
Deutsche Bahn versenkt Milliarden: Fernverkehr wird zum finanziellen Fiasko

Was einst als RĂŒckgrat der deutschen MobilitĂ€t galt, mutiert zusehends zum Milliardengrab auf Schienen. Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr einen Gesamtverlust von 2,3 Milliarden Euro eingefahren â und der chronisch unpĂŒnktliche Fernverkehr trĂ€gt daran die Hauptschuld. Zum Vergleich: Bereits 2024 stand der Staatskonzern mit knapp 1,8 Milliarden Euro in den roten Zahlen. Die AbwĂ€rtsspirale dreht sich also munter weiter.
Abschreibungen in Milliardenhöhe â das EingestĂ€ndnis des Scheiterns
Kern des Desasters ist eine Abschreibung von 1,4 Milliarden Euro auf den Wert der Fernverkehrssparte. Die andauernde UnpĂŒnktlichkeit von ICE und IC, maĂgeblich verursacht durch die schleppenden Streckensanierungen, habe diesen Schritt erzwungen, wie mit den Zahlen vertraute Personen gegenĂŒber der Nachrichtenagentur Reuters bestĂ€tigten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Unternehmen, das zu hundert Prozent dem Bund gehört und damit dem Steuerzahler, muss den Wert seines KerngeschĂ€fts um fast anderthalb Milliarden Euro nach unten korrigieren. Wer hier nicht rot sieht, hat die Farbe vergessen.
Dabei gibt es durchaus einen kleinen Lichtblick â wenn man ihn denn so nennen möchte. Im operativen GeschĂ€ft, also beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten, konnte die Bahn ein Plus von 300 Millionen Euro verbuchen. Das lag sogar ĂŒber den eigenen, zugegebenermaĂen bescheidenen Erwartungen. Doch was nĂŒtzt ein operativer Gewinn, wenn er von gigantischen Abschreibungen und Sondereffekten regelrecht pulverisiert wird?
Jahrzehntelange VernachlÀssigung rÀcht sich bitter
Die Wurzeln dieser Misere reichen weit zurĂŒck. Ăber Jahrzehnte hinweg wurde die Schieneninfrastruktur in Deutschland systematisch kaputtgespart. Statt in Gleise, Weichen und BrĂŒcken zu investieren, trĂ€umte man in Berlin von einem Börsengang, der nie kam, und verschleuderte Milliarden in internationale Logistik-Abenteuer. Die Logistik-Sparte Schenker wurde mittlerweile verkauft â die Ergebniszahlen beziehen sich bereits auf die fortgefĂŒhrten GeschĂ€ftsbereiche ohne diesen einstigen HoffnungstrĂ€ger.
Nun, da die Sanierungen endlich anlaufen, zahlt der Fahrgast den Preis: VerspĂ€tungen, ZugausfĂ€lle, ĂŒberfĂŒllte Waggons. Und der Steuerzahler? Der zahlt gleich doppelt â ĂŒber das milliardenschwere Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur, das die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz aufgelegt hat, und ĂŒber die Verluste eines Staatskonzerns, der offenbar nicht in der Lage ist, wirtschaftlich zu arbeiten.
Wann kommt die Wende?
Eine Bahn-Sprecherin wollte sich zu den Zahlen nicht Ă€uĂern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am 27. MĂ€rz. Man darf gespannt sein, welche Durchhalteparolen dann prĂ€sentiert werden. Die Strecke HamburgâBerlin etwa soll erst im Juni wieder regulĂ€r befahrbar sein. Bis dahin herrscht Bus-Chaos â ein Sinnbild fĂŒr den Zustand der deutschen Infrastruktur insgesamt.
Es drĂ€ngt sich die Frage auf: Wie lange kann sich ein Land, das sich gerne als wirtschaftliches Schwergewicht inszeniert, eine derart marode Bahn noch leisten? Die Deutsche Bahn ist lĂ€ngst zum Symbol fĂŒr den schleichenden Verfall deutscher Infrastruktur geworden. WĂ€hrend andere Nationen in Hochgeschwindigkeitsnetze investieren und ihre Schienennetze modernisieren, diskutiert Deutschland darĂŒber, ob ZĂŒge ĂŒberhaupt noch pĂŒnktlich fahren können. Das ist nicht nur peinlich â es ist ein wirtschaftspolitisches Armutszeugnis ersten Ranges.
In Zeiten, in denen jeder BĂŒrger den GĂŒrtel enger schnallen muss, in denen die Inflation die Kaufkraft auffrisst und die Energiepreise die Industrie in die Knie zwingen, verbrennt ein Staatskonzern Milliarden. Vielleicht wĂ€re es an der Zeit, nicht nur ĂŒber Sanierungen von Gleisen nachzudenken, sondern auch ĂŒber eine grundlegende Sanierung der Strukturen, die dieses Unternehmen fĂŒhren.










