Kettner Edelmetalle
18.05.2026
11:02 Uhr

Deutschlands Autoindustrie am Abgrund: Wenn die Politik schlÀft, sterben die Jobs

Deutschlands Autoindustrie am Abgrund: Wenn die Politik schlÀft, sterben die Jobs

Was sich derzeit in den Werkshallen der deutschen Automobilzulieferer abspielt, ist mehr als eine konjunkturelle Delle. Es ist der schleichende Tod einer SchlĂŒsselindustrie, die einst das RĂŒckgrat unseres Wohlstands bildete. WĂ€hrend Berliner Politiker sich in ideologischen GrabenkĂ€mpfen ĂŒber die richtige Antriebstechnologie verlieren, schließen reihenweise Fabriken, fallen Tausende ArbeitsplĂ€tze, und das einst stolze Industrieland Deutschland erlebt eine bittere Lehrstunde in Sachen RealitĂ€tsverweigerung.

Alarmruf aus Frankreich: „Eine ganz neue Erfahrung fĂŒr Deutschland"

Christophe PĂ©rillat, Chef des französischen Zulieferriesen Valeo, findet im GesprĂ€ch mit der Welt am Sonntag deutliche Worte. Die europĂ€ische Autoindustrie sei zwar noch in ihrer Breite intakt, doch das Zeitfenster zum Gegensteuern schließe sich rasant. Sollte die Politik weiter zaudern, drohten in den nĂ€chsten fĂŒnf bis zehn Jahren Einschnitte, wie sie Deutschland in seiner Industriegeschichte noch nicht erlebt habe. PĂ©rillat beziffert den Wettbewerbsnachteil gegenĂŒber China auf satte 30 Prozent – ein Abgrund, der mit jeder weiteren Quartalsmeldung tiefer wird.

Besonders pikant: PĂ©rillat fordert offen Schutzzölle nach dem Vorbild Chinas, der USA, Indiens und SĂŒdamerikas. Nur Europa, so der Valeo-Chef, ĂŒbe sich in einem dogmatischen Freihandels-Idealismus, wĂ€hrend die Konkurrenz lĂ€ngst harte Industriepolitik betreibe. Vor 18 Monaten habe man Zölle als Protektionismus gebrandmarkt – nun, da die Krise unĂŒbersehbar sei, drehe sich die Stimmung. Konsens? Fehlanzeige. BrĂŒssel diskutiert, Berlin zaudert, und in ThĂŒringen und Niedersachsen brennt derweil das Haus.

MoldTecs: Wenn die Krise im Werkstor steht

Wie konkret die Lage lĂ€ngst ist, zeigt der Fall MoldTecs. Der Kunststoffteilehersteller hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind die Standorte Sonneberg in ThĂŒringen mit rund 330 Mitarbeitern und Bad Harzburg in Niedersachsen mit etwa 180 BeschĂ€ftigten. Insgesamt stehen 510 ArbeitsplĂ€tze auf der Kippe. Die BegrĂŒndung des Unternehmens liest sich wie ein politisches Anklageprotokoll: rĂŒcklĂ€ufige Nachfrage, brutaler internationaler Wettbewerbsdruck, exorbitante Energie- und Standortkosten.

Die Strompreise, die wir uns ĂŒber Jahre durch eine ideologisch verbrĂ€mte Energiepolitik selbst eingebrockt haben, erweisen sich jetzt als industrieller Sargnagel. Wer geglaubt hat, man könne eine Industrienation auf Wunschdenken und Subventionen aufbauen, erlebt nun die harte RealitĂ€t. MoldTecs verspricht zwar einen geordneten Weiterbetrieb bis Ende 2026 – doch wer kennt diese Insolvenzgeschichten, weiß, was am Ende meist ĂŒbrig bleibt: ein Standort weniger, eine Region Ă€rmer.

VDA prognostiziert: 225.000 Jobs weg bis 2035

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) liefert die makroökonomische Hiobsbotschaft. VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller spricht gegenĂŒber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland von einem zu erwartenden Stellenverlust von 225.000 ArbeitsplĂ€tzen bis 2035 – satte 35.000 mehr als bislang angenommen. Die Prognose hĂ€nge stark vom kĂŒnftigen Antriebsmix ab. Bleibe Technologieoffenheit politisch erhalten, könnten immerhin 50.000 Jobs gerettet werden.

Genau hier zeigt sich das ganze Drama der vergangenen Jahre: Eine ideologisch verengte Verbots- und Vorgabenpolitik, die ausschließlich auf die ElektromobilitĂ€t setzte, hat dem Industriestandort schwere Wunden geschlagen. Verbrennungsmotoren, an denen Deutschland weltweit fĂŒhrend war, wurden quasi per Federstrich fĂŒr tot erklĂ€rt. Wer da glaubt, China, das beim Verbrenner lĂ€ngst nicht so stark ist wie beim E-Antrieb, wĂŒrde sich an europĂ€ische SelbstbeschrĂ€nkungen halten, lebt in einer Parallelwelt.

Strukturkrise mit Ansage

Diese Krise ist keine Naturkatastrophe. Sie ist das Resultat politischer Entscheidungen – oder besser gesagt: politischer Nicht-Entscheidungen. WĂ€hrend Frankreich seine Industrie schĂŒtzt, die USA mit Trumps Zöllen brachial gegensteuern und China sein industriepolitisches Programm gnadenlos durchzieht, ĂŒbt sich Europa in moralischer SelbstgefĂ€lligkeit. Die deutschen Autobauer, die selbst in China produzieren, blockieren Schutzzölle – kein Wunder, sie haben ihre Werke lĂ€ngst dort, wo der Strom gĂŒnstig und die BĂŒrokratie ĂŒberschaubar ist.

ZurĂŒck bleibt der deutsche Mittelstand, die Zulieferer, die Arbeiter in Sonneberg und Bad Harzburg. Sie bezahlen die Rechnung fĂŒr Jahre ideologisch motivierter Wirtschaftspolitik. Die neue Große Koalition unter Merz und Klingbeil hat ein 500-Milliarden-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur aufgelegt – doch ob diese Schuldenflut den industriellen Niedergang aufhalten kann oder am Ende nur die Inflation befeuert, darf bezweifelt werden. Schulden schaffen keine WettbewerbsfĂ€higkeit. Bezahlbare Energie, schlanke BĂŒrokratie und eine Industriepolitik mit Augenmaß tĂ€ten es.

Was bleibt dem BĂŒrger?

Die bittere Wahrheit ist: Wer sich auf ArbeitsplĂ€tze in der deutschen Industrie als sicheren Anker fĂŒr seine Altersvorsorge verlassen hat, muss umdenken. Vermögenssicherung wird in Zeiten industrieller Erosion und galoppierender Staatsverschuldung zur Überlebensfrage. Wenn ganze Branchen wegbrechen, Steuereinnahmen sinken und die Inflation durch das Sondervermögen weiter angeheizt wird, bleibt die Frage: Worauf kann man sich noch verlassen?

Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in jeder industriellen und politischen UmwĂ€lzung ihren Wert bewahrt. Sie sind keine Wundermittel, aber sie sind das, was Staaten und Notenbanken nicht beliebig vermehren können. In einem breit gestreuten Vermögensportefeuille bieten sie eine vernĂŒnftige Beimischung – gerade dann, wenn die industrielle Basis eines Landes bröckelt und das Vertrauen in politische SteuerungsfĂ€higkeit schwindet.

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