Kettner Edelmetalle

Silber-Rallye 170%: Warum Experten nicht verkaufen

12.12.2025PodcastKettner Edelmetalle

Es gibt Momente an den Finanzmärkten, die selbst erfahrene Analysten sprachlos machen. Eine Performance von 170 Prozent in nur zwölf Monaten – das klingt nach einer hochspekulativen Kryptowährung oder einem Pennystock aus der dritten Reihe. Doch die Rede ist von Silber. Einem Rohstoff, der seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel dient und gleichzeitig für die moderne Industrie unverzichtbar ist. Was steckt hinter dieser historischen Rallye? Und warum weigern sich selbst die profiliertesten Finanzexperten, auch nur eine einzige Unze zu verkaufen?

Die Silber-Rallye: Zahlen, die Geschichte schreiben

Die nackten Zahlen sind beeindruckend – und sie lassen sich nicht wegdiskutieren. Seit Jahresbeginn 2025 hat Silber eine Performance von 122 Prozent in US-Dollar hingelegt. Auf Sicht der letzten zwölf Monate sind es sogar 170 Prozent. Das ist keine marginale Bewegung, kein statistisches Rauschen. Das ist ein tektonischer Bruch.

Der bekannte Finanzexperte und Bestsellerautor Ernst Wolff bringt es auf den Punkt:

„Ich werde mein Silber auf jeden Fall keinesfalls verkaufen, weil ich damit rechne, dass es da noch eine ganz, ganz große Spanne gibt, in der das Silber weiter nach oben gehen kann."

Wolff steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Namhafte Rohstoffexperten wie Dimitri Speck und Jochen Steiger sprechen bereits von mittleren dreistelligen Silberpreisen. Was vor wenigen Jahren noch als Fantasie abgetan wurde, rückt in greifbare Nähe. Denn wer hätte bei einem Silberpreis von 25 Dollar geglaubt, dass die 60- oder 70-Dollar-Marke so schnell fallen würde?

Die Federal Reserve gießt Öl ins Feuer

Um die aktuelle Silber-Explosion zu verstehen, muss man den Blick auf die Geldpolitik der großen Zentralbanken richten. Die Federal Reserve hat zum dritten Mal in Folge die Zinsen gesenkt – auf nunmehr 3,5 bis 3,75 Prozent. Und das in einem Umfeld, in dem die Inflation in den USA bereits über 3 Prozent liegt.

Doch damit nicht genug. Die Fed hat gleich mehrere Maßnahmen ergriffen, die den Edelmetallmarkt elektrisieren:

  • Aufkauf von Staatsanleihen: Ab Dezember 2025 kauft die Fed monatlich 40 Milliarden Dollar an Staatsanleihen vom US-Finanzministerium – das bedeutet eine weitere halbe Billion Dollar, die 2026 ins System fließen wird
  • Ende des Quantitative Tightening: Die Reduzierung der Fed-Bilanz wurde offiziell gestoppt – ein klares Signal für erneute Bilanzausweitung
  • Zinssenkungen trotz Inflation: Die Begründung über den Arbeitsmarkt ist kaum mehr als ein Feigenblatt – das billige Geld fließt direkt in die Finanzmärkte

Besonders entlarvend ist die Wortwahl der Fed. Man spricht nicht von „Quantitative Easing", sondern von einer „Stabilisierung der Bilanz". Ernst Wolff zieht dazu einen treffenden Vergleich:

„Das ist so ungefähr das Gleiche, als wenn unser ehemaliger Bundeskanzler Scholz sagt, es sind keine Schulden, sondern es ist Sondervermögen. Das ist ein ganz großer Blödsinn. Da fängt das große Gelddrucken wieder an."

Die Konsequenz ist klar: Geld wird weiter entwertet. Und wenn Papiergeld an Wert verliert, steigen die realen Werte – allen voran Gold und Silber.

Die physische Knappheit wird real – ein Blick hinter die Kulissen

Was die aktuelle Situation von früheren Silber-Rallyes fundamental unterscheidet, ist die physische Dimension der Verknappung. Es handelt sich nicht mehr nur um Preisbewegungen auf dem Papier. Die physische Nachfrage zwingt mittlerweile sogar Großbanken in die Knie.

An den beiden wichtigsten Handelsplätzen der Welt – der LBMA in London und der COMEX in New York – treten massive Engpässe auf. Doch die Probleme reichen tiefer, bis in die Produktionsketten der Münzprägestätten und Barrenhersteller.

Die Lage aus Händlerperspektive ist alarmierend. Dominik Kettner, Gründer von Kettner Edelmetalle, berichtet von direkten Gesprächen mit den größten Herstellern der Welt:

  • Die South African Mint, die Royal Canadian Mint und deutsche Hersteller wie Heimerle + Meule bestätigen: Die Leasingraten für Silber sind so hoch, dass sich kaum noch jemand traut, große Silberbestände für die Produktion anzufassen
  • Alle Hersteller arbeiten derzeit aus Lagerbeständen – Neuproduktion wird zunehmend schwieriger
  • Viele Prägestätten stellen die Produktion kleiner Stückelungen ein und konzentrieren sich auf größere Einheiten
  • Wer als Hersteller nicht bereit ist, höhere Preise zu zahlen, verliert den Wettbewerbsanschluss

Für Anleger, die in Silbermünzen investieren möchten, bedeutet das: Die Verfügbarkeit beliebter Produkte wie dem Maple Leaf, dem Wiener Philharmoniker oder dem Känguru könnte sich weiter verschärfen.

China stoppt Silberexporte – ein strategischer Schachzug

Zusätzlich zur Produktionsknappheit hat China die Auslieferung von Silber gestoppt – nachdem es dies bereits bei Gold getan hatte. Als einer der größten Silberproduzenten der Welt hat diese Entscheidung massive Auswirkungen auf das globale Angebot. Die Shanghai Gold Exchange positioniert sich zunehmend als neuer Knotenpunkt für die Bewertung von Edelmetallen – ein Machtzentrum, das der Westen lange unterschätzt hat.

China plant darüber hinaus, in Dubai, Singapur und der Schweiz eigene Gold-Hubs zu errichten, um das Vertrauen in den Yuan zu stärken. Die geopolitische Dimension des Edelmetallmarktes wird damit immer deutlicher.

JP Morgan: Vom Short-Seller zum Silber-Bullen

Eine der spektakulärsten Entwicklungen der vergangenen Wochen betrifft JP Morgan – den größten privaten Silberbesitzer der Welt. Die Großbank verlor über Nacht fast 4,5 Prozent ihres Börsenwerts, während Silber im gleichen Zeitraum um exakt denselben Betrag zulegte.

Was war passiert? Die berüchtigten Short-Positionen von JP Morgan über geschätzte 200 Millionen Unzen Silber sind offenbar geplatzt. Der rasante Preisanstieg hat die Shorts regelrecht „gekillt". Und nun vollzieht JP Morgan eine spektakuläre Kehrtwende: Die Bank geht mit 750 Millionen Dollar in den Long-Trade.

„Wenn der Börsenkurs von JP Morgan mal kurz um 4,5 Prozent zurückgeht, aber der Silberpreis um 4,5 Prozent hochgeht, dann ist das für JP Morgan eigentlich ein gutes Geschäft, weil das Silber weiter hochtreiben wird und auch den Börsenkurs auf lange Sicht wieder hochtreiben wird."

Besonders bemerkenswert: JP Morgan hat seinen gesamten Trading Desk für Gold und Silber über Nacht von New York nach Singapur verlegt – während der Thanksgiving-Feiertage, ohne öffentliche Ankündigung. 50 Trader, die den größten Anteil des US-Silbermarktes abwickelten, zogen nach Asien um. Ein Vorgang, der Fragen aufwirft und die Manipulation des Silberpreises in ein neues Licht rückt.

Das Gold-Silber-Ratio: Warum die Rallye noch lange nicht vorbei ist

Während die Welt gebannt auf den Silberpreis starrt, übersehen viele einen entscheidenden Indikator: das Gold-Silber-Ratio. Dieses Verhältnis erzählt eine Geschichte, die Jahrtausende zurückreicht.

  1. Altes Rom: Das Verhältnis lag bei 1:12
  2. Gründung der USA: Festgelegt auf 1:15
  3. Historischer Durchschnitt: Etwa 1:16 bis 1:20
  4. Aktuell: Immer noch bei 1:75 bis 1:76

Was bedeutet das? Selbst nach der spektakulären Rallye ist Silber im Verhältnis zu Gold immer noch massiv unterbewertet. Wenn sich das Ratio auch nur in Richtung seines historischen Durchschnitts bewegt, liegt noch ein enormes Aufholpotenzial vor dem weißen Edelmetall.

Wer sich für den Einstieg in Silber interessiert, findet mit dem Silber Starter-Set oder dem umfangreicheren Silber Starterpaket S einen soliden Ausgangspunkt. Für diejenigen, die sich auf Krisenszenarien vorbereiten möchten, bietet das Silber-Tauschmittelpaket eine durchdachte Zusammenstellung kleiner Stückelungen.

Die Solarindustrie als Preistreiber – und Opfer zugleich

Was in der öffentlichen Debatte häufig untergeht: Silber ist nicht nur ein Edelmetall, sondern ein unverzichtbarer Industrierohstoff. Besonders die boomende Solarindustrie verschlingt gewaltige Mengen des weißen Metalls. Die Silberpreis-Explosion zwingt die Solarbranche bereits zum radikalen Umdenken.

Die industrielle Nachfrage nach Silber steigt seit Jahren kontinuierlich an, während das Angebot stagniert oder sogar schrumpft. Diese fundamentale Angebots-Nachfrage-Schere ist einer der Haupttreiber der aktuellen Preisentwicklung – und sie wird sich in absehbarer Zeit nicht auflösen.

Geopolitische Pulverfässer: Warum Edelmetalle als Krisenschutz unverzichtbar sind

Die Silber-Rallye findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie ist eingebettet in ein geopolitisches Umfeld, das von Unsicherheit, Konflikten und systemischen Risiken geprägt ist.

Die Liste der Krisenherde ist lang und wird nicht kürzer:

  • Ukraine-Krieg: BlackRock-CEO Larry Fink sitzt persönlich neben Jared Kushner am Verhandlungstisch mit den Russen – ein Sinnbild für die Verflechtung von Finanzkapital und Geopolitik
  • NATO-Aufrüstung: Pläne zur Verlegung von bis zu 800.000 NATO-Soldaten durch Deutschland an die Ostflanke
  • Venezuela: Die Eskalation um Tanker-Beschlagnahmungen und die Positionierung von María Corina Machado deuten auf einen möglichen Regimewechsel hin
  • Japan: Die Bank of Japan hebt die Zinsen an – mit potenziell verheerenden Folgen für den US-Staatsanleihenmarkt, da Japan der größte ausländische Halter ist

NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat in Berlin eine Aussage getätigt, die aufhorchen lässt: Man müsse sich auf Zeiten vorbereiten, ähnlich wie unsere Großeltern und Urgroßeltern. Eine kaum verhüllte Anspielung auf die Weltkriege des 20. Jahrhunderts.

Ernst Wolff findet dafür deutliche Worte:

„Der Mann redet tatsächlich den dritten Weltkrieg herbei. Das ist ein Kriegshetzer und Kriegstreiber, wie man sich ihn vorher nie hätte vorstellen können – selbst nicht an der Spitze der NATO."

In solchen Zeiten greifen Menschen instinktiv auf das zurück, was sich in 3.000 Jahren als Grundwert bewährt hat: Edelmetalle. Gold und Silber haben jede Währung, jedes Imperium und jeden Krieg überlebt. Diese Eigenschaft macht sie in der aktuellen Lage wertvoller denn je.

CBDC und der digitale Euro: Die nächste Phase der Kontrolle

Hinter den Kulissen der aktuellen Turbulenzen zeichnet sich laut Ernst Wolff ein noch größeres Bild ab: die Einführung digitaler Zentralbankwährungen (CBDCs). Der digitale Euro läuft bereits in Testversuchen in der sogenannten Wholesale-Version – also zwischen der Zentralbank und großen Finanzinstituten.

Wolff sieht in den aktuellen Krisen keinen Zufall, sondern ein orchestriertes Spiel:

  • Die Destabilisierung des bestehenden Systems schafft den Vorwand für die Einführung neuer digitaler Währungen
  • Ein großer Crash könnte bewusst herbeigeführt werden – wer rechtzeitig auf Leerverkäufe setzt, gehört zu den Gewinnern
  • Die digitale ID und CBDCs werden als Lösung für die selbst geschaffenen Probleme präsentiert
  • In der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sitzen alle großen Zentralbanken – USA, China, Russland – an einem Tisch

Einen Goldstandard hält Wolff in diesem System für ausgeschlossen: „Ein Goldstandard ist die Negation allessen, was in den letzten 100 Jahren im Finanzsystem passiert ist." Auch die viel diskutierte BRICS-Einheitswährung mit 40 Prozent Golddeckung sieht er skeptisch – ähnliche Ankündigungen seien in der Vergangenheit stets im Sande verlaufen.

Was Anleger jetzt wissen müssen

Die entscheidende Frage für jeden Anleger lautet: Ist es zu spät, um in Silber einzusteigen? Die Antwort hängt von der Perspektive ab. Kurzfristig sind nach einer 170-Prozent-Rallye Rücksetzer nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Langfristig sprechen die fundamentalen Faktoren eine eindeutige Sprache.

Die wichtigsten Argumente für Silber auf einen Blick:

  1. Physische Knappheit: Die Lagerbestände an LBMA und COMEX schrumpfen, Hersteller arbeiten aus Restbeständen
  2. Industrielle Nachfrage: Solarindustrie, Elektronik und Medizintechnik treiben den Verbrauch
  3. Geldpolitik: Die Fed druckt wieder Geld, die Inflation wird weiter steigen
  4. Gold-Silber-Ratio: Bei 1:75 ist Silber historisch gesehen massiv unterbewertet
  5. Geopolitische Risiken: Kriege, Handelskonflikte und systemische Instabilität treiben die Nachfrage nach sicheren Häfen
  6. Paradigmenwechsel bei Großbanken: JP Morgan wechselt von Short auf Long – ein historisches Signal

Erfahrene Silberinvestoren wissen: Rücksetzer sind Nachkaufgelegenheiten. Wer bei jedem Shakeout in Panik verkauft, wird die langfristige Bewegung verpassen. Das gilt für klassische Anlageprodukte wie Krügerrand-Silbermünzen, Britannias oder American Eagles ebenso wie für Silberbarren verschiedener Größen.

Silber als Geschenk: Wert, der bleibt

Angesichts der aktuellen Preisentwicklung gewinnt Silber auch als Geschenkidee an Bedeutung. Während herkömmliche Geschenke an Wert verlieren, sobald sie ausgepackt sind, hat physisches Silber das Potenzial, über Jahre und Jahrzehnte an Wert zu gewinnen. Ein 50g Silberherz oder ein 100g Silberherz verbindet emotionalen Wert mit realem Vermögensschutz.

Das Fazit: Silber ist kein Hype – es ist eine Zeitenwende

Was wir derzeit am Silbermarkt erleben, ist kein kurzfristiger Hype und keine spekulative Blase. Es ist die logische Konsequenz aus Jahrzehnten verfehlter Geldpolitik, systematischer Preismanipulation und einer zunehmend instabilen Weltordnung. Der Papiersilber-Betrug fliegt auf – und physisches Silber zeigt seinen wahren Wert.

Die Botschaft von Ernst Wolff ist unmissverständlich: Nicht verkaufen. Die Spanne nach oben ist noch gewaltig. Das Gold-Silber-Ratio, die physische Knappheit, die Geldflut der Zentralbanken und die geopolitischen Risiken bilden ein Fundament, das den Silberpreis noch weit über das aktuelle Niveau tragen könnte.

Auch Regierungen weltweit erkennen zunehmend den strategischen Wert von Edelmetallen. Wer als Privatanleger jetzt handelt, sichert sich nicht nur gegen Inflation und Währungsverfall ab – er positioniert sich auf der richtigen Seite einer historischen Vermögensverschiebung.

Die Frage ist nicht mehr, ob man in Silber investieren sollte. Die Frage ist nur noch: Wie viel Zeit bleibt, bevor die nächste Stufe der Rallye zündet?