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03.03.2026
07:03 Uhr

Demokratie nach Gutsherrenart: Gemeinde streicht Monatsmarkt, um AfD-Stand zu verhindern

Demokratie nach Gutsherrenart: Gemeinde streicht Monatsmarkt, um AfD-Stand zu verhindern

Was sich im beschaulichen Mulfingen im Hohenlohekreis zugetragen hat, liest sich wie eine Realsatire aus dem Handbuch des autoritĂ€ren Verwaltungshandelns – und ist doch bittere RealitĂ€t im Deutschland des Jahres 2026. Weil ein Ortsvorsteher einer demokratisch zugelassenen Partei keinen Infostand auf einem Monatsmarkt verbieten konnte, griff er zum letzten Mittel: Er sagte kurzerhand die gesamte Veranstaltung ab. KollateralschĂ€den? Offenbar egal.

Ein Markt wird geopfert – auf dem Altar der Gesinnung

Die Vorgeschichte ist schnell erzĂ€hlt. Zwei Tage vor der baden-wĂŒrttembergischen Landtagswahl am Sonntag hatte die AfD einen Informationsstand auf dem regelmĂ€ĂŸig stattfindenden Monatsmarkt in Mulfingen angemeldet. Ein völlig normaler Vorgang in einer funktionierenden Demokratie, sollte man meinen. Doch Ortsvorsteher Johann Dirnberger und der Vorsitzende des Vereins „ProMu", Markus Reinauer, sahen das offenbar anders.

Ihre BegrĂŒndung ist dabei so entlarvend wie dreist: Man könne auf öffentlicher und gemeindlicher FlĂ€che kein Teilnahmeverbot fĂŒr die AfD erwirken. Also habe man den Markt eben komplett abgesagt. Der Markt stehe „ausschließlich fĂŒr ‚Mulfingen mehr Miteinander'" und sei „keine Plattform fĂŒr die Ziele der AfD". Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen: Ein Markt, der angeblich dem Miteinander dient, wird abgesagt, weil man eine bestimmte politische Meinung nicht mittragen will. Orwell hĂ€tte es nicht besser formulieren können.

Auch die GrĂŒnen trifft es – aber das war wohl nicht eingeplant

Die Ironie der Geschichte: Auch die GrĂŒnen hatten einen Infostand angemeldet, an dem – welch Überraschung – niemand etwas auszusetzen hatte. Durch die Komplettabsage können nun auch sie sich nicht prĂ€sentieren. Ein Kollateralschaden, den man offenbar billigend in Kauf nahm. Denn das eigentliche Ziel war klar: Die AfD sollte mundtot gemacht werden. Dass dabei auch Marktbeschicker um ihren Umsatz gebracht werden und BĂŒrger auf ihren gewohnten Marktbesuch verzichten mĂŒssen, scheint die Verantwortlichen nicht weiter zu bekĂŒmmern.

AfD-Kandidat Baron: „Zutiefst undemokratisch"

Der AfD-Direktkandidat im Wahlkreis Hohenlohe, Anton Baron, reagierte mit deutlichen Worten. Er habe lediglich mit Passanten ins GesprĂ€ch kommen wollen. Die Absage treffe nicht nur seine Partei, sondern auch die Marktbeschicker und die BĂŒrger von Mulfingen und Umgebung. Eine Demokratie lebe vom offenen Wettbewerb der Meinungen – gerade im öffentlichen Raum, so Baron. Die AfD baue seit Jahren in der Region ohne ZwischenfĂ€lle InformationsstĂ€nde auf. Wer so agiere, trage massiv zur Spaltung der Gesellschaft bei und handle zutiefst undemokratisch.

Und tatsĂ€chlich: LĂ€sst man die parteipolitischen PrĂ€ferenzen einmal beiseite, muss man Baron in diesem Punkt recht geben. Was hier geschieht, ist nichts anderes als die Aushöhlung demokratischer Grundprinzipien durch die HintertĂŒr. Wenn gewĂ€hlte AmtstrĂ€ger beginnen, den öffentlichen Raum nach politischer Gesinnung zu vergeben, dann haben wir ein Problem, das weit ĂŒber Mulfingen hinausreicht.

Die AfD kommt trotzdem – der Markt erst wieder nach der Wahl

Doch die Rechnung der Markt-Verhinderer ging nicht auf. Die AfD kĂŒndigte an, trotz der Absage des Marktes mit ihrem Infostand vor Ort prĂ€sent zu sein. Baron erklĂ€rte kĂ€mpferisch, man lasse sich von „organisatorischen Tricks und der stĂ€ndigen Hetze" nicht aufhalten. Der Monatsmarkt selbst soll nun erst am 10. April wieder stattfinden – wohlgemerkt knapp fĂŒnf Wochen nach der Landtagswahl. Er soll dann als „Ostermarkt" firmieren, obwohl Ostern zu diesem Zeitpunkt bereits fĂŒnf Tage zurĂŒckliegen wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ein Symptom einer tiefgreifenden demokratischen Erosion

Was in Mulfingen geschieht, ist kein Einzelfall. Es reiht sich ein in eine besorgniserregende Kette von VorfĂ€llen, bei denen lokale AmtstrĂ€ger, Vereine und Institutionen demokratische Spielregeln nach GutdĂŒnken beugen, um eine ihnen unliebsame politische Kraft auszugrenzen. Man erinnere sich an Gastwirte, die unter Druck gesetzt wurden, keine RĂ€ume an die AfD zu vermieten, an Stadthallen, die plötzlich „ausgebucht" waren, oder an Vermieter, die Parteitage torpedierten.

Die Frage, die sich jeder aufrichtige Demokrat stellen muss, lautet: Wo endet dieser Weg? Wenn ein Ortsvorsteher einen ganzen Markt absagen kann, nur weil ihm eine zugelassene Partei nicht passt – was kommt als NĂ€chstes? Werden WeihnachtsmĂ€rkte gestrichen, weil die „falsche" Partei einen GlĂŒhweinstand betreiben möchte? Werden Volksfeste abgesagt, weil jemand ein Flugblatt verteilen könnte?

Deutschland braucht dringend eine RĂŒckbesinnung auf die Grundlagen seiner demokratischen Ordnung. Dazu gehört, dass alle zugelassenen Parteien das gleiche Recht haben, im öffentlichen Raum fĂŒr ihre Positionen zu werben. Wer das nicht aushĂ€lt, hat das Wesen der Demokratie nicht verstanden – oder will es bewusst untergraben. Die BĂŒrger von Mulfingen und ganz Deutschland haben Besseres verdient als AmtstrĂ€ger, die ihre persönlichen politischen Vorlieben ĂŒber das Gemeinwohl stellen.

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