Kettner Edelmetalle
25.03.2026
18:32 Uhr

Chemie-Tarifabschluss: Wenn selbst ein Inflationsausgleich schon als Erfolg gefeiert wird

Chemie-Tarifabschluss: Wenn selbst ein Inflationsausgleich schon als Erfolg gefeiert wird

Es ist ein bezeichnendes Symptom fĂŒr den desolaten Zustand der deutschen Industrie, wenn Ökonomen einen Tarifabschluss bejubeln, der den BeschĂ€ftigten gerade einmal die Kaufkraft erhĂ€lt. Nicht mehr, nicht weniger. Der jĂŒngste Kompromiss in der Chemie- und Pharmaindustrie offenbart schonungslos, wie tief die einstige Vorzeigebranche in der Krise steckt – und wie wenig Spielraum fĂŒr echte LohnzuwĂ€chse noch vorhanden ist.

Ifo-Chef Fuest spricht von „moderatem" Abschluss

Clemens Fuest, PrĂ€sident des renommierten Ifo-Instituts, bezeichnete den Tarifabschluss gegenĂŒber dem Handelsblatt als „moderat". Die BeschĂ€ftigten erhielten voraussichtlich lediglich einen Inflationsausgleich, so Fuest. Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen: Ein bloßer Inflationsausgleich – also das nackte Halten des Status quo – gilt bereits als lobenswertes Ergebnis. Wo sind die Zeiten geblieben, in denen deutsche Chemiearbeiter reale Lohnsteigerungen erwarten konnten?

Die Krise der deutschen Chemieindustrie sei in diesem Abschluss deutlich ablesbar, konstatierte Fuest. ZusĂ€tzlich verschĂ€rfe der Iran-Krieg die ohnehin angespannte Lage. Steigende Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und eine Wirtschaftspolitik, die jahrelang ideologischen Experimenten den Vorzug vor industriepolitischer Vernunft gab – das sind die bitteren FrĂŒchte, die nun geerntet werden.

Arbeitgeber erkaufen sich eine „Atempause"

Hagen Lesch, Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), lobte den Kompromiss als typisch fĂŒr die Chemiebranche. Die Arbeitgeber bekĂ€men im Jahr 2026 die dringend geforderte Atempause und durch eine lange Laufzeit des Tarifvertrags die nötige Planungssicherheit bei den Lohnkosten. Die Gewerkschaft hingegen könne sich ab 2027 auf ordentliche Entgeltsteigerungen freuen – die allerdings, und hier wird es entlarvend ehrlich, erst einmal erwirtschaftet werden mĂŒssten.

Diese Formulierung ist bemerkenswert. Sie bedeutet im Klartext: Niemand weiß, ob die versprochenen Lohnerhöhungen ab 2027 ĂŒberhaupt realisierbar sein werden. Es handelt sich um einen Wechsel auf die Zukunft, dessen Einlösung von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhĂ€ngt, die derzeit alles andere als rosig aussehen.

Die tieferen Ursachen der Chemie-Krise

Wer nach den Schuldigen fĂŒr den Niedergang der deutschen Chemieindustrie sucht, muss nicht lange forschen. Jahrelang hat eine verfehlte Energiepolitik – getrieben von grĂŒner Ideologie statt ökonomischem Sachverstand – die Produktionskosten in die Höhe getrieben. Der ĂŒberstĂŒrzte Atomausstieg, explodierende Strompreise und eine Regulierungswut, die ihresgleichen sucht, haben Deutschland als Chemiestandort massiv geschadet. Unternehmen verlagern ProduktionskapazitĂ€ten ins Ausland, Investitionen bleiben aus, und die BeschĂ€ftigten zahlen die Zeche.

Dass nun auch noch geopolitische Verwerfungen wie der Iran-Konflikt hinzukommen, macht die Lage nur noch prekĂ€rer. Die Energiepreise dĂŒrften weiter unter Druck geraten, und mit ihnen die WettbewerbsfĂ€higkeit einer Branche, die einst zu den Kronjuwelen der deutschen Wirtschaft zĂ€hlte.

Ein Warnsignal fĂŒr den gesamten Standort Deutschland

Der Chemie-Tarifabschluss ist weit mehr als eine brancheninterne Angelegenheit. Er ist ein Seismograph fĂŒr den Zustand des Industriestandorts Deutschland insgesamt. Wenn selbst in einer hochproduktiven Branche wie der Chemie- und Pharmaindustrie nur noch Inflationsausgleiche möglich sind, dann sollten bei der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz sĂ€mtliche Alarmglocken schrillen. Das angekĂŒndigte 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur klingt zwar ambitioniert, doch es bleibt die bange Frage: Werden diese Schulden – denn nichts anderes sind „Sondervermögen" – tatsĂ€chlich in produktive Investitionen fließen, oder versickern sie in bĂŒrokratischen KanĂ€len?

In Zeiten wie diesen, in denen die Kaufkraft der BĂŒrger schleichend erodiert und selbst TarifabschlĂŒsse nur noch den Wertverfall kompensieren, erscheint es umso wichtiger, das eigene Vermögen gegen die fortschreitende Geldentwertung abzusichern. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als verlĂ€sslicher Wertspeicher bewĂ€hrt – gerade in Krisenzeiten, wenn Papiergeld und Tarifversprechen an Substanz verlieren.

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