
BundesprÀsidentenwahl am 30. Januar 2027: Ein Termin mit historischer Brisanz
Die WĂŒrfel sind gefallen â zumindest was den Kalender betrifft. BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner (CDU) hat den 30. Januar 2027 als Termin fĂŒr die 18. Bundesversammlung festgelegt, die das nĂ€chste deutsche Staatsoberhaupt wĂ€hlen wird. Was auf den ersten Blick wie eine nĂŒchterne Terminplanung wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als bemerkenswerte Entscheidung â und das nicht nur aus logistischen GrĂŒnden.
Effizienz als oberstes Gebot?
Die offizielle BegrĂŒndung fĂŒr die Terminwahl klingt so pragmatisch, wie man es von der deutschen Verwaltung erwarten darf: Der 30. Januar schlieĂe sich an die Sitzungswoche an, in der der Bundestag am 27. Januar 2027 die Gedenkstunde fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus begeht. Die fĂŒr die Bundesversammlung erforderliche erweiterte Bestuhlung des Plenarsaals könne bereits fĂŒr diesen Termin genutzt werden. Das sei âeffizient, schone Ressourcen und erweitere vor allem die Einladungsmöglichkeiten", hieĂ es aus dem Bundestag. Man spart also StĂŒhle um â und wĂ€hlt nebenbei ein Staatsoberhaupt. Pragmatismus auf Deutsch.
Dass der 30. Januar in der deutschen Geschichte kein unbeschriebenes Blatt ist, dĂŒrfte den Verantwortlichen durchaus bewusst sein. An diesem Datum wurde 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Ob die Terminwahl trotz oder wegen der unmittelbaren NĂ€he zur Gedenkstunde am 27. Januar getroffen wurde, darĂŒber lĂ€sst sich trefflich streiten. Fest steht: Die Symbolik ist nicht zu ĂŒbersehen.
Steinmeiers Amtszeit neigt sich dem Ende zu
Die Amtszeit von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier endet mit Ablauf des 18. MĂ€rz 2027. Laut Grundgesetz muss die Bundesversammlung spĂ€testens 30 Tage vor diesem Datum zusammentreten â der letztmögliche Termin wĂ€re somit der 16. Februar 2027 gewesen. Der von vielen Beobachtern zunĂ€chst erwartete 14. Februar hĂ€tte allerdings mit der MĂŒnchener Sicherheitskonferenz kollidiert. Auch hier also: Terminkalender schlĂ€gt Romantik.
Steinmeier, der seit 2017 im Schloss Bellevue residiert und 2022 fĂŒr eine zweite Amtszeit wiedergewĂ€hlt wurde, hat in seinen Jahren als BundesprĂ€sident eine durchaus umstrittene Figur abgegeben. Als ehemaliger AuĂenminister und langjĂ€hriger SPD-FunktionĂ€r verkörperte er jene politische Klasse, die Deutschland in die gegenwĂ€rtige Lage manövriert hat. Seine Wiederwahl 2022 galt vielen Kritikern als Ausdruck einer gewissen Ideenlosigkeit der etablierten Parteien â ein PrĂ€sident des Weiter-so in Zeiten, die nach Aufbruch schrien.
Wer folgt auf Steinmeier?
Die spannende Frage, die sich nun stellt: Wer wird der oder die NĂ€chste im höchsten Staatsamt? In der aktuellen Konstellation einer GroĂen Koalition aus CDU/CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz dĂŒrfte die Kandidatenfindung zu einem interessanten Machtpoker werden. Traditionell einigen sich die Regierungsparteien auf einen gemeinsamen Kandidaten â doch die Zeiten, in denen solche Absprachen gerĂ€uschlos ĂŒber die BĂŒhne gingen, scheinen vorbei.
Die Bundesversammlung setzt sich aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Delegierten zusammen, die von den Landesparlamenten entsandt werden. In Zeiten, in denen die politische Landschaft fragmentierter ist als je zuvor, könnte auch die Wahl des BundesprÀsidenten zu einem Gradmesser der politischen KrÀfteverhÀltnisse werden. Die wachsende StÀrke konservativer und rechter KrÀfte in den Landesparlamenten wird sich unweigerlich auch in der Zusammensetzung der Bundesversammlung widerspiegeln.
Ein Amt, das mehr sein könnte
Das Amt des BundesprĂ€sidenten wird oft als rein reprĂ€sentativ abgetan. Doch gerade in Krisenzeiten â und Deutschland befindet sich zweifellos in einer solchen â könnte ein Staatsoberhaupt mit klarer Haltung und dem Mut zur unbequemen Wahrheit einen Unterschied machen. Was Deutschland braucht, ist kein weiterer GruĂonkel der politischen Klasse, sondern eine Persönlichkeit, die den BĂŒrgern wieder Vertrauen in die Institutionen gibt. Ob die politischen Parteien den Mut aufbringen, einen solchen Kandidaten zu nominieren, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt leider: Eher nicht.
Bis zum 30. Januar 2027 ist noch viel Zeit. Zeit, in der sich die politische Landschaft weiter verĂ€ndern wird. Zeit, in der die BĂŒrger dieses Landes hoffentlich genau hinschauen, wer da an die Spitze des Staates gewĂ€hlt werden soll. Denn eines ist gewiss: Deutschland verdient ein Staatsoberhaupt, das nicht nur StĂŒhle effizient nutzt, sondern dem Land auch eine Richtung gibt.










