Kettner Edelmetalle
18.05.2026
09:14 Uhr

Goldreserven verscherbeln? Wie ein Berliner Ökonom Deutschlands letzten Schatz opfern will

Goldreserven verscherbeln? Wie ein Berliner Ökonom Deutschlands letzten Schatz opfern will

WĂ€hrend die Notenbanken rund um den Globus mit beachtlichem Appetit weiter Gold horten, fordert ausgerechnet ein prominenter deutscher Wirtschaftsforscher das genaue Gegenteil: Berlin solle Teile seiner Goldreserven verscherbeln, um kurzfristige HaushaltslĂŒcken zu stopfen. Ein Vorschlag, der nicht nur ökonomisch fragwĂŒrdig ist, sondern auch entlarvt, wie tief der finanzpolitische Verfall im Land bereits fortgeschritten ist.

Der Kaufrausch der Notenbanken geht weiter

ZunĂ€chst zur Faktenlage am Goldmarkt: Nach Ausbruch des Iran-Konflikts ging an den internationalen Edelmetallbörsen die Sorge um, einzelne Zentralbanken könnten die hohen Preisniveaus nutzen, um endlich einmal Kasse zu machen. Die TĂŒrkei stieß tatsĂ€chlich BestĂ€nde ab, in Polen kursierten entsprechende Überlegungen. Doch der befĂŒrchtete große Ausverkauf? Blieb aus. Im Gegenteil – die KĂ€ufe ziehen wieder krĂ€ftig an.

Laut einer Analyse von Goldman Sachs, namentlich der Experten Lina Thomas und Daan Struyven, dĂŒrften die GoldkĂ€ufe der Notenbanken im Verlauf des Jahres 2026 auf durchschnittlich rund 60 Tonnen pro Monat anziehen. Der gleitende Zwölfmonatsdurchschnitt sei bereits im MĂ€rz auf 50 Tonnen geklettert, nachdem er zuvor bei 29 Tonnen gelegen habe. Die Analysten verweisen auf ein „starkes grundlegendes Interesse" der Notenbanken am gelben Metall, das durch geopolitische Verwerfungen zusĂ€tzlich befeuert werde.

Auch der World Gold Council bestĂ€tigt diese Tendenz: Im ersten Quartal sollen die Notenbanken weltweit 244 Tonnen Gold akkumuliert haben, nach 208 Tonnen im Vorquartal. Goldman Sachs hĂ€lt daher an seiner Prognose fest, wonach der Goldpreis bis Jahresende auf 5.400 US-Dollar pro Unze klettern könnte – eine EinschĂ€tzung, die in Ă€hnlicher Form auch von UBS und ANZ Group geteilt wird. Aktuell notiert das Edelmetall nach dem Januar-Rekord von 5.595 Dollar bei 4.544 Dollar – eine Konsolidierungsphase, die viele Beobachter als Atempause vor dem nĂ€chsten Auftrieb deuten.

Berlins absurder Vorschlag: Familienschmuck verkaufen fĂŒr die Stromrechnung

Und wĂ€hrend China, Indien, Polen und viele weitere Staaten ihre Tresore befĂŒllen, kommt aus Berlin ein Vorschlag, der einem die Sprache verschlĂ€gt. Marcel Fratzscher, PrĂ€sident des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung und seit Jahren als Stichwortgeber des linksgrĂŒnen Milieus bekannt, fordert allen Ernstes, Teile der deutschen Goldreserven zu liquidieren. Der Bundesregierung fehlten dreißig Milliarden Euro zur BewĂ€ltigung der „akuten Krise", da sitze man doch zugleich auf riesigen GoldbestĂ€nden – warum diese nicht anzapfen?

Der intellektuelle Tiefpunkt dieses Vorschlags lĂ€sst sich kaum noch unterbieten. Hier offenbart sich exemplarisch das ökonomische Grundproblem des deutschen Staatswesens: Berlin hat kein Einnahmeproblem, sondern ein gewaltiges Ausgabenproblem. Statt endlich den aufgeblĂ€hten Staatsapparat zu durchforsten, ideologisch motivierte Prestigeprojekte einzustampfen und mit dem Steuergeld der BĂŒrger sorgsam umzugehen, sucht man immer neue Wege, um die Substanz des Landes zu Geld zu machen.

Daniel Stelter zerlegt die Argumentation

Der renommierte Ökonom Daniel Stelter hat dem Vorstoß umgehend eine vernichtende Replik entgegengesetzt. Seine Argumentation: Die Goldreserven der Bundesbank seien nichts weniger als eine Versicherungspolice gegen wĂ€hrungspolitische Großwetterlagen. Sollte das internationale WĂ€hrungssystem neu geordnet werden – und entsprechende Diskussionen laufen lĂ€ngst hinter den Kulissen –, wĂŒrde Gold eine zentrale Rolle spielen. Auch im Falle eines Auseinanderbrechens des Euro und einer RĂŒckkehr zur D-Mark wĂ€re der Goldschatz der entscheidende Anker in der Bundesbankbilanz.

Wer in einer solchen Lage Reserven verscherbelt, um Haushaltslöcher zu kitten, handelt wie ein Familienvater, der die letzte Goldkette der Großmutter beim Pfandleiher abgibt, weil das Geld fĂŒr den nĂ€chsten Streaming-Dienst nicht mehr reicht. Das Geld wĂ€re binnen Wochen verbrannt – versickert in BĂŒrgergeld-Aufstockungen, Klimakleber-Subventionen, GenderlehrstĂŒhlen oder weiteren ideologischen Spielwiesen. Die Reserve aber wĂ€re auf Dauer dahin. Und sollten andere Notenbanken weiterhin im Kaufrausch verharren, mĂŒsste Deutschland spĂ€ter zu deutlich höheren Preisen wieder einsteigen, um die strategische Reserve neu aufzubauen.

Symptom einer politischen Geisteshaltung

Der Fratzscher-Vorschlag ist mehr als nur ein ökonomischer Fehlgriff. Er ist ein Sittenbild jener politischen MentalitĂ€t, die das Land seit Jahren prĂ€gt: Lieber die Substanz aufzehren, lieber den BĂŒrgern und kommenden Generationen die Lasten aufbĂŒrden, als endlich an die heiligen KĂŒhe des aufgeblĂ€hten Sozial- und Subventionsstaates zu rĂŒhren. Die 500 Milliarden Euro Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur, die unter Bundeskanzler Friedrich Merz beschlossen wurden, obwohl im Wahlkampf keine neuen Schulden versprochen worden waren, weisen in dieselbe Richtung. Schulden auf Schulden – und nun also auch noch der Griff in die Schatzkammer.

Wer wirklich fĂŒr Deutschland wirtschaftet und nicht gegen das Land regiert, der wĂŒrde die Goldreserven mit Klauen und ZĂ€hnen verteidigen. Sie sind das letzte verbliebene Tafelsilber einer einst stolzen Wirtschaftsnation. Wer sie antastet, opfert die Zukunft fĂŒr ein ideologisch verbohrtes politisches Hier und Jetzt.

Was bedeutet das fĂŒr den Privatanleger?

Die Botschaft, die der private Sparer aus dieser Debatte mitnehmen sollte, ist eindeutig: Die Notenbanken dieser Welt wissen, warum sie Gold horten – auch wenn der eine oder andere deutsche Wirtschaftsforscher das Gegenteil predigt. Physisches Gold ist und bleibt ein bewĂ€hrter Anker zur Vermögenssicherung in einer Zeit geopolitischer Verwerfungen, hoher Staatsverschuldung und schleichender Kaufkraftverluste. Wer sich nicht auf die Weisheit Berliner Finanzpolitik verlassen möchte, sollte sein Vermögen breit diversifizieren und einen sinnvollen Anteil in physische Edelmetalle umschichten – als persönliche Versicherung gegen die kommenden StĂŒrme.

Hinweis: Die in diesem Artikel geĂ€ußerten EinschĂ€tzungen geben die Meinung unserer Redaktion wieder und stellen ausdrĂŒcklich keine Anlageberatung dar. Wir betreiben weder Anlage- noch Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und Entscheidungen ĂŒber Geldanlagen in eigener Verantwortung zu treffen. Im Zweifelsfall sollte ein unabhĂ€ngiger Fachberater konsultiert werden.

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