
Donau-Hafen in Flammen, Drohnen ĂĽber Moskau: Der Krieg bleibt erbarmungslos

Während die Welt auf diplomatische Wunder hofft, sprechen in Osteuropa weiterhin die Waffen. In der Nacht zum Dienstag hat eine russische Luftattacke die Hafeninfrastruktur der ukrainischen Stadt Ismajil schwer in Mitleidenschaft gezogen. Parallel dazu meldete Moskau, vier ukrainische Drohnen abgefangen zu haben, die auf die russische Hauptstadt zusteuerten. Der Krieg, der 2022 mit dem russischen Überfall begann, kennt offenbar keine Atempause – und die sogenannten Friedensbemühungen treten weiter auf der Stelle.
Ismajil: Strategisches Nadelöhr im Visier
Ismajil, gelegen in der südukrainischen Region Odessa, beherbergt den größten ukrainischen Hafen an der Donau. Diese Stadt ist längst kein zufälliges Ziel mehr, sondern ein wiederkehrender Brennpunkt russischer Luftangriffe. Die lokalen Behörden bestätigten über Telegram, dass Hafenanlagen beschädigt worden seien, betonten jedoch, fast alle Angriffswaffen aus der Luft seien zerstört worden. Glücklicherweise habe es weder Tote noch nennenswerte Zerstörungen gegeben. Bilder zeigten Feuerwehrleute, die gegen die Flammen in einem Gebäude mit zerborstenen Fenstern ankämpften.
Auch andernorts wurde die Ukraine getroffen. In Charkiw, der nordöstlichen Großstadt, konnten nach einem Drohnenangriff zwei Menschen aus den Trümmern gerettet werden – eine weitere Person werde möglicherweise noch vermisst, wie Bürgermeister Ihor Terechow mitteilte. Drohnenattacken wurden zudem aus den Regionen Dnipropetrowsk, Mykolajiw und Saporischschja gemeldet.
Drohnen über Moskau, Brände in Jaroslawl
Auf russischer Seite vermeldete der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin den Abschuss von vier Drohnen, die in Richtung der Hauptstadt unterwegs gewesen seien. Details? Fehlanzeige. Brisant ist die Lage in Jaroslawl nordöstlich von Moskau, wo ein Drohnenangriff laut Gouverneur Michail Jewrajew ein "Industrieobjekt" beschädigt habe. Welches Objekt genau, blieb wohlweislich unerwähnt – Jaroslawl beherbergt jedoch wichtige Raffinerie-Infrastruktur, was tief blicken lässt.
In der grenznahen Region Kursk kam laut russischen Angaben eine Frau ums Leben, zwei weitere Personen wurden verletzt. Auch die Regionen Rostow und weitere Gebiete im Zentrum Russlands seien Ziele ukrainischer Drohnen gewesen.
Energie als Achillesferse
Die Strategie der Ukraine ist unverkennbar: Russland soll an seiner finanziellen Lebensader – den Energieexporten – getroffen werden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf X, dass Russlands Raffineriekapazitäten in den vergangenen Monaten um zehn Prozent zurückgegangen seien und Ölquellen stillgelegt worden seien. Putin habe sich zwar eine "Kriegskasse" aufgebaut, diese reiche allerdings keineswegs aus, um den Krieg endlos zu führen, so Selenskyj.
Die unbequeme Wahrheit
Während in Berlin und Brüssel weiter Sonntagsreden gehalten werden und Milliardenpakete geschnürt werden, deren Folgen kommende Generationen abzuzahlen haben, eskaliert der Konflikt unvermindert. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Zivilisten ins Visier zu nehmen, beide bestreiten dies vehement. Die Friedensbemühungen, von westlichen Politikern regelmäßig vollmundig angekündigt, sind faktisch zum Stillstand gekommen. Was bleibt, sind brennende Häfen, zerstörte Raffinerien und eine europäische Sicherheitsordnung, die nach mehr als vier Jahren Krieg in Trümmern liegt.
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