
Aufstand der Gouverneure: Wie zwei Republikaner Trumps Migrationswende mit Arbeitsvisa aushebeln wollen

Es ist ein bemerkenswertes Schauspiel, das sich derzeit in den Vereinigten Staaten abspielt: Zwei republikanische Gouverneure, die seit Jahren mit Donald Trump im Streit liegen, verbĂŒnden sich mit Demokraten â und zwar genau dort, wo der PrĂ€sident sein politisch stĂ€rkstes Pfund hat. Beim Thema Migration. Der Plan, den Utahs Gouverneur Spencer Cox und Oklahomas Gouverneur Kevin Stitt gemeinsam mit den Demokraten Wes Moore (Maryland) und Matt Meyer (Delaware) vor laufender Kamera in einem Interview mit Bloomberg ausbreiteten, klingt harmlos, ist es aber nicht: Statt Abschiebebescheiden sollen Migranten kĂŒnftig staatlich ausgestellte Arbeitserlaubnisse erhalten. Ausgegeben von den Gouverneuren selbst.
Die Task Force, die niemand brauchte
Das Vehikel fĂŒr dieses Vorhaben ist eine Arbeitsgruppe der National Governors Association zur Migrationspolitik, die Stitt ins Leben rief, nachdem er im GesprĂ€ch mit Kollegen Ă€hnliche Sorgen vernommen habe. Seine Botschaft an den Kongress ist von entwaffnender Direktheit: Man solle die Gouverneure doch einfach selbst Arbeitsgenehmigungen ausstellen lassen.
Genau dieser Satz ist der eigentliche Kern der Sache â und er verschiebt illegale Einwanderung stillschweigend von einem Rechtsbruch zu einem betriebswirtschaftlichen Personalengpass.
Landwirtschaft, Bauwirtschaft, Gastgewerbe â ĂŒberall fehlen HĂ€nde, und wo HĂ€nde fehlen, ist der Ruf nach billigen ArbeitskrĂ€ften nie weit. Wer sich in Europa auskennt, kennt dieses Muster bis zum Ăberdruss. Das Argument der Arbeitgeberlobby ist in Deutschland seit den sechziger Jahren dasselbe: Man rief ArbeitskrĂ€fte, und es kamen Menschen. Der Ansatz erinnert frappierend an die ReformplĂ€ne von George W. Bush, dessen Signal an illegal Eingereiste im Kern lautete: Wer einen Job macht, den kein Amerikaner will, sei willkommen â auf Zeit. Wie belastbar solche Befristungen in der Praxis sind, dĂŒrfte jeder erahnen, der die europĂ€ische Migrationsgeschichte der letzten fĂŒnf Jahrzehnte kennt.
Grenzsicherung loben â und gleichzeitig unterlaufen
Cox verkaufte das BĂŒndnis als Durchbruch nach vier Jahrzehnten des Scheiterns. Vier Dekaden habe man versucht, eine Migrationsreform zustande zu bringen, niemand habe es geschafft. Diesmal sei es anders, weil die Grenze sicher sei. Ein hĂŒbscher rhetorischer Kunstgriff: Man lobt die HĂ€rte der Regierung an der Grenze â und arbeitet im selben Atemzug daran, die eigenen Bundesstaaten aus deren Durchsetzungsapparat herauszulösen. Alle sorgten sich doch um eine sichere Grenze, Republikaner wie Demokraten, versicherte Cox. Die Eintracht bekommt allerdings Risse, sobald die Frage gestellt wird, was mit jenen geschieht, die lĂ€ngst im Land sind.
Ein Treffen im Februar habe die Gouverneure regelrecht verblĂŒfft, so Cox: Das AusmaĂ an Ăberparteilichkeit, an Kooperation, an Ăbereinstimmung sei ĂŒberraschend gewesen. Man möchte einwenden: Wenn sich Politiker beider Lager derart geschlossen darauf verstĂ€ndigen, die Durchsetzung bestehender Gesetze zu lockern, ist das kein Beweis staatsmĂ€nnischer Reife, sondern ein Alarmsignal. Konsens der politischen Klasse gegen die Interessen der eigenen BĂŒrger â auch dieses PhĂ€nomen ist deutschen WĂ€hlern schmerzlich vertraut.
Als es um ICE ging, hob niemand die Hand
Auf die Frage der Bloomberg-Journalistin, ob die Einwanderungsbehörde ICE und das Heimatschutzministerium effektiv arbeiteten, blieben die HÀnde beider Republikaner unten. Cox verwies auf EinsÀtze in Minnesota, sprach von Gewalt und TodesfÀllen und nannte die VorfÀlle tief problematisch. Stitt formulierte es knapper: Man arbeite derzeit ohne gesunden Menschenverstand.
Sein Beispiel: ein Green-Card-Inhaber aus Vietnam, seit fĂŒnfundzwanzig Jahren in Oklahoma City, beschĂ€ftigt bei Hobby Lobby, legal im Land. Nach einer Marihuana-Verhaftung sei der Mann selbst ausgereist und anschlieĂend legal zurĂŒckgekehrt â nun stehe er auf der Abschiebeliste. Ein BĂŒrger, der dem amerikanischen Traum nachgejagt sei, so Stitt. Moore lieferte die wirtschaftspolitische Verzierung: Eine auf Kriminelle konzentrierte Abschiebeagenda mĂŒsse mit wachstumsfreundlicher Politik einhergehen, nicht diese ersetzen.
Warum Trump nicht mitspielen wird
Dass beide Republikaner ein zerrĂŒttetes VerhĂ€ltnis zum PrĂ€sidenten haben, erklĂ€rt einiges. Trump gewann seine zweite Amtszeit 2024 nicht zuletzt mit dem Versprechen, eine Grenze zu schlieĂen, die unter Biden vier Jahre lang offenstand. Migration ist bis heute sein stĂ€rkstes Thema â stĂ€rker als Wirtschaft, stĂ€rker als AuĂenpolitik. Wer daran sĂ€gt, sĂ€gt am Fundament seines Mandats.
Entsprechend deutlich fiel die Antwort aus der Regierung aus. Heimatschutzminister Markwayne Mullin, der bei der Versammlung direkt neben Stitt saĂ, dĂ€mpfte die Erwartungen auf sehr amerikanische Weise: Eine Migrationsreform sei nicht möglich. Nötig wĂ€re sie schon â aber man könne mit dem bestehenden System arbeiten.
Ein LehrstĂŒck auch fĂŒr deutsche Leser
Man muss kein Amerikakenner sein, um die Parallelen zu erkennen. Auch hierzulande wird der Zusammenhang zwischen ungeordneter Zuwanderung, ausbleibender RĂŒckfĂŒhrung und ausufernder KriminalitĂ€t von Teilen der politischen Klasse hartnĂ€ckig kleingeredet, wĂ€hrend die Statistiken Rekordwerte melden. Der RĂŒckgriff auf Arbeitsmarktargumente, um Rechtsdurchsetzung zu relativieren, ist ein alter Trick â und er endet regelmĂ€Ăig damit, dass der Staat seine HandlungsfĂ€higkeit verliert und der BĂŒrger die Rechnung zahlt. Nach Auffassung unserer Redaktion, und wir sind ĂŒberzeugt, dass ein groĂer Teil der Deutschen dies Ă€hnlich sieht, braucht es Politiker, die fĂŒr ihr Land und dessen BĂŒrger regieren â nicht gegen sie.
Was der Streit in Washington und in den Bundesstaaten nebenbei zeigt: Politische VerlĂ€sslichkeit ist eine flĂŒchtige Ware, selbst innerhalb einer Partei. Wer sein Vermögen langfristig sichern will, tut deshalb gut daran, nicht ausschlieĂlich auf staatliche Ordnung und papierne Versprechen zu setzen. Physisches Gold und Silber kennen keine Wahlperioden, keine Koalitionskrisen und keine Task Forces â sie sind seit Jahrtausenden ein bewĂ€hrter Baustein zur Absicherung eines breit gestreuten Vermögens.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Rechts- oder Steuerberater.
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