Kettner Edelmetalle
09.07.2026
09:55 Uhr

Bafög-Reform: Wenn das Versprochene erst kommt, wenn keiner mehr hinschaut

Es ist ein Ritual, das sich in Berlin mit fast schon liturgischer ZuverlĂ€ssigkeit wiederholt: Erst werden vollmundige Versprechen in KoalitionsvertrĂ€ge gegossen, dann kommt die nĂŒchterne RealitĂ€t – und plötzlich verschiebt sich, was gestern noch als unumstĂ¶ĂŸlich galt. Die große Bafög-Reform, mit der die Große Koalition aus Union und SPD den Studenten unter die Arme greifen wollte, entpuppt sich als Musterbeispiel dieser politischen Verzögerungstaktik.

Der Mietzuschuss lÀsst auf sich warten

KernstĂŒck der EnttĂ€uschung ist die Wohnkostenpauschale. Studenten, die dem elterlichen Nest entwachsen sind und selbst fĂŒr Miete aufkommen mĂŒssen, sollen kĂŒnftig statt 380 Euro ganze 440 Euro monatlich erhalten. Klingt gut – wĂ€re da nicht der Haken: Diese Anhebung greift erst zum Sommersemester 2027. Ein halbes Jahr spĂ€ter als ursprĂŒnglich zugesagt. FĂŒr junge Menschen, die schon heute mit explodierenden Mietpreisen in deutschen UniversitĂ€tsstĂ€dten ringen, ist das ein herber Schlag.

720 Euro Miete stehen oft 730 Euro Bafög gegenĂŒber – die Rechnung geht fĂŒr viele Studenten lĂ€ngst nicht mehr auf.

Der Grundbedarf steigt – in homöopathischen Dosen

Auch beim monatlichen Grundbedarf regiert die Salamitaktik. Der aktuelle Satz von 475 Euro soll in zwei Etappen angehoben werden: zunĂ€chst zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro, danach zum Sommersemester 2029 auf stolze 563 Euro. 2029 – man lasse sich diese Jahreszahl auf der Zunge zergehen. Wer heute sein Studium beginnt, dĂŒrfte lĂ€ngst im Berufsleben stehen, bevor die volle Erhöhung ĂŒberhaupt greift.

Wortbruch, Finanzierungsvorbehalt und die ĂŒblichen Ausreden

Möglich wurde die Verzögerung durch eine Klausel im Koalitionsvertrag, wonach sĂ€mtliche Vorhaben unter einem sogenannten Finanzierungsvorbehalt stehen. Ein bequemes HintertĂŒrchen, durch das man jederzeit entkommen kann, wenn die eigenen Versprechen zu teuer werden. Die SPD warf dem Kanzleramt bereits Wortbruch vor, wĂ€hrend Unionsfraktionschef Jens Spahn mit Blick auf BĂŒrgergeld, Wohngeld, Elterngeld und eben Bafög erklĂ€rte, angesichts der desolaten Haushaltslage seien Erhöhungen auf absehbare Zeit schlicht nicht drin.

Und genau hier liegt der wunde Punkt. WĂ€hrend die Regierung Merz ein 500-Milliarden-Sondervermögen aus dem Boden stampft und die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 ins Grundgesetz meißelt, will fĂŒr die eigene Jugend das Geld angeblich nicht reichen. Man sollte meinen, die Investition in die Ausbildung der nĂ€chsten Generation stĂŒnde ganz oben auf der PrioritĂ€tenliste. Doch die PrioritĂ€ten scheinen woanders zu liegen.

Ehrliche Töne aus der Union

Immerhin: Die stellvertretende Unionsfraktionschefin Inge GrĂ€ĂŸle brachte es auf den Punkt. Der Ausbau staatlicher Leistungen lasse sich nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung trennen, so ihre EinschĂ€tzung. Aufgabe der Koalition sei es, „wieder fĂŒr Wirtschaftswachstum zu sorgen“. Eine seltene Wahrheit in Zeiten, in denen viele Politiker glauben, Wohlstand entstehe durch immer neue Schulden statt durch eine gesunde, wettbewerbsfĂ€hige Wirtschaft.

Immer weniger EmpfĂ€nger – ein stiller Alarm

Bemerkenswert ist eine Zahl, die im medialen Getöse fast untergeht: Die Zahl der Bafög-EmpfĂ€nger ist auf einem Tiefstand angelangt. 2024 bezogen laut Statistischem Bundesamt nur noch rund 612.800 Menschen die Leistung – so wenige wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Rund 483.800 davon studierten, 129.000 gingen zur Schule. Bei knapp 2,9 Millionen eingeschriebenen Studenten und 11,5 Millionen SchĂŒlern ein bemerkenswert kleiner Anteil. Man muss sich fragen, ob das System so kompliziert und unattraktiv geworden ist, dass Berechtigte lieber gleich verzichten.

Was bleibt?

Am Ende steht ein bitteres Fazit: Versprochen wurde viel, geliefert wird spĂ€t und portioniert. Die VerlĂ€sslichkeit, die man den Studenten predigt, gilt offenbar nur fĂŒr die schönen Sonntagsreden, nicht fĂŒr die Auszahlung am Monatsende. Wer sich in einem Land wie Deutschland auf staatliche Zusagen verlĂ€sst, lernt schnell, dass diese unter Vorbehalt stehen – finanziert von einer Generation, die spĂ€ter die Zinsen fĂŒr heutige Schuldenexzesse zahlen darf.

Gerade in solchen Zeiten der politischen Unberechenbarkeit zeigt sich, wie wichtig es ist, sein Vermögen auf ein solides Fundament zu stellen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie keinen Finanzierungsvorbehalten unterliegen und keiner Regierung ausgeliefert sind, die ihre Versprechen nach Belieben verschiebt. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie eine krisenfeste Absicherung, die sich niemand per Klausel im Koalitionsvertrag wieder wegnehmen kann.

Hinweis: Die in diesem Artikel geĂ€ußerten EinschĂ€tzungen stellen keine Anlageberatung dar und geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr etwaige Verluste. Dieser Beitrag ersetzt zudem keine Rechts- oder Steuerberatung.

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