
Gold-Patt an der Wall Street: Profis ratlos, Kleinanleger nervös

Die Profis zucken mit den Schultern, die Kleinanleger werden unruhig. In der jüngsten wöchentlichen Gold-Umfrage des US-Fachdienstes Kitco News legt sich die Hälfte der befragten Wall-Street-Analysten nicht fest, wohin der Goldpreis in dieser Woche läuft. Bei den Privatanlegern haben die Pessimisten knapp die Nase vorn, nachdem Gold erneut an der Marke von 4.200 US-Dollar abgeprallt ist.
Eine Woche wie eine Achterbahnfahrt
Was war passiert? Zunächst schickten Inflationsdaten aus den USA, die höher als erwartet ausfielen, das Edelmetall auf Talfahrt. Medienberichten zufolge kletterte die US-Teuerung im September auf 3,7 Prozent. Dazu kamen steigende Renditen bei US-Staatsanleihen und ein festerer Dollar – Gift für ein Metall, das keine Zinsen abwirft.
Zum Wochenende drehte der Wind. Die Anleiherenditen gaben nach, und die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed im Oktober schwächte sich ab. Gold machte einen Großteil seiner Verluste wieder wett. Ein Ausbruch nach oben blieb allerdings erneut aus.
Die Zahlen: Unentschieden auf ganzer Linie
An der Kitco-Umfrage beteiligten sich zwölf Wall-Street-Experten. Ihr Urteil fällt bemerkenswert zurückhaltend aus:
- 4 Analysten (33 Prozent) rechnen mit steigenden Preisen.
- 2 Analysten (17 Prozent) erwarten fallende Kurse.
- 6 Analysten (50 Prozent) tippen auf eine Seitwärtsbewegung.
Bei der Online-Abstimmung gaben 139 Privatanleger ihre Stimme ab. 63 von ihnen (45 Prozent) setzen auf fallende Preise, 60 (43 Prozent) auf steigende. Die restlichen 16 Teilnehmer (12 Prozent) erwarten eine Konsolidierung. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen also – mit leichtem Vorteil für die Bären.
Die Fed zieht die Daumenschrauben an
Den Hintergrund bildet eine Zinswende, die viele vor einem Jahr noch für undenkbar gehalten hätten. Am 16. September 2026 hob die Fed den Leitzins laut Berichten um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an – die erste Erhöhung seit 2023. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg im September zeitweise auf 5,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 24 Jahren.
Als nächster Schlüsseltermin gilt die Fed-Sitzung am 28. Oktober. Für Dezember preisten die Märkte zuletzt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen weiteren Zinsschritt ein.
Die stillen Käufer lassen sich nicht beirren
Doch wer nur auf die Wochencharts starrt, übersieht das größere Bild. Laut World Gold Council kauften Zentralbanken bis Ende August netto 170 Tonnen Gold, allen voran China. Physisch hinterlegte Gold-ETFs verzeichneten im dritten Quartal den höchsten Quartalszufluss, der je gemessen wurde. Fallende Kurse, steigende Nachfrage – kurzfristige Spekulation sieht anders aus.
Wie lange hält Washington die hohen Zinsen aus?
Die US-Investmentbank Jefferies senkte Berichten zufolge zwar ihre Prognose für das vierte Quartal auf 4.400 Dollar, hält aber an ihrem Ziel von 5.000 Dollar je Unze für 2027 fest. Die Begründung: Die USA könnten sich dauerhaft hohe Renditen schlicht nicht leisten. Die Analysten verweisen auf ein jährliches Haushaltsdefizit von rund zwei Billionen Dollar und Netto-Zinskosten von inzwischen mehr als einer Billion.
Das ist der Kern der Sache. Eine Supermacht, die mehr für Zinsen ausgibt als manche Staaten für ihren gesamten Haushalt, wird früher oder später zur Notenpresse greifen müssen, so die Sorge vieler Beobachter. Und auch in Berlin türmt die Regierung Merz mit ihrem 500-Milliarden-Sondervermögen neue Schuldenberge auf – trotz anderslautender Wahlversprechen.
Fazit: Nervosität ist kein Trend
Seit dem Rekordhoch von rund 5.590 Dollar Ende Januar hat Gold spürbar Federn gelassen. Wer kurzfristig handelt, mag das als Warnsignal lesen. Wer langfristig denkt, sieht ein Marktumfeld, in dem Schulden, Inflation und Notenbankkäufe weiter für das gelbe Metall sprechen. Physisches Gold und Silber bleiben aus unserer Sicht eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen – gerade dann, wenn die Stimmung wackelt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.










