Kettner Edelmetalle
19.10.2026
08:12 Uhr
KI-generiert

Geheimsache Familiennachzug: Was verschweigt Dobrindts Ministerium?

Geheimsache Familiennachzug: Was verschweigt Dobrindts Ministerium?
Symbolbild: KI-generiert

Das Bundesinnenministerium hält Zahlen zum sogenannten Familienschutz unter Verschluss. Medienberichten zufolge haben zwischen dem 1. Januar und dem 31. August 2026 insgesamt 21.565 Menschen über diesen Weg ein Bleiberecht in Deutschland erhalten. Fast 16.000 von ihnen stammen aus Afghanistan.

Bekannt wurden die Daten durch eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Peter Felser. Die Antwort des Ministeriums trägt den Vermerk „VS – Nur für den Dienstgebrauch“. Für die Öffentlichkeit war sie also nie gedacht.

Ein Geheimstempel, der stutzig macht

Das Ministerium von Alexander Dobrindt (CSU) begründet die Einstufung laut dem Bericht mit Rücksicht auf „die bilateralen Beziehungen“ zu den Herkunftsstaaten. Werde diese Rücksicht verletzt, entstehe „den Interessen der Bundesrepublik Deutschland Schaden“.

Man darf sich fragen: Welchen Schaden richtet eine Statistik an? Kritiker sehen darin eher den Versuch, der eigenen Bevölkerung unbequeme Zahlen vorzuenthalten. Das Ganze passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die Regierung sinkende Asylzahlen als Erfolg feiert.

Afghanistan führt mit großem Abstand

Familienschutz bedeutet vereinfacht gesagt: Angehörige eines anerkannten Schutzberechtigten bekommen dessen Status. Eigene Fluchtgründe müssen sie dafür nicht nachweisen. Die Verwandtschaft reicht. Laut den Unterlagen verteilen sich die Fälle so:

  • Afghanistan: 15.912
  • Syrien: 1.637
  • Eritrea: 1.149
  • Irak: 612
  • Somalia: 611

Deutsche Auslandsvertretungen stellten dafür 4.942 Visa aus. Bis Ende August gab es zum Vergleich 47.296 Asyl-Erstanträge. Rechnet man beides zusammen, entfällt also fast ein Drittel auf den Familienschutz. Kritiker sprechen von „Kettenmigration“: Ein Antragsteller kommt, viele Angehörige folgen.

Abschiebungen? Kaum der Rede wert

Dobrindt tritt gern als Minister der harten Hand auf. Laut dem Bericht gab es seit seinem Amtsantritt aber gerade einmal 250 Rückführungen nach Afghanistan. An der Grenze wurden in diesem Jahr nur 655 Menschen zurückgewiesen, die zuvor um Asyl gebeten hatten. Dem stehen knapp 16.000 Afghanen allein über den Familienschutz gegenüber.

Dazu kommen 13.780 afghanische Erstanträge bis Ende September. Rund 1.000 dieser Antragsteller sollen bereits in einem anderen EU-Land Schutz erhalten haben. Außerdem zählten die Behörden 10.854 Folgeanträge von Afghanen.

Dahinter steckt offenbar Kalkül. Viele Afghanen haben in Deutschland nur subsidiären Schutz. Für diese Gruppe ist der Familiennachzug seit Juli 2025 für zwei Jahre weitgehend ausgesetzt. Der volle Flüchtlingsstatus öffnet dagegen die Tür für Angehörige. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2024 zugunsten afghanischer Frauen macht diesen Wechsel deutlich leichter.

Der blinde Fleck aus Brüssel

Und die Statistik hat Lücken. Seit Juni gilt das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem, kurz GEAS. Die Zuerkennung von Familienschutz nach den neuen Regeln werde vom BAMF „statistisch nicht erfasst“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Die Reform sollte Ordnung schaffen, doch an dieser Stelle fehlen jetzt die Zahlen.

Felser findet für das Vorgehen der Regierung deutliche Worte:

„Der Bürger hat aber ein Recht darauf, zu erfahren, wer auf welchem Ticket zu uns kommt. Wenn die Regierung ihm stattdessen mit Geheimschutz-Vermerken und hohlen Phrasen das Gefühl gibt, für dumm verkauft zu werden, muss sie sich nicht wundern, wenn ihr die angebliche Migrationswende kein Mensch abkauft.“

Nur ein Ausschnitt

Die Daten zeigen nur einen Teil des Geschehens. Laut einer früheren Anfrage wurden allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 43.739 Visa für den Ehegatten- und Familiennachzug ausgestellt. Im Vorjahr waren es über 110.000.

Union und SPD haben die Migrationswende versprochen. Glaubwürdig wird sie aber nur mit offenen Zahlen. Wer Daten zum Familiennachzug als Verschlusssache behandelt, verspielt das Vertrauen, das er eigentlich zurückgewinnen will.

Wissenswertes zum Thema