Kettner Edelmetalle
19.10.2026
08:12 Uhr
KI-generiert

Frost-Schock bei leeren Gasspeichern: Wie lange hält Deutschland durch?

Frost-Schock bei leeren Gasspeichern: Wie lange hält Deutschland durch?
Symbolbild: KI-generiert

Drei Wochen Dauerfrost, minus 25 Grad im Erzgebirge und Gasspeicher, die nur zu 60,5 Prozent gefüllt sind: Dieses Szenario wird gerade greifbar. Laut Bundesnetzagentur lag der Füllstand am 16. Oktober rund 15 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Ein echter Eiswinter würde ein Land treffen, das die Kälte fast vergessen hat.

Sibirien vor der Haustür

Über Hitzesommer wird in Deutschland leidenschaftlich gestritten. Über Kälte kaum noch. Dabei halten Meteorologen wochenlangen Frost weiterhin für möglich.

Bitterkalt wird es, wenn Luft aus Norden oder Nordosten einströmt und der milde Atlantik nicht mehr durchkommt. So erklärt es Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Oft gibt der Polarwirbel den Anstoß: Erwärmt sich die Stratosphäre plötzlich, wird das Windband über der Arktis gebremst oder zerreißt. Dann kann Polarluft weit nach Süden vorstoßen. Liegt Schnee, wirft er das Sonnenlicht zurück, und die Nächte werden noch kälter.

Wo das Land zuerst schlappmacht

Ausgerechnet der Diesel versagt früh. Winterdiesel muss zwar bis minus 20 Grad filtrierbar bleiben. Laut ADAC bilden sich aber schon ab etwa minus sieben Grad die ersten Paraffinkristalle. Wer tagelang draußen parkt, riskiert einen verstopften Filter.

Beim E-Auto empfiehlt der ADAC, im Winter 30 bis 40 Prozent von der Normreichweite abzuziehen. Im Kältetest des Clubs brauchte ein Tesla Model Y am Schnelllader 56 statt 33 Minuten. Für die Verkehrswende ist das keine gute Werbung.

Bei der Bahn sind nur rund 70 Prozent der etwa 70.000 Weichen beheizt. Der Rest kann festfrieren. Dazu kommen geplatzte Wasserrohre: Laut Versichererverband GDV kosten Frostschäden schon in normalen Jahren rund 130 Millionen Euro.

60,5 Prozent: Die heikelste Zahl dieses Herbstes

Die Bundesnetzagentur nehme die Entwicklung „sehr ernst“ und rechne mit einem niedrigen Füllstand am Ende des Winters. Eine Mangellage sehe sie aber nicht, die Importe seien stabil. Medienberichten zufolge liegt der Füllstand trotzdem rund 28 Punkte unter dem Mittel der Jahre 2017 bis 2021.

Branchenszenarien zeigen, wie dünn das Polster ist. Selbst bei 77 Prozent am 1. November würde das Gas in einem Kältewinter wie 2010 im Januar und Februar knapp. Davon ist Deutschland derzeit weit entfernt.

Die Politik rennt hinterher

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) habe den Versorger Sefe angewiesen, mehr Gas einzuspeichern, heißt es in Berichten. Ein Gesetzentwurf für eine staatliche Gasreserve liege vor, für diesen Winter spiele er aber keine Rolle. Bezahlen sollen die Reserve ab 2027 offenbar die Gaskunden über eine Umlage. Pikant: Noch im August hatte die Bundesnetzagentur angeregt, die staatlichen Füllstandsvorgaben ganz abzuschaffen.

Texas als Mahnung

Wie schnell Kälte ein Energiesystem in die Knie zwingt, zeigte Texas im Februar 2021. Gasleitungen froren ein, das Stromnetz brach zusammen. Mehr als vier Millionen Haushalte und Betriebe hatten keinen Strom. Die texanische Gesundheitsbehörde zählte 246 Tote.

Als der Bodensee zur Straße wurde

Den offiziellen deutschen Kälterekord hält das Hopfenforschungsinstitut in Hüll bei Wolnzach: minus 37,8 Grad am 12. Februar 1929. Im Februar 1963 fror der Bodensee vollständig zu. Zum Jahreswechsel 1978/79 fiel die Temperatur im Norden innerhalb weniger Stunden von plus zehn auf minus 20 Grad. In der Bundesrepublik starben 17 Menschen, Rügen war tagelang von der Außenwelt abgeschnitten.

Mild vorhergesagt, aber nicht garantiert

Die Langfristmodelle von ECMWF und NOAA rechnen bisher mit einem deutlich zu milden, nassen Winter. Laut DWD-Klimaexperte Andreas Walter ist die Zahl der Eistage von rund 27 auf etwa 18 pro Jahr gesunken. Er mahnt trotzdem:

„Wir nennen diese Jahreszeit Winter.“

Ein einziger Bruch des Polarwirbels kann den Trend binnen Tagen drehen. 2018 brachte das „Beast from the East“ zweistellige Minusgrade nach Deutschland. Fest steht nur: Anfang Februar 2027 müssen die Speicher laut Vorgabe noch zu 30 Prozent gefüllt sein.

Wer sich darauf verlässt, dass schon alles gut geht, setzt auf Glück statt auf Vorsorge. Klüger ist es, rechtzeitig selbst vorzusorgen: mit Vorräten, einem Plan für den Notfall und einem Vermögen, das breit gestreut ist. Physische Edelmetalle können dabei als krisenfeste Beimischung eine sinnvolle Ergänzung sein.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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