Kettner Edelmetalle
28.07.2026
05:23 Uhr

Guillotine als politisches Statement: Wie der Grünen-Chef auf der Insel die Grenze des Sagbaren einreißt

Es gibt Bilder, die brauchen keine Bildunterschrift. Eine Guillotine. Darüber die Zeile „We're only making plans for Nigel". Und ein Empfängerkreis von rund 713.000 Instagram-Followern. Was der Vorsitzende der britischen Grünen, Zack Polanski, da in seinem Netzwerk weiterverbreitete, ist nach Lesart von Reform UK keine augenzwinkernde Pop-Referenz, sondern schlicht: Anstiftung zum Mord.

Ein Songtitel, ein Fallbeil – und ein Name

Der Ursprung der Formulierung liegt im Jahr 1979. Die Band XTC veröffentlichte damals „Making Plans for Nigel", ein Stück über einen jungen Mann, dessen Eltern über seine Zukunft entscheiden. Harmlos. Ironisch. Ein Klassiker der New-Wave-Ära. Doch in Kombination mit einem Hinrichtungsinstrument und dem Vornamen des bekanntesten britischen Rechtspopulisten verliert der Scherz jede Unschuld. Farage selbst veröffentlichte einen Screenshot auf X und formulierte den entscheidenden Punkt mit bemerkenswerter Ruhe: Würde er selbst derart Aufhetzendes posten, müsse er mit seiner Festnahme rechnen – und genau das solle für Polanski ebenfalls gelten.

Der Reform-Politiker Zia Yusuf legte nach. Käme ein solcher Beitrag von einem Kandidaten seiner Partei, gerichtet gegen einen linken Politiker, wäre das Land tagelang in Aufruhr. Man muß kein Anhänger von Reform UK sein, um zu erkennen: Er hat recht. Die Empörungsmaschinerie kennt bekanntlich zwei Geschwindigkeiten, und welche zum Einsatz kommt, hängt nicht vom Vergehen ab, sondern vom Parteibuch des Täters.

Der Schatten des Falls Widdecombe

Was diesen Vorgang von einer beliebigen Netz-Entgleisung unterscheidet, ist der Zeitpunkt. Am 9. Juli wurde die frühere konservative Politikerin und Reform-UK-Sprecherin Ann Widdecombe tot in ihrem Haus in Devon aufgefunden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft schlug der Täter der 78jährigen einundzwanzigmal mit einem Hammer auf den Kopf. Einundzwanzigmal.

Wer in einem solchen Klima Fallbeil-Motive mit dem Namen eines lebenden Politikers verknüpft, kann sich schwerlich hinter dem Argument der Satire verschanzen.

Die Grünen wiesen die Vorwürfe erwartungsgemäß zurück. Polanski verurteile das Bild, so ein Sprecher, er sei in einem Beitrag mit mehreren Fotos lediglich markiert worden und habe nicht bemerkt, daß dieser mehr enthalte als die von ihm gesichteten Aufnahmen. Das umstrittene Motiv wurde später aus der Reihe entfernt. Eine Erklärung, die man glauben kann. Oder eben nicht. Die Metropolitan Police jedenfalls bestätigte den Eingang der Meldung und führe entsprechende Prüfungen durch – man nehme derartige Hinweise sehr ernst.

Warum uns das in Deutschland etwas angeht

Man könnte all dies als britische Innenpolitik abtun. Ein Fehler. Denn das Muster ist längst auf dem Kontinent angekommen: Gewaltphantasien gegen politische Gegner werden dann als „Kunst", „Zuspitzung" oder „Kontextverlust" verharmlost, wenn sie aus dem richtigen Lager stammen. Auch hierzulande sorgen Beiträge grüner Politiker regelmäßig für Eklats, und regelmäßig folgt dieselbe Choreographie aus Relativierung, Bedauern und schnellem Löschen.

Die politische Kultur des Westens erodiert dort, wo Sprache zur Waffe wird und die Justiz je nach Adressat unterschiedlich schnell reagiert. Wer Vertrauen in den Rechtsstaat einfordert, muß ihn zuerst blind machen – im ursprünglichen, guten Sinne des Wortes. Solange das nicht geschieht, wird die Kluft zwischen Bürgern und politischer Klasse weiter wachsen. Und mit ihr das Bedürfnis vieler Menschen, sich unabhängig von einem Staat zu machen, dem sie immer weniger zutrauen – wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

Vertrauen läßt sich nicht per Dekret verordnen

Es gehört zu den bitteren Wahrheiten unserer Zeit, daß politische Verläßlichkeit zur knappen Ressource geworden ist. Wer in unruhigen Zeiten Substanz sucht, findet sie traditionell weniger in Versprechen als in Sachwerten. Physisches Gold und Silber sind seit Jahrtausenden das, was politische Rhetorik nie war: unbestechlich.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen. Eine Rechts- oder Steuerberatung findet ebenfalls nicht statt.

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