
Cum-Ex: Bundesrat will endlich die Milliarden-LĂŒcke im Strafrecht stopfen
Es ist ein Skandal von epischen AusmaĂen, der die deutschen Steuerzahler ĂŒber Jahre hinweg um zweistellige MilliardenbetrĂ€ge erleichtert hat â und noch immer hinkt der Gesetzgeber den findigen Bankern, AnwĂ€lten und Beratern hinterher. Nun versucht der Bundesrat, eine peinliche LĂŒcke im Strafrecht zu schlieĂen, die es bislang erlaubt hat, dass Profiteure des Cum-Ex-Komplexes mit ihren BeutezĂŒgen davonkommen, bevor der Staat ĂŒberhaupt zugreifen kann.
Ein Gesetzentwurf, der eigentlich lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig wĂ€re
Am 8. Mai 2026 beschloss die LĂ€nderkammer, einen Gesetzentwurf in den Bundestag einzubringen, mit dem illegal erzielte Gewinne aus Cum-Ex-GeschĂ€ften und Ă€hnlich komplexen Steuerbetrugsmodellen leichter eingezogen werden können. Die Bundesregierung muss sich nun zu diesem Vorhaben Ă€uĂern, anschlieĂend liegt der Ball beim Bundestag, der entscheidet, ob er das Thema ĂŒberhaupt auf die Tagesordnung setzt â ein Prozedere, das angesichts der Brisanz fast schon zynisch wirkt.
Im Kern geht es um eine Ănderung des Strafgesetzbuches. Bisher dĂŒrften Gewinne bei Dritten nĂ€mlich nur dann eingezogen werden, wenn diese âdurch die Tat" erzielt worden seien â nicht jedoch, wenn die Beteiligten ihr Geld bereits âfĂŒr die Tat" kassiert hĂ€tten. Genau hier liegt der PferdefuĂ: Die LeerverkĂ€ufer, hĂ€ufig Banken, lieĂen sich im undurchsichtigen Cum-Ex-Geflecht regelmĂ€Ăig schon vor der eigentlichen Tat bezahlen. Das Resultat? Der Staat schaute in die Röhre, wĂ€hrend die Erlöse lĂ€ngst auf den Konten der Profiteure landeten.
Wenn Aktien zum Karussell fĂŒr Steuergeschenke werden
Zur Erinnerung: Bei Cum-Ex-GeschĂ€ften wurden Aktien rund um den Dividendenstichtag in einem ausgeklĂŒgelten Reigen hin- und hergeschoben, um sich die Kapitalertragsteuer mehrfach erstatten zu lassen â obwohl sie nur einmal abgefĂŒhrt worden war. Der Bundesgerichtshof stellte im Juli 2021 unmissverstĂ€ndlich klar, dass es sich bei diesen Praktiken um strafbare Steuerhinterziehung handle. Doch das Urteil allein reicht nicht, wenn die Strafverfolgung an Formalia scheitert und die Beute beim TĂ€ter verbleibt.
Anne Brorhilker, Chefin des Vereins BĂŒrgerbewegung Finanzwende und einstige Cum-Ex-Chefermittlerin in Köln, lobte den hessischen VorstoĂ als âwichtigen Schritt", um die klaffende LĂŒcke im Strafgesetzbuch endlich zu schlieĂen. Nur so, so Brorhilker sinngemĂ€Ă, könnten hochprofessionalisierte SteuerkriminalitĂ€tsmodelle wirksam unattraktiv gemacht werden.
Politisches Versagen mit Tradition
Man muss sich die Dimension dieses Skandals immer wieder vor Augen fĂŒhren: WĂ€hrend dem deutschen Mittelstand jeder Cent durch die SteuererklĂ€rung gejagt wird, wĂ€hrend Familien unter der kalten Progression Ă€chzen und Rentner sich fragen, wie sie die nĂ€chste Stromrechnung bezahlen sollen, haben sich elitĂ€re Finanzakrobaten bedient, als wĂ€re die Bundeskasse ein Selbstbedienungsladen. GeschĂ€tzte SchĂ€den gehen in den zweistelligen Milliardenbereich â Geld, das fĂŒr Schulen, Infrastruktur und innere Sicherheit fehlt.
Dass es ausgerechnet eine Bundesratsinitiative aus den LĂ€ndern braucht, um den Bund an seine Pflicht zu erinnern, sagt eigentlich alles ĂŒber den Zustand der Berliner Politik. Eine Bundesregierung, die ein 500-Milliarden-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur durchpaukt und gleichzeitig zulĂ€sst, dass professionelle SteuerrĂ€uber nicht einmal ihrer Beute beraubt werden können, hat ihre PrioritĂ€ten gehörig verschoben.
Warum physische Werte mehr Vertrauen verdienen
Wer dieses Trauerspiel aus Steuerhinterziehung, juristischem StĂŒckwerk und politischer TrĂ€gheit beobachtet, dem dĂŒrfte klar werden, weshalb das Vertrauen vieler BĂŒrger in das Finanzsystem schwindet. Wenn Banken und GroĂanleger Milliarden auf dubiosen Wegen abziehen können, wĂ€hrend der ehrliche BĂŒrger jede Quittung aufheben muss, ist es kein Wunder, dass immer mehr Menschen ihr Vermögen auĂerhalb des klassischen Bankensystems sichern wollen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben hier seit Jahrtausenden ihre Funktion bewiesen: Sie sind nicht manipulierbar durch Buchungstricks, nicht abhĂ€ngig von der IntegritĂ€t dritter Parteien und nicht Spielball undurchsichtiger Finanzkonstruktionen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene StabilitĂ€t, die das Vertrauen in Papierversprechen lĂ€ngst eingebĂŒĂt hat.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die hier geĂ€uĂerten EinschĂ€tzungen geben die Meinung der Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. FĂŒr eigene Entscheidungen in Anlage-, Steuer- oder Rechtsfragen ist jeder Leser selbst verantwortlich und sollte gegebenenfalls qualifizierten fachlichen Rat einholen. Eine Haftung fĂŒr die getroffenen Aussagen wird nicht ĂŒbernommen.










