Kettner Edelmetalle
31.07.2025
09:35 Uhr

Goldnachfrage trotz Rekordpreisen ungebrochen – Zentralbanken und ETFs treiben den Markt

WĂ€hrend die AktienmĂ€rkte von Trumps Zollpolitik durchgeschĂŒttelt werden und die Anleger nervös auf die nĂ€chsten Fed-Entscheidungen starren, zeigt sich der Goldmarkt von einer bemerkenswerten Seite: Die Nachfrage bleibt trotz historisch hoher Preise auf Rekordniveau. Der jĂŒngste Bericht des World Gold Council fĂŒr das zweite Quartal 2025 offenbart eine Entwicklung, die selbst erfahrene Marktbeobachter ĂŒberraschen dĂŒrfte.

Wenn die Welt wackelt, glÀnzt das Gold

Mit 1.249 Tonnen erreichte die globale Goldnachfrage im zweiten Quartal einen Wert, der angesichts des Preisniveaus nahe der 3.500-Dollar-Marke beachtlich ist. Ein Plus von drei Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr – in Zeiten, in denen andere Anlageklassen unter der VolatilitĂ€t Ă€chzen. Die Botschaft ist eindeutig: WĂ€hrend die neue Große Koalition unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Schuldenspirale weiter antreibt und die Inflation befeuert, suchen Anleger verzweifelt nach werthaltigen Alternativen.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die treibenden KrĂ€fte dieser Entwicklung. Gold-ETFs verzeichneten ZuflĂŒsse von satten 170 Tonnen – ein dramatischer Wandel gegenĂŒber dem Vorjahr. Asiatische Fonds legten dabei mit 70 Tonnen ein Tempo vor, das selbst mit den USA mithalten konnte. Das erste Halbjahr 2025 markierte mit 397 Tonnen den höchsten ETF-Zufluss seit dem Corona-Jahr 2020.

Die stillen KĂ€ufer: Zentralbanken setzen auf Edelmetall statt auf Papiergeld

WĂ€hrend Politiker in Berlin und BrĂŒssel von der StĂ€rke des Euro schwĂ€rmen, sprechen die Zentralbanken eine andere Sprache. Mit 166 Tonnen im zweiten Quartal kauften sie weiterhin fleißig Gold – ein klares Misstrauensvotum gegen das bestehende WĂ€hrungssystem. Noch deutlicher wird das Bild durch die Umfrage des World Gold Council: 95 Prozent der befragten Reserveverwalter erwarten, dass die GoldbestĂ€nde der Zentralbanken weltweit weiter steigen werden.

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefĂ€hr. Die geopolitischen Spannungen – von Trumps aggressiver Zollpolitik ĂŒber den andauernden Ukraine-Krieg bis zur dramatischen Eskalation im Nahen Osten – haben das Vertrauen in papierne Versprechen erschĂŒttert. Wenn selbst Notenbanken lieber auf physisches Gold setzen als auf die eigenen WĂ€hrungen, sollte das auch dem letzten Sparer zu denken geben.

China und Indien: Die Giganten greifen zu

Besonders beeindruckend zeigt sich die Nachfrage in Asien. Chinesische Investoren steigerten ihre KĂ€ufe von Barren und MĂŒnzen um spektakulĂ€re 44 Prozent auf 115 Tonnen. Indien legte mit 46 Tonnen ebenfalls krĂ€ftig nach. Diese Zahlen sprechen BĂ€nde: WĂ€hrend im Westen noch ĂŒber die Vorteile von digitalen WĂ€hrungen und ETFs philosophiert wird, setzen die Menschen in Asien auf das, was seit Jahrtausenden Bestand hat – physisches Gold.

Europa erwachte ebenfalls aus seinem Dornröschenschlaf: Die Nettoinvestitionen verdoppelten sich auf 28 Tonnen. Nur in den USA halbierte sich die Nachfrage auf magere 9 Tonnen – möglicherweise ein Zeichen dafĂŒr, dass amerikanische Anleger noch zu sehr an die Allmacht des Dollars glauben.

Die Kehrseite der Medaille: Schmucknachfrage bricht ein

Nicht alles glĂ€nzt im Goldmarkt. Die Schmucknachfrage brach um 14 Prozent ein und nĂ€herte sich dem Tiefstand wĂ€hrend der Corona-Pandemie. China verzeichnete einen RĂŒckgang von 20 Prozent, Indien von 17 Prozent. Doch selbst diese scheinbar negative Entwicklung hat eine positive Seite: Wenn weniger Gold in Schmuck fließt, bleibt mehr fĂŒr Investoren ĂŒbrig. Und wertmĂ€ĂŸig stieg der Schmuckmarkt trotz geringerer Mengen auf 36 Milliarden Dollar – ein Zeichen fĂŒr die gestiegenen Preise.

Was bedeutet das fĂŒr Anleger?

Louise Street vom World Gold Council bringt es auf den Punkt: Die erste JahreshĂ€lfte 2025 war geprĂ€gt von Handelsspannungen, unvorhersehbaren politischen Kurswechseln und geopolitischen Krisenherden. Gold legte in diesem Umfeld beeindruckende 26 Prozent in Dollar zu und ĂŒbertraf damit die meisten anderen Anlageklassen deutlich.

Die Botschaft fĂŒr deutsche Sparer könnte klarer nicht sein: WĂ€hrend die neue Bundesregierung mit ihrem Sondervermögen die Inflation weiter anheizt und die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 im Grundgesetz verankert – was Generationen von Steuerzahlern teuer zu stehen kommen wird –, bietet Gold einen bewĂ€hrten Schutz vor der schleichenden Enteignung durch Geldentwertung.

Die Frage ist nicht, ob man Gold besitzen sollte, sondern wie viel. In Zeiten, in denen selbst Zentralbanken dem eigenen Papiergeld misstrauen, in denen geopolitische Spannungen tĂ€glich neue Höhepunkte erreichen und in denen Politiker Billionen-Schulden als "Sondervermögen" verkaufen, erscheint eine Beimischung physischer Edelmetalle nicht nur sinnvoll, sondern geradezu zwingend fĂŒr jeden, der sein Vermögen ĂŒber die kommenden turbulenten Jahre retten möchte.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss seine Investitionsentscheidungen selbst treffen und trĂ€gt die volle Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen. Wir empfehlen, sich umfassend zu informieren und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen.

Wissenswertes zum Thema