
EU-Spitzenpolitiker auf Wahlkampftour: Wenn BrĂŒssel die Demokratie "lenkt"
Die heiligen Prinzipien der internationalen Diplomatie scheinen in BrĂŒssel lĂ€ngst zu Makulatur verkommen zu sein. WĂ€hrend man sich frĂŒher noch dezent zurĂŒckhielt, wenn es um die inneren Angelegenheiten souverĂ€ner Staaten ging, trampeln EU-Granden heute mit der SubtilitĂ€t eines Elefanten im Porzellanladen durch osteuropĂ€ische WahlkĂ€mpfe.
Das jĂŒngste Schauspiel dieser Art bietet sich derzeit in Moldau, wo sich heute niemand Geringeres als Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Donald Tusk die Klinke in die Hand geben. Ihr erklĂ€rtes Ziel: Der pro-europĂ€ischen PrĂ€sidentin Maia Sandu fĂŒr die anstehenden Parlamentswahlen im September den RĂŒcken zu stĂ€rken. Man könnte meinen, die moldauischen WĂ€hler seien durchaus in der Lage, selbst zu entscheiden, wem sie ihre Stimme geben möchten. Doch diese antiquierte Vorstellung von Demokratie scheint in den BrĂŒsseler Machtzirkeln lĂ€ngst ĂŒberholt.
Die neue Doktrin: Demokratie braucht "FĂŒhrung"
Was sich in Moldau abspielt, ist kein Einzelfall, sondern folgt einem beunruhigenden Muster. Ob in Ungarn, wo Viktor OrbĂĄn regelmĂ€Ăig den Zorn der EU-Kommission auf sich zieht, in Serbien, RumĂ€nien oder zuletzt in Georgien â ĂŒberall versuchen europĂ€ische Spitzenpolitiker, den Ausgang von Wahlen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die unausgesprochene Botschaft dahinter ist so arrogant wie entlarvend: Diese "unbedarften Ost-Völker" könne man doch nicht einfach sich selbst ĂŒberlassen. Sie seien ja so leicht beeinflussbar â vor allem natĂŒrlich von Russland.
Hier offenbart sich die ganze Heuchelei des westlichen DemokratieverstĂ€ndnisses. Wenn Moskau versucht, Einfluss auf Wahlen zu nehmen, ist das verwerfliche Manipulation. Wenn BrĂŒssel, Paris oder Berlin dasselbe tun, nennt man es "UnterstĂŒtzung demokratischer KrĂ€fte". Doch wenn zwei das Gleiche tun, ist es eben nicht dasselbe â zumindest nicht in der verdrehten Logik der EU-Eliten.
Moldaus "demokratische" Trickkiste
Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn man sich die Methoden der moldauischen Regierung genauer ansieht. Bei der PrĂ€sidentschaftswahl im vergangenen Jahr zeigte sich, wie kreativ man mit dem Begriff "Demokratie" umgehen kann. WĂ€hrend fĂŒr die zahlreichen Exil-Moldauer in der EU unzĂ€hlige Wahllokale eröffnet wurden, musste sich die nicht minder groĂe Diaspora in Russland mit einer Handvoll begnĂŒgen. Eine Schelm, wer dabei an gezielte Wahlmanipulation denkt.
Diese Form der "gelenkten Demokratie" scheint in BrĂŒssel niemanden zu stören â im Gegenteil. Solange das Ergebnis stimmt und die "richtigen" Kandidaten gewinnen, drĂŒckt man gerne beide Augen zu. Demokratie funktioniere halt immer noch am besten mit einer lenkenden Hand, könnte man zynisch anmerken.
Die Arroganz der Besserwisser
Was bei all dem am meisten abstöĂt, ist nicht einmal die offensichtliche Einmischung in fremde Angelegenheiten. Es ist die Mischung aus moralischer Ăberheblichkeit und paternalistischer Besserwisserei, mit der westliche Politiker ihr Handeln rechtfertigen. Man gibt sich als HĂŒter der Demokratie und europĂ€ischen Werte, wĂ€hrend man gleichzeitig genau jene demokratischen Prinzipien mit FĂŒĂen tritt, die man vorgibt zu verteidigen.
Die Botschaft an die WĂ€hler in Osteuropa könnte deutlicher nicht sein: Ihr dĂŒrft wĂ€hlen â aber bitte das Richtige. Andernfalls mĂŒssen wir nachhelfen. Diese Haltung ist nicht nur zutiefst undemokratisch, sie ist auch kontraproduktiv. Denn nichts treibt WĂ€hler schneller in die Arme populistischer oder anti-europĂ€ischer Parteien als das GefĂŒhl, bevormundet und nicht ernst genommen zu werden.
Ein gefÀhrliches Spiel
Die EU-Eliten spielen ein gefĂ€hrliches Spiel. Indem sie sich immer offener in nationale Wahlen einmischen, untergraben sie genau jene Werte, die sie zu verteidigen vorgeben. Sie bestĂ€tigen damit alle Vorurteile ĂŒber eine abgehobene, undemokratische BrĂŒsseler BĂŒrokratie, die den Nationalstaaten ihren Willen aufzwingen will.
Es wĂ€re an der Zeit, dass Politiker wie Merz, Macron und Tusk sich auf ihre eigenen LĂ€nder konzentrieren, wo es wahrlich genug Probleme zu lösen gibt. Die BĂŒrger Moldaus, Ungarns oder Georgiens sind durchaus in der Lage, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen â auch wenn diese den Herrschaften in BrĂŒssel nicht gefallen mögen. Wahre Demokratie bedeutet eben auch, Ergebnisse zu akzeptieren, die einem nicht passen. Eine Lektion, die in den Machtzentren der EU offenbar noch nicht angekommen ist.










