
Frankreich-Wahl 2024: Banken bereiten sich auf eine Mega-Krise vor
Heute wÀhlt Frankreich einen neuen PrÀsidenten, und die Finanzwelt hÀlt den Atem an. Die EuropÀische Zentralbank (EZB) hat ein Instrument in der Hinterhand, falls Frankreich nach der Wahl in eine Finanzkrise schlittert. Doch wird es wirklich eingesetzt, wenn sich die FinanzmÀrkte gegen Frankreich wenden?
Die Schatten der Vergangenheit
Jean-Claude Juncker, der damalige EU-KommissionsprĂ€sident, nutzte im Jahr 2016 die Worte âWeil es Frankreich istâ, um die Entscheidung BrĂŒssels zu rechtfertigen, Frankreich in Bezug auf Haushaltsregeln erneut Nachsicht zu gewĂ€hren. Doch diese Nachsicht könnte sich Ă€ndern, wenn die Neuwahlen in Frankreich eine europaskeptische, rechtsextreme Regierung hervorbringen. Experten befĂŒrchten, dass ein solcher Konfrontationskurs mit BrĂŒssel die gesamte WĂ€hrungsunion destabilisieren und den Euro schwĂ€chen könnte.
Warnungen aus der Finanzwelt
Bruno Le Maire, Frankreichs Finanzminister, warnt vor einer möglichen Finanzkrise im Zuge der Neuwahlen. Die Risiken fĂŒr französische Staatsanleihen nehmen zu, wie Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, erklĂ€rt: âDie Unsicherheit an den FinanzmĂ€rkten ist gestiegen, wie sich am Euro-Kurs und an den RisikoaufschlĂ€gen französischer Staatstitel ablesen lĂ€sstâ. Nach der AnkĂŒndigung der Neuwahlen stiegen die RisikoaufschlĂ€ge (Spreads) französischer Staatstitel im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren um bis zu 30 Basispunkte. âDie Spreads haben damit den höchsten Stand seit der europĂ€ischen Schuldenkrise im Jahr 2011 erreicht.â
Die Rolle der EZB
Die EZB hat ein bisher ungenutztes Anleihenkauf-Instrument namens âTransmission Protection Instrumentâ (TPI) in der Hinterhand, das zur UnterstĂŒtzung einzelner in BedrĂ€ngnis geratener LĂ€nder eingesetzt werden kann. Mit diesem Instrument könnte die EZB Frankreich durch den gezielten Kauf seiner Staatsanleihen stĂŒtzen und ein Auseinanderlaufen der Finanzierungskosten der einzelnen Euro-Staaten verhindern. Die Anwendung des TPI setzt jedoch voraus, dass die betreffenden LĂ€nder die EU-Vorgaben zu den Staatshaushalten erfĂŒllen.
Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, erklĂ€rte gegenĂŒber Reuters, dass die Bewegungen auf dem französischen Anleihemarkt nicht âungeordnetâ erscheinen. Dies bedeutet, dass sie eine der Bedingungen fĂŒr eine Intervention der Zentralbank nicht erfĂŒllen. Ewald Nowotny, ehemaliges EZB-Ratsmitglied aus Ăsterreich, kann sich jedoch vorstellen, dass die EZB eingreift, wenn die Situation kritisch wird: âEs besteht natĂŒrlich die Möglichkeit, dass Frankfurt eingreift, wenn die Probleme mit Frankreich negative externe Auswirkungen auf andere LĂ€nder wie Italien hĂ€tten.â
Die Zukunft der französischen Finanzpolitik
Die EU-Kommission plant ein Verfahren gegen Frankreich aufgrund seiner hohen Verschuldung. Die zentristische Regierung unter PrÀsident Emmanuel Macron hat es bisher nicht geschafft, die wachsende Staatsverschuldung einzudÀmmen. Daher strebt die EU-Kommission ein Defizitverfahren gegen Frankreich, aber auch gegen Italien und weitere Staaten an. Am Ende dieses Verfahrens könnten theoretisch Geldstrafen in Milliardenhöhe stehen.
Gilles MoĂ«c, Chefökonom der AXA Group, stellt fest: âDass Frankreich wieder ein EU-Strafverfahren wegen zu hoher Verschuldung droht, erinnert daran, dass das Land keinen finanziellen Spielraum mehr hatâ. Die EU hat Frankreich, das seit 25 Jahren nach EU-Regeln zu groĂe HaushaltslĂŒcken aufweist, lange Zeit Nachsicht gewĂ€hrt. Die GlaubwĂŒrdigkeit der französischen Finanzpolitik steht daher bereits vor einem möglichen Rechtsruck in Paris auf dem Spiel.
FĂŒr 2023 weist die zweitgröĂte Volkswirtschaft der Euro-Zone ein Defizit von 5,5 Prozent der Wirtschaftsleistung auf. Im laufenden Jahr wird ein Minus von 5,3 Prozent erwartet. Die EU-Schuldenregeln sehen jedoch nur eine Obergrenze von drei Prozent vor. Zwei Ratingagenturen haben die KreditwĂŒrdigkeit Frankreichs bereits herabgestuft.
Jeromin Zettelmeyer, Direktor der Denkfabrik Bruegel in BrĂŒssel, glaubt nicht, dass die bisherige Rhetorik des RN auf eine gröĂere Konfrontation mit der Kommission hindeutet, die eine Finanzkrise auslösen könnte. Obwohl der RN nicht mehr fĂŒr einen Austritt aus der Euro-Zone eintritt, könnte die Partei, wenn sie an die Macht kommt, bei der grĂŒnen Transformation und bei einer Reform der KapitalmĂ€rkte in Europa bremsen. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, stimmt dem zu: âInsgesamt dĂŒrfte eine vom RN angefĂŒhrte Regierung die EU nicht in ihren Grundfesten erschĂŒttern, dennoch dĂŒrfte BrĂŒssel zukĂŒnftig verstĂ€rkter Gegenwind entgegenblasen.â









