
Dobrindt will Asylbewerber schneller in Arbeit bringen â Polizei warnt vor fatalen Folgen
Man reibt sich verwundert die Augen. Da hat Deutschland gerade erst eine neue Regierung unter Friedrich Merz installiert, die vollmundig eine hĂ€rtere Migrationspolitik versprochen hatte â und schon prescht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt mit einem VorstoĂ vor, der das genaue Gegenteil signalisiert. Der CSU-Politiker möchte Asylbewerbern kĂŒnftig bereits nach drei statt bisher sechs Monaten den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ermöglichen. âDie beste Integration ist die in die Arbeitswelt", lieĂ er verlauten. Ein Satz, der so abgedroschen klingt wie eine Wahlkampfparole aus den Hochzeiten der Willkommenskultur.
Ein Geschenk fĂŒr Pro Asyl â ein Schlag ins Gesicht der BĂŒrger?
Wenig ĂŒberraschend erhĂ€lt Dobrindt fĂŒr seinen Plan Beifall ausgerechnet von jener Seite, die seit Jahren fĂŒr eine möglichst weitgehende Ăffnung der deutschen Grenzen trommelt. Der Vorsitzende von Pro Asyl, Karl Kopp, sprach begeistert von einer âWin-win-Situation". Asylsuchende könnten schneller ein selbstbestimmtes Leben fĂŒhren, und die Gesellschaft profitiere ebenfalls. Der europĂ€ische Trend gehe ohnehin in diese Richtung, so Kopp. Wenn Pro Asyl jubelt, sollten bei jedem nĂŒchtern denkenden BĂŒrger allerdings sĂ€mtliche Alarmglocken schrillen.
Denn die RealitĂ€t sieht bekanntlich anders aus als die rosaroten Integrationsfantasien, die seit 2015 durch die politischen Salons geistern. Die Frage, die Dobrindt offenbar nicht beantworten möchte, lautet schlicht: Wollen die Betroffenen ĂŒberhaupt arbeiten? Ein Blick in die Schweiz genĂŒgt, um die ErnĂŒchterung zu verstehen. Dort arbeiten nach vier Jahren Schutzstatus gerade einmal 30 Prozent der arbeitsfĂ€higen Ukrainer â und das sind wohlgemerkt Menschen aus einem europĂ€ischen Kulturkreis mit vergleichsweise hohem Bildungsniveau.
Polizeigewerkschaft spricht Klartext
Deutlich weniger diplomatisch als der Minister Ă€uĂerte sich der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz. Er bezeichnete den VorstoĂ als âhöchst unseriös" â ein Urteil, das man in seiner SchĂ€rfe durchaus teilen darf. Teggatz warnte, dass eine frĂŒhe Arbeitsaufnahme den Betroffenen einen dauerhaften Aufenthalt suggerieren könne, der spĂ€ter möglicherweise widerrufen werden mĂŒsse. Noch gravierender sei jedoch der zusĂ€tzliche âPull-Faktor", den eine solche Regelung erzeuge. Deutschland wĂŒrde damit ein weiteres Signal in die Welt senden: Kommt her, hier gibt es nicht nur Sozialleistungen, sondern auch schnellen Zugang zum Arbeitsmarkt.
Auch aus der Rechtswissenschaft kommen gewichtige EinwĂ€nde. Professor Daniel Thym warnte eindringlich davor, dass ein frĂŒhzeitiger Arbeitsmarktzugang Abschiebungen massiv erschweren könnte. Es sei geradezu âkontraproduktiv", Menschen rasch in BeschĂ€ftigung zu bringen, wenn sie nach Abschluss ihres Asylverfahrens das Land wieder verlassen mĂŒssten. Das eigentliche Problem â und hier trifft Thym den Nagel auf den Kopf â seien die viel zu langen Asylverfahren. Statt an den Symptomen herumzudoktern, mĂŒsste die Regierung endlich die Verfahren beschleunigen und abgelehnte Bewerber konsequent abschieben.
LohndrĂŒckerei durch die HintertĂŒr
Was in der öffentlichen Debatte gerne verschwiegen wird: Der massenhafte Zugang gering qualifizierter ArbeitskrĂ€fte zum deutschen Arbeitsmarkt drĂŒckt die Löhne im Niedriglohnsektor â und trifft damit ausgerechnet jene deutschen Arbeitnehmer, die ohnehin am unteren Ende der Einkommensskala stehen. Viele Asylbewerber verfĂŒgen weder ĂŒber anerkannte BerufsabschlĂŒsse noch ĂŒber ausreichende Sprachkenntnisse. Die Folge: Sie landen in prekĂ€ren BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen und mĂŒssen mit staatlichen Aufstockungsleistungen subventioniert werden. Der Steuerzahler finanziert also doppelt â erst die Unterbringung, dann die Lohnsubvention.
Dass Ausbildungsangebote von Asylbewerbern hĂ€ufig nicht angenommen werden, ist ein offenes Geheimnis, ĂŒber das in Berlin ungern gesprochen wird. Wer eine dreijĂ€hrige Berufsausbildung ausschlĂ€gt, obwohl diese selbst bei einer RĂŒckkehr ins Heimatland von unschĂ€tzbarem Wert wĂ€re, offenbart damit eine Motivation, die wenig mit dem viel beschworenen Integrationswillen zu tun hat.
Wo bleibt die versprochene Asylwende?
Die groĂe Koalition unter Friedrich Merz war mit dem Versprechen angetreten, die unkontrollierte Migration endlich in den Griff zu bekommen. Davon ist bislang erschreckend wenig zu spĂŒren. Statt konsequenter Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber, statt einer echten Sicherung der Grenzen, statt einer Entlastung der ĂŒberforderten Kommunen kommt nun ein Vorschlag, der wie ein Relikt aus der Merkel-Ăra anmutet. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Hat die CDU/CSU aus den vergangenen zehn Jahren wirklich nichts gelernt?
Die BĂŒrger dieses Landes haben bei der Bundestagswahl im Februar 2025 ein klares Signal gesendet. Sie wollen keine weitere Aufweichung der Migrationspolitik, keine neuen Anreize fĂŒr irregulĂ€re Zuwanderung und keine Politiker, die Probleme verwalten statt sie zu lösen. Was sie wollen, ist Sicherheit â auf den StraĂen, in den Schulen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die KriminalitĂ€tsstatistiken sprechen eine unmissverstĂ€ndliche Sprache, und die tĂ€glichen Meldungen ĂŒber Messerangriffe und Gewalttaten haben das SicherheitsgefĂŒhl der Bevölkerung nachhaltig erschĂŒttert.
Innenminister Dobrindt wĂ€re gut beraten, seine Energie nicht darauf zu verwenden, Asylbewerbern den Arbeitsmarkt noch schneller zu öffnen, sondern endlich dafĂŒr zu sorgen, dass straffĂ€llig gewordene AuslĂ€nder konsequent abgeschoben werden und die Asylverfahren in Wochen statt in Jahren abgeschlossen werden. Das wĂ€re eine echte Asylwende â und nicht das nĂ€chste Lippenbekenntnis eines Ministers, der offenbar den Kontakt zur LebensrealitĂ€t der Menschen in diesem Land verloren hat.










