieben Prozent: Der Traum vom Eigenheim platzt
Alle drei Teilindizes rutschten ab. Die Bewertung der aktuellen Verkäufe sank um zwei Punkte auf 33, die Erwartungen für die kommenden sechs Monate brachen um fünf Punkte auf 32 ein. Am härtesten traf es die Zahl der Kaufinteressenten: nur noch 18 Punkte.
Verbandschef Bill Owens, selbst Bauunternehmer aus Ohio, nennt die Gründe. Die Hypothekenzinsen seien in den letzten Wochen deutlich über 7 Prozent gestiegen. Teureres Benzin und die Inflation hätten die Kauflaune im ganzen Land zusätzlich gedrückt. Gleichzeitig kämpften die Bauherren mit höheren Kosten für Baukredite, Material und Diesel.
Razzien auf der Baustelle
Brisant ist ein weiterer Punkt. Mehr als ein Drittel der Bauunternehmen habe im vergangenen Monat Kontrollen der Einwanderungsbehörden in ihrer Region gemeldet, so Owens. Das verzögere Projekte und schrecke sogar legal Beschäftigte davon ab, zur Arbeit zu erscheinen. Ein Lob hat er trotzdem für die Trump-Regierung: Ihre Bemühungen um Deregulierung linderten einen Teil des Kostendrucks.
Rabattschlacht: Fast jeder zweite Bauträger senkt die Preise
Wie verzweifelt die Branche ist, zeigen die Preisschilder. 43 Prozent der Bauträger haben im Oktober ihre Preise gesenkt, so viele wie noch nie seit 2020. Der durchschnittliche Abschlag liegt im siebten Monat in Folge bei 6 Prozent. Und 65 Prozent locken Käufer mit Zusatzanreizen, schon den 19. Monat hintereinander lag dieser Anteil bei mindestens 60 Prozent.
NAHB-Chefökonom Robert Dietz spricht von einem Markt, der durch Engpässe beim Angebot und massive Probleme bei der Bezahlbarkeit eingeklemmt sei. Die Nachfrage sei zwar da. Hohe Zinsen, teure Baukosten und eine schwache Verbraucherstimmung hielten aber immer mehr Käufer auf Abstand. Weniger Interessenten gab es zuletzt im April 2012, wenn man den Corona-Schock im April 2020 ausklammert.
Regional zeigt sich ein klares Gefälle. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt kommt der Nordosten auf 38 Punkte, der Mittlere Westen auf 40, der Süden auf 30. Der Westen bildet mit 26 Punkten das Schlusslicht.
Die Zinsfalle: Wer blinzelt zuerst?
Das eigentliche Drama spielt sich bei den Hausbesitzern ab. Neue Hypotheken kosten rund 7,5 Prozent. Der Durchschnitt aller laufenden US-Hypotheken liegt dagegen bei nur 4,33 Prozent. Wer günstig finanziert hat, verkauft nicht. Wer kaufen will, kann sich die neuen Raten kaum leisten. Der Markt ist eingefroren.
Und die Bauherren? Bei so trüben Aussichten werden sie kaum neue Häuser hochziehen. Das Angebot bleibt knapp, die Preise hoch, das Eigenheim für viele Familien ein Traum. Die Stimmung der Käufer ist übrigens noch düsterer als die der Bauherren. So wenig Lust auf den „amerikanischen Traum“ hatten die Amerikaner noch nie.
Ein Warnsignal, auch für Deutschland
Deutsche Leser kennen das Muster. Steigende Zinsen, teure Baustoffe und ein Dickicht aus Vorschriften haben auch hierzulande den Wohnungsbau ausgebremst. Der Unterschied: In Washington wird wenigstens über Deregulierung geredet. In Berlin wachsen die Auflagen weiter.
Für Sparer zeigt der US-Markt vor allem eins: Auch das scheinbar sichere „Betongold“ kann wanken, wenn die Zinsen drehen und die Liquidität verschwindet. Physisches Gold und Silber hängen dagegen an keinem Kreditzins und sind nicht auf Käufer mit Finanzierung angewiesen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie helfen, das Vermögen abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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