
Aluminiumpreis explodiert: Nahostkrieg bedroht globale Rohstoffversorgung

Der Aluminiummarkt steht unter Schock. WĂ€hrend die Welt gebannt auf die dramatische Eskalation im Nahen Osten blickt, schieĂt der Preis des Leichtmetalls an der Londoner Metallbörse (LME) um 1,7 Prozent auf 3.194,50 US-Dollar pro Tonne nach oben â der höchste Stand seit Januar. Was sich am Wochenende zwischen den USA, Israel und dem Iran abgespielt hat, könnte die globalen Lieferketten fĂŒr eines der wichtigsten Industriemetalle der Welt nachhaltig erschĂŒttern.
Die StraĂe von Hormus als Achillesferse der Weltwirtschaft
Im Zentrum der Sorgen steht die StraĂe von Hormus â jener schmale Wasserweg vor der iranischen KĂŒste, durch den ein GroĂteil der nahöstlichen Aluminiumproduktion verschifft wird. Die Region verantwortet nach Angaben der Beratungsfirma AZ China rund neun Prozent der weltweiten AluminiumproduktionskapazitĂ€t. Neun Prozent â das klingt zunĂ€chst ĂŒberschaubar. Doch wer die fragilen Gleichgewichte der globalen RohstoffmĂ€rkte kennt, weiĂ: Schon geringfĂŒgige Störungen können eine Kettenreaktion auslösen, die Preise in schwindelerregende Höhen treibt.
Emirates Global Aluminum, der gröĂte Produzent der Vereinigten Arabischen Emirate, betreibt Schmelzanlagen in Dubai und Abu Dhabi. Aluminium Bahrain unterhĂ€lt eine der weltweit gröĂten Einzelstandort-Schmelzen. Und genau diese ProduktionsstĂ€tten befinden sich nun in unmittelbarer NĂ€he eines sich ausweitenden Konflikts. Die VAE bestĂ€tigten bereits, dass TrĂŒmmerteile einer Luftabwehr-Interception einen Brand an einem der LiegeplĂ€tze des Jebel-Ali-Hafens in Dubai verursacht hĂ€tten â nur wenige Kilometer von den EGA-Anlagen entfernt.
Trumps aggressive AuĂenpolitik als Brandbeschleuniger
US-PrĂ€sident Donald Trump erklĂ€rte unmissverstĂ€ndlich, die amerikanischen StreitkrĂ€fte wĂŒrden den Iran so lange bombardieren, bis seine Ziele erreicht seien. Er forderte das iranische MilitĂ€r und die Polizei zur Kapitulation auf â andernfalls drohe ihnen der âsichere Tod". Teheran reagierte mit Raketenwellen auf NachbarlĂ€nder, darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Ausgerechnet jene Staaten also, die zu den bedeutendsten Aluminiumproduzenten der Welt zĂ€hlen.
Man muss kein Geopolitik-Experte sein, um zu erkennen, welch explosive Mischung hier zusammenkommt. Trumps kompromisslose AuĂenpolitik mag in ihrer Entschlossenheit beeindrucken â doch die wirtschaftlichen KollateralschĂ€den fĂŒr die globalen RohstoffmĂ€rkte sind bereits jetzt erheblich. Bereits Ende Januar hatte der Aluminiumpreis in London seinen höchsten Stand seit 2022 erreicht, und die US-Midwest-PrĂ€mie â ein zentraler Referenzwert â kletterte im vergangenen Monat auf ein Rekordhoch von ĂŒber einem Dollar pro Pfund.
Rio Tinto zieht sich aus Verhandlungen zurĂŒck
Wie ernst die Lage ist, zeigt das Verhalten der Branchenriesen. Der Bergbaukonzern Rio Tinto, dank seiner Schmelzanlagen in Kanada und Australien einer der weltweit fĂŒhrenden Aluminiumlieferanten, hat die Verhandlungen mit japanischen Kunden ĂŒber Lieferungen im zweiten Quartal ausgesetzt. Zuvor hatte das Unternehmen eine PrĂ€mie von 250 US-Dollar pro Tonne ĂŒber dem LME-Preis angeboten â der höchste Aufschlag seit mindestens 2015. Doch selbst dieses Angebot wurde angesichts der eskalierenden Lage zurĂŒckgezogen. Ein unmissverstĂ€ndliches Signal an die MĂ€rkte.
Backwardation und Milliardenwetten: Der Markt riecht die Knappheit
Die Preisspreads am Aluminiummarkt haben sich am Montag deutlich verengt. Spot-Kontrakte werden mittlerweile mit einem Aufschlag gegenĂŒber spĂ€teren Terminkontrakten gehandelt â eine sogenannte Backwardation, die signalisiert, dass die aktuelle Nachfrage das Angebot ĂŒbersteigt. Bereits in der vergangenen Woche hatten massive OptionsgeschĂ€fte mit einem Nominalwert von mehreren Milliarden Dollar die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich gezogen. Die Kaufoptionen zielten auf April-Kontrakte mit Preisen zwischen 3.300 und 3.500 Dollar pro Tonne â offenkundig Wetten auf eine gravierende Verknappung des Metalls.
Li Xuezhi, Forschungsleiter bei Chaos Ternary Futures, brachte es auf den Punkt: Potenzielle Unterbrechungen der Bauxit- oder Aluminiumoxid-Lieferungen, die die Schmelzanlagen im Nahen Osten versorgen, stellten ein sehr erhebliches Risiko dar. Aluminiumschmelzen halten typischerweise nur ein bis zwei Wochen an Aluminiumoxid-VorrĂ€ten vor â in Regionen mit anfĂ€lliger Logistik mitunter etwas mehr. Das begrenzt zwar die unmittelbaren Produktionsrisiken, doch höhere KriegsrisikoprĂ€mien, steigende Frachtraten und zunehmende Lieferverzögerungen aus dem Golf seien die wahrscheinlichsten kurzfristigen Auswirkungen, wie Analysten der Citigroup um Wenyu Yao in einer Analyse festhielten.
Iran verliert bereits ProduktionskapazitÀt
Der Iran selbst verfĂŒgt ĂŒber eine jĂ€hrliche AluminiumschmelzkapazitĂ€t von rund 790.000 Tonnen. Davon seien bereits 50.000 bis 80.000 Tonnen stillgelegt worden, da Industriebetriebe VorsichtsmaĂnahmen wĂ€hrend des Konflikts ergriffen hĂ€tten, berichtete AZ China. Weitere Produktionsstopps könnten folgen, sollte der Hafenbetrieb zum Erliegen kommen.
Der Aluminiummarkt stehe nun vor einem âzweiseitigen makroökonomischen Tauziehen", so die Citi-Analysten. Einerseits drohten die Ereignisse am Golf, die regionalen PrĂ€mien in Europa und den USA weiter nach oben zu treiben. Andererseits ĂŒbten Risikoaversion und die StĂ€rke des US-Dollars einen gegenlĂ€ufigen Druck aus. Der Dollar legte am Montag deutlich zu â ein Gegenwind fĂŒr alle in der US-WĂ€hrung notierten Rohstoffe. So verlor etwa Kupfer seine anfĂ€nglichen Gewinne und schloss 1,8 Prozent tiefer.
Auch Eisenerz und Stahl betroffen
Die Auswirkungen des Konflikts beschrÀnken sich keineswegs auf Aluminium. Eisenerz schloss in Singapur 0,8 Prozent höher bei 99,10 Dollar pro Tonne. Der Nahe Osten ist ein bedeutender Produzent von Eisenerzpellets mit einem Weltmarktanteil von 13 Prozent, wie BMO Global Commodities Research hervorhebt. Auch die chinesischen Stahlexporte in die Region hÀtten zuletzt zugenommen.
Gold als sicherer Hafen in stĂŒrmischen Zeiten
WĂ€hrend die Industriemetalle zwischen Angebotssorgen und DollarstĂ€rke hin- und hergerissen werden, zeigt sich einmal mehr die zeitlose StĂ€rke der Edelmetalle. Der Goldpreis stieg am selben Tag auf ein Einmonatshoch â ein klares Zeichen dafĂŒr, dass Anleger in Zeiten geopolitischer Verwerfungen instinktiv zu dem greifen, was seit Jahrtausenden als ultimativer Wertspeicher gilt. Wer angesichts solcher Entwicklungen noch immer glaubt, physische Edelmetalle seien ein Relikt vergangener Zeiten, dem sei ein Blick auf die RealitĂ€t empfohlen: In einer Welt, in der Konflikte ĂŒber Nacht ganze Lieferketten lahmlegen können, in der WĂ€hrungen durch politische Entscheidungen entwertet werden und in der die Inflation durch immer neue Schuldenorgien â man denke nur an das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung â weiter angeheizt wird, bieten Gold und Silber jene StabilitĂ€t, die kein Papiergeld der Welt garantieren kann.
Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten ist ein weiterer Weckruf. Sie erinnert uns daran, wie fragil die globalisierte Wirtschaftsordnung tatsĂ€chlich ist â und wie schnell vermeintliche Gewissheiten in sich zusammenfallen können. Physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sind in solchen Zeiten keine Spekulation, sondern schlicht vernĂŒnftige Vorsorge.
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