Kettner Edelmetalle
26.02.2026
09:52 Uhr

Entenpastete statt Empathie: SPD-Spitzenkandidat entlarvt sich selbst nach Tafel-Besuch

Man könnte es sich nicht besser ausdenken, selbst wenn man es versuchte. Der baden-württembergische SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch hat wenige Tage vor der Landtagswahl am 8. März eine Szene geliefert, die das Verhältnis der politischen Klasse zum einfachen Bürger in geradezu schmerzhafter Klarheit offenbart. Ausgerechnet nach einem Besuch bei der Tafel – jener Institution also, die Menschen versorgt, die sich nicht einmal das Nötigste leisten können – schickte der 56-Jährige seinen Fahrer über die französische Grenze, um dort Feinkost einzukaufen.

Vom Armenhaus direkt zur Delikatesse

Die Szene, festgehalten in einem Filmporträt des SWR, ist von einer Symbolkraft, die selbst dem wohlwollendsten Beobachter den Atem verschlagen dürfte. Stoch besucht eine Tafel im badischen Bühl, lobt pflichtschuldig das Engagement der ehrenamtlichen Helfer – und erteilt unmittelbar danach seinem Chauffeur einen Einkaufsauftrag der besonderen Art. „Dann schickst du mir ein Bild von der Auslage und ich sage dir, was du mir bringst", so der SPD-Politiker im Film. Was er sich wünsche? „Eine schöne Entenpastete ist was Herrliches." Die bekomme man hierzulande nicht in derselben Qualität und zu diesem Preis.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Während in der Tafel Menschen um Grundnahrungsmittel anstehen, während Rentner sich schämen, dort überhaupt aufzutauchen, während alleinerziehende Mütter hoffen, dass noch ein Brot übrig ist, lässt sich der Genosse Spitzenkandidat französische Entenpastete chauffieren. Wasser predigen und Wein trinken – selten wurde dieses Sprichwort so plastisch illustriert.

Schadensbegrenzung im Schnellverfahren

Stoch selbst erkannte offenbar, dass ihm hier ein veritabler Fauxpas unterlaufen war. Bei einem Podium der Badischen Neuesten Nachrichten räumte er ein, „in einen Fettnapf marschiert" zu sein – eine Formulierung, die angesichts der Foie-gras-Thematik unfreiwillig komisch anmutet. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, die Passage müsse „insbesondere im Kontext des Besuchs bei der Tafel irritierend wirken". Das bedauere er sehr.

Dann folgte der klassische Versuch der Relativierung: Es sei letztlich gar nicht zum Einkauf gekommen. Und überhaupt habe es sich „tatsächlich um Leberwurst" gehandelt, die lediglich 1,80 Euro pro 100 Gramm koste. Ob diese nachträgliche Umdeutung von der Entenpastete zur bescheidenen Leberwurst die Wähler überzeugt, darf bezweifelt werden. Die Bilder sprechen eine andere Sprache.

Symptom einer abgehobenen politischen Klasse

Was diese Episode so brisant macht, ist nicht der Einkauf an sich. Natürlich darf ein Politiker französische Feinkost genießen. Das Problem liegt tiefer. Es ist die vollkommene Blindheit für die Lebenswirklichkeit jener Menschen, deren Interessen man vorgibt zu vertreten. Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der ein steuerfinanzierter Dienstwagen zum Delikatessen-Kurier umfunktioniert wird. Es ist die erschreckende Ahnungslosigkeit darüber, wie solche Szenen auf Menschen wirken, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Die SPD, einst stolze Partei der Arbeiterschaft, der kleinen Leute, der Gewerkschafter und Fabrikarbeiter – sie hat sich längst in eine Partei der akademischen Besserverdiener verwandelt, die zwischen Biomarkt und Feinkostladen pendelt und dabei den Kontakt zur Basis verloren hat. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom. Er reiht sich ein in eine lange Liste von Momenten, in denen die politische Elite Deutschlands ihre Abgehobenheit zur Schau stellte, ohne es auch nur zu bemerken.

Umfragetief zur Unzeit

Für die Südwest-SPD kommt diese Debatte denkbar ungünstig. In den Umfragen dümpelt die Partei seit Monaten teilweise sogar im einstelligen Bereich. Dass ausgerechnet ihr Spitzenkandidat nun mit einer solchen Szene Schlagzeilen macht, dürfte die ohnehin desolate Lage kaum verbessern. Die Kommentarspalten unter dem SWR-Beitrag in der ARD-Mediathek und auf YouTube quellen über vor Empörung. „Unfassbar" sei die Szene, schreiben Nutzer. Andere werfen Stoch schlicht mangelnde politische Sensibilität vor.

Und genau hier liegt der Kern des Problems: Es geht nicht um Entenpastete oder Leberwurst. Es geht um eine politische Klasse, die sich so weit von den Bürgern entfernt hat, dass sie nicht einmal mehr merkt, wenn sie sich selbst entlarvt. Es geht um Politiker, die mit dem Dienstwagen zur Tafel fahren, dort betroffen nicken – und auf dem Rückweg Feinkost ordern lassen. Deutschland hat bessere Volksvertreter verdient. Solche, die nicht nur bei Fototerminen Demut zeigen, sondern sie tatsächlich leben.

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