Kettner Edelmetalle
05.08.2024
06:03 Uhr

EU bereitet sich auf möglichen Wahlsieg von Donald Trump vor

In BrĂŒssel hĂ€lt man auch nach dem RĂŒckzug des angeschlagenen Amtsinhabers Joe Biden einen Wahlsieg von Donald Trump bei den kommenden US-PrĂ€sidentschaftswahlen fĂŒr denkbar. Um sich auf die potenziellen VerĂ€nderungen in der US-Politik vorzubereiten, hat die EU bereits jetzt eine Task-Force eingerichtet.

Strategien fĂŒr den Umgang mit einer Trump-Administration

Wie die „Financial Times“ berichtet, soll die neu gegrĂŒndete Expertengruppe Strategien entwickeln, die es der EU ermöglichen, auf eine deutlich verĂ€nderte Politik der USA gegenĂŒber BrĂŒssel zu reagieren. Auch im deutschen Außenministerium soll es bereits eine Task-Force geben, die sich auf ein solches Szenario vorbereiten soll.

Hochrangige EU-Beamte treten mit Personen auf US-amerikanischer Seite in Kontakt, die sowohl Trump als auch dessen Gegenkandidatin Kamala Harris nahestehen. So sollen der frĂŒhere VizeprĂ€sidenten-Berater Mike Pyle und ihr nationaler Sicherheitsberater Phil Gordon in die BemĂŒhungen einbezogen sein.

VerÀnderungen im VerhÀltnis zu den USA

Bereits im VerhĂ€ltnis zu Joe Biden hatte es Differenzen gegeben – beispielsweise mit Blick auf den Inflation Reduction Act (IRA). Im Fall eines Wahlsieges von Donald Trump dĂŒrfte den EuropĂ€ern jedoch auch in Bereichen, in denen man jetzt noch weitgehenden Konsens mit den USA aufweist, ein schĂ€rferer Wind ins Gesicht wehen. So rechnet man in BrĂŒssel damit, dass ein Kabinett unter Trump Druck in Richtung einer Beendigung des Ukraine-Krieges entfalten wĂŒrde.

Dies könnte nach EinschĂ€tzung aus BrĂŒssel darauf hinauslaufen, dass die USA sich von der militĂ€rischen UnterstĂŒtzung der Ukraine zurĂŒckziehen und Kiew zum Friedensschluss drĂ€ngen wĂŒrden. Notfalls unter weitreichender Akzeptanz der Bedingungen des Kremls. Die EuropĂ€er wĂ€ren in solchem Fall nicht nur gezwungen, diesen Schritt mitzutragen – da die Akzeptanz der militĂ€rischen UnterstĂŒtzung Kiews auch in vielen MitgliedslĂ€ndern schwindet. Sie wĂŒrden mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Hauptlast fĂŒr den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine allein tragen mĂŒssen.

Wirtschaftspolitische Herausforderungen

Auch in der Wirtschaftspolitik könnte die EU mit weniger Entgegenkommen vonseiten der Amerikaner rechnen, als dies ohnehin schon der Fall ist. Bereits die Regierung Biden hatte die Probleme der EuropĂ€er mit Inflation, hohen Energiepreisen und Überregulierung zum Vorteil der USA genutzt. Mit seinem Konjunkturprogramm des Inflation Reduction Acts ist es Biden gelungen, eine Vielzahl von Industrieunternehmen von einer Standortverlagerung nach Nordamerika zu ĂŒberzeugen. Dort warteten attraktive Subventionen und SteuervergĂŒnstigungen.

Die Appelle der EU, die Staatengemeinschaft mit Mexiko und Kanada gleichzubehandeln, die ebenfalls vom IRA profitieren, stießen auf taube Ohren. Eine zweite Trump-PrĂ€sidentschaft wĂŒrde wahrscheinlich die klimapolitischen Akzente des IRA abschwĂ€chen und andere Schwerpunkte setzen. Die EU wĂŒrde jedoch weiterhin außen vor bleiben.

Handelskonflikte und Zölle

ZusĂ€tzlich wĂ€re damit zu rechnen, dass Trump in der Frage der Zölle klare Ansagen an BrĂŒssel richten und notfalls durch Strafzölle die europĂ€ische Exportwirtschaft unter Druck setzen wird. Die EU hĂ€tte dafĂŒr auch eine Steilvorlage geliefert: Mit ihrem CO₂-Grenzausgleichssystem zwingt sie anderen LĂ€ndern, unter anderem auch den USA, de facto Klimazölle auf.

Bereits in seiner Zeit als 45. PrĂ€sident hatte Trump unter anderem erhebliche Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU verfĂŒgt. Zudem gab es Sonderzölle auf Airbus-Importe. Damit wollte Trump protektionistischen Maßnahmen der EuropĂ€er zulasten der US-Autoindustrie oder von Internetkonzernen entgegenwirken.

Allerdings könnte auch eine PrĂ€sidentin Harris gegenĂŒber der EU eine robustere Politik betreiben. Selbst im Fall einer Niederlage Trumps ist damit zu rechnen, dass der öffentliche Druck hin zu einem Friedensschluss in der Ukraine dies- und jenseits des Atlantiks steigt. DarĂŒber hinaus gibt es auch fĂŒr sie keinen erkennbaren Grund, wirtschafts- und handelspolitisch grĂ¶ĂŸere RĂŒcksicht auf die EuropĂ€er zu nehmen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat immerhin dazu beigetragen, die USA als globale Wirtschaftsmacht zu stabilisieren.

In Umfragen liegen Trump und Harris weiterhin Kopf an Kopf. Es bleibt also spannend, wie sich die transatlantischen Beziehungen in den kommenden Monaten entwickeln werden.

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