Kettner Edelmetalle
15.04.2026
14:39 Uhr

Chinas Wirtschaft trotzt dem Krieg – doch wie lange noch?

Chinas Wirtschaft trotzt dem Krieg – doch wie lange noch?

Während im Nahen Osten die Waffen sprechen und die Straße von Hormus zum geopolitischen Nadelöhr wird, richtet sich der Blick der Weltwirtschaft auf Peking. Die Frage, die Analysten und Investoren gleichermaßen umtreibt: Wird China angesichts des US-israelischen Krieges gegen den Iran ein massives Konjunkturprogramm auflegen – oder bleibt die Führung in Peking bei ihrer bewährten Strategie des Abwartens?

Solides Wachstum trotz geopolitischem Pulverfass

Die Antwort der Experten fällt erstaunlich nüchtern aus. Für das erste Quartal 2026 rechnen führende Ökonomen mit einem Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von rund 4,8 Prozent – ein Wert, der die Erwartungen Pekings erfüllen oder sogar übertreffen dürfte. Ding Shuang, Chefökonom für Großchina und Nordostasien bei Standard Chartered, führt diese robuste Entwicklung auf einen widerstandsfähigen Außenhandel und eine sich allmählich erholende Binnennachfrage zurück. Bemerkenswert dabei: Diese Prognose steht vor dem Hintergrund einer bereits hohen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr.

Das chinesische Statistikamt wird die offiziellen Zahlen in Kürze veröffentlichen. Sie dürften einen ersten Gradmesser dafür liefern, wie erfolgreich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt die monatelangen geopolitischen Verwerfungen bislang absorbiert hat.

Pekings kalkuliertes Schweigen

Was viele Beobachter überraschen mag: Trotz der dramatischen Eskalation im Nahen Osten – mit gegenseitigen Blockaden der Schifffahrt durch die strategisch bedeutsame Straße von Hormus durch den Iran und die USA – sehen Analysten kaum Anzeichen dafür, dass Peking zu sofortigen Stimulusmaßnahmen greifen wird. Das flexible Wachstumsziel der chinesischen Regierung gibt ihr den nötigen Spielraum, zunächst abzuwarten und die Lage zu sondieren, bevor hastige Entscheidungen getroffen werden.

Eine Strategie, die man sich in Berlin durchaus zum Vorbild nehmen könnte. Während die neue Große Koalition unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Geldschleusen öffnet und damit künftige Generationen belastet, agiert Peking mit einer bemerkenswerten fiskalischen Disziplin. Ob diese Zurückhaltung allerdings von Dauer sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

Das zweite Quartal wird zur Nagelprobe

Denn der eigentliche Stresstest steht China erst noch bevor. Die Auswirkungen der Hormus-Blockade auf die globalen Lieferketten und Energiepreise werden sich erst mit Verzögerung in den Wirtschaftsdaten niederschlagen. Für das zweite Quartal dürfte der Fokus daher vollständig auf die Frage schwenken, wie stark die Störungen des internationalen Handels die chinesische Konjunktur tatsächlich belasten.

Für Anleger weltweit bedeutet diese Gemengelage vor allem eines: Unsicherheit. Die Kombination aus Krieg im Nahen Osten, blockierten Handelsrouten und den ohnehin bestehenden US-Zöllen von 34 Prozent auf chinesische Waren schafft ein toxisches Umfeld für die globalen Märkte. Aktienmärkte und Papierwerte sind in solchen Zeiten besonders anfällig für abrupte Korrekturen.

Gerade in Phasen geopolitischer Verwerfungen und wirtschaftlicher Unsicherheit zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Stabilitätsanker im Portfolio. Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie in Krisenzeiten ihren Wert bewahren – eine Eigenschaft, die weder Aktien noch Anleihen für sich beanspruchen können.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.

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