Silbermarkt-Kollaps: COMEX-Auslieferungen brechen zusammen
Es sind Sätze, die man in dieser Deutlichkeit selten hört – und die dennoch die Realität an den globalen Edelmetallmärkten beschreiben: Die physische Auslieferung von Silber bricht zusammen. Was wie eine Übertreibung klingt, ist bei näherer Betrachtung eine nüchterne Zustandsbeschreibung dessen, was sich derzeit an der COMEX, der weltweit wichtigsten Terminbörse für Edelmetalle, abspielt. Peter Boehringer, Gründungsvorstand der Deutschen Edelmetallgesellschaft und Initiator der legendären Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim", zeichnet ein Bild, das jeden Anleger aufhorchen lassen sollte.
Denn was sich hinter den Kulissen des Papiersilbermarktes abspielt, hat das Potenzial, die Machtverhältnisse im globalen Finanzsystem grundlegend zu verschieben. Und mittendrin: das weiße Metall, das viele Anleger jahrelang links liegen gelassen haben.
Die COMEX als größte „Silbermine" der Welt – ein Alarmsignal
Die Zahlen sind atemberaubend. Allein bis November wurden über die COMEX 12.000 Tonnen Silber physisch abgefordert. Um das in Relation zu setzen: Die gesamte weltweite physische Auslieferungsnachfrage liegt bei etwa 28.000 Tonnen pro Jahr. Die COMEX – wohlgemerkt eine Terminbörse, die eigentlich nicht als physische Auslieferungsbörse konzipiert wurde – hat damit mehr Silber ausgeliefert als jede einzelne Mine auf diesem Planeten.
Die größten Silberminen der Welt bringen im Einzelfall vielleicht zwei bis drei Prozent der Weltförderung. Die COMEX hat in diesem Jahr locker 10 bis 20 Prozent beigesteuert. Das ist kein normaler Marktvorgang. Das ist ein Zeichen dafür, dass das System unter extremem Druck steht.
„Die COMEX war mit Abstand die größte Silbermine der ganzen Welt dieses Jahr. Da ist Panik da, weil es ein völlig neues Phänomen ist."
Am 28. November, dem sogenannten Delivery Day, wurde erstmals eine 100-prozentige physische Auslieferung gefordert. Und was geschah? Der Handel wurde eingestellt. Offiziell wegen technischer Probleme. Inoffiziell – und das lässt sich kaum anders interpretieren – weil die Börse schlicht nicht liefern konnte. Man drehte, wie Boehringer es formuliert, „einfach mal den Server ab".
Warum diesmal wirklich alles anders ist
„Diesmal ist alles anders" – ein Satz, der an der Börse normalerweise als Warnsignal gilt. Doch beim Silber gibt es triftige Gründe, warum diese Aussage diesmal Substanz hat. Die fundamentale Ausgangslage unterscheidet sich grundlegend von früheren Preisanstiegen.
Der Vergleich mit 1980, als die Hunt-Brüder versuchten, den Silbermarkt zu cornern, hinkt gewaltig. Damals gab es keine echte industrielle Knappheit. Es war eine einzelne Partei, die mit politischem Druck und geänderten Börsenregeln ausgebremst werden konnte. Heute sieht die Lage fundamental anders aus:
- Das Minenangebot ist statisch: Etwa eine Milliarde Unzen pro Jahr – und das lässt sich über vier bis fünf Jahre kaum steigern, da Silber überwiegend als Beiprodukt gefördert wird.
- Die industrielle Nachfrage liegt bei 800 Millionen Unzen: Schmuck, Anlagemetall und ETF-Käufe sind darin noch nicht einmal enthalten.
- Recycling ist noch nicht wirtschaftlich genug: Selbst bei aktuellen Preisen lohnt sich das Recycling vieler Silberanwendungen nicht signifikant.
- Zentralbanken haben praktisch kein Silber: Anders als bei Gold gibt es keine staatlichen Reserven, die den Markt entlasten könnten.
- Der Papiersilbermarkt ist 300-mal so groß wie der physische Markt: Eine Fiktion, die nur funktioniert, solange niemand auf Auslieferung besteht.
Wir befinden uns mittlerweile im siebten Jahr in Folge, in dem mehr Silber verbraucht wird, als verfügbar ist. Jedes Jahr wird das Defizit größer. Und die Nachfragetreiber – von der Solarindustrie über Batterietechnologie bis hin zur Rüstungsindustrie – zeigen keinerlei Anzeichen einer Abschwächung.
Silber als „Rache des Marktes" am System
Peter Boehringer formuliert es mit einer Schärfe, die man selten hört: Silber ist die Rache des Marktes, der Wahrheit und der Rationalität am System. Eine These, die er in drei Dimensionen begründet.
„Es wurde über Jahrzehnte physisch vorhandene Nachfrage in die Papiersilbermärkte abgelenkt – in riesigen Größenordnungen. Die Leute waren zufrieden mit Papier, was man drucken kann, oder mit scheinphysischen Lagern bei ETFs. Das ist eine Lüge. Und das rächt sich jetzt."
Dimension 1: Die Rache des Marktes
Jahrzehntelang wurde die physische Nachfrage in Papiersilbermärkte umgeleitet. Anleger gaben sich mit Zertifikaten, Futures und dubiosen ETFs zufrieden, die behaupteten, physisches Silber zu halten. Diese Ablenkungsstrategie funktionierte, solange es keine echte Knappheit gab. Jetzt, wo die Knappheit real ist, fliegt der Schwindel auf.
Dimension 2: Die Rache der Wahrheit
Gold und Silber decken die Lebenslügen des Finanzsystems auf. Wenn der Goldpreis steigt, wird es schwieriger, Staatsanleihen zu verkaufen. Die Zinsen müssen steigen, und alle anderen Anlageklassen geraten unter Druck. Ein steigender Silber- und Goldpreis ist fatal fürs System – kleine Märkte, die die größten Märkte der Welt, die Anleihemärkte, bewegen können.
Dimension 3: Die Rache der Rationalität
Die grüne Ideologie hat die industrielle Silbernachfrage um 200 bis 300 Millionen Unzen pro Jahr nach oben getrieben – durch Solar, E-Auto-Batterien und andere Anwendungen. Dieselben Kräfte, die den Goldpreis jahrelang unterdrückten, haben sich damit selbst eine Falle gestellt. Die ideologisch getriebene Zusatznachfrage verschärft die Knappheit dramatisch.
Profis in Panik: „Wo bekomme ich noch physisches Silber her?"
Was die aktuelle Situation besonders bemerkenswert macht, ist die Tatsache, dass die Nachfrage nach physischem Silber nicht nur von Privatanlegern kommt. Boehringer berichtet von verzweifelten Anfragen institutioneller Investoren – Investment Banker, die jahrelang nur Papiergold hielten und nun plötzlich über physische Auslieferung nachdenken.
„Ich habe Anrufe bekommen von Leuten, von denen ich es nie erwartet hätte", schildert er. Profis, die zwei Tonnen physisches Silber suchen – und sich an Privatpersonen wenden, weil die regulären Kanäle nicht mehr liefern können. Der Silbermarkt ist im Umbruch, und die Großbanken geraten zunehmend unter Druck.
Für Privatanleger, die jetzt in Silbermünzen oder Silberbarren investieren möchten, stellt sich die Frage der Verfügbarkeit zunehmend drängend. Beliebte Anlagemünzen wie der Maple Leaf, der Wiener Philharmoniker oder der Känguru sind zwar noch erhältlich, doch die Lieferzeiten verlängern sich spürbar.
Die 19-Prozent-Hürde – und warum sie Anleger nicht mehr abschreckt
Ein Thema, das beim Silberkauf in Deutschland unweigerlich aufkommt: die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Noch vor zwei Jahren hatte die Einführung der vollen Mehrwertsteuer den physischen Silbermarkt in Deutschland nahezu zum Erliegen gebracht. Anleger scheuten den Aufschlag, der Markt lag in Schockstarre.
Doch diese Phase ist vorbei. Die Fear of Missing Out – die Angst, nicht dabei zu sein – überwiegt mittlerweile die steuerliche Belastung. Und das aus gutem Grund: Bei einer Preisentwicklung, die allein im Dollar bereits über 100 Prozent Zuwachs in einem Jahr verzeichnet hat, relativieren sich 19 Prozent Mehrwertsteuer schnell.
Für Anleger, die den Einstieg suchen, bieten sich verschiedene Wege an:
- Freilagerlösungen: Silber wird mehrwertsteuerfrei in Zollfreilagern verwahrt – ideal für größere Positionen.
- Klassische Anlagemünzen: Britannia, American Eagle oder Krügerrand in Silber bieten hohe Liquidität und internationale Anerkennung.
- Starterpakete: Für Einsteiger gibt es zusammengestellte Sets wie das Silber Starter-Set oder das Silber Starterpaket S.
- Krisenvorsorge: Das Silber-Tauschmittelpaket ist für diejenigen konzipiert, die Silber als Tauschmittel in Krisenszenarien vorhalten möchten.
Shanghai rüstet auf – das Ende der westlichen Preishoheit?
Während die COMEX unter dem Druck physischer Auslieferungsforderungen ächzt, baut China systematisch eine alternative Infrastruktur auf. Die Shanghai Gold Exchange treibt den Aufbau internationaler Goldhubs voran – in Zürich, Dubai, Saudi-Arabien und Hongkong. Die Strategie ist klar: Man will unabhängig werden von westlichen Börsen, denen man nicht mehr vertraut.
Und dieses Misstrauen ist begründet. Die Asiaten lassen sich traditionell nicht mit Papiergold und Papiersilber abspeisen. In Indien wird regelmäßig physisch ausgeliefert. Man braucht das Metall, man will es anfassen können. Die Fiktion der COMEX – eine Papierbörse, die so tut, als könne sie physisch liefern – funktioniert im asiatischen Raum schlicht nicht.
„Es ist immer so in der Weltgeschichte gewesen, dass das Gold dahingeht, wo das Geld sitzt – und das Geld ist am Ende die Macht."
Boehringer sieht in dieser Entwicklung eine historische Verschiebung. Die 38 Billionen Dollar Staatsverschuldung der USA sind die eigentliche Ursache für die Erosion westlicher Macht. Gold und Silber sind dabei nicht der Auslöser, sondern der Indikator – das Fieberthermometer eines kranken Systems.
Sollte die COMEX tatsächlich gezwungen sein, die physische Auslieferung einzustellen und auf reines Cash Settlement umzustellen, wäre das der endgültige Beweis: Die Börse war ein Papiertiger. Und dann braucht die Welt eine Alternative. Shanghai steht bereit. Die Berichte über den Kollaps des COMEX-Systems häufen sich nicht ohne Grund.
Italiens Goldsteuer: Die Vorstufe zur Konfiskation?
Parallel zur Silber-Krise brodelt es auch beim Gold. In Italien plant die Regierung, Privatpersonen mit Anlagemünzen und Barren – oft ohne Kaufnachweise – eine „freiwillige" Steuer aufzuerlegen. Wer geerbtes Gold meldet, soll nur 12,5 statt 26 Prozent Steuern zahlen. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann – wie es im Mafia-Jargon heißt.
Die Parallelen zur Geschichte sind beunruhigend:
- Roosevelt 1933: Konfiszierung privaten Goldes in den USA – weniger als 50 Prozent wurden tatsächlich abgeliefert.
- Deutsches Kaiserreich 1914: „Gold gab ich für Eisen" – Historiker schätzen die Abgabequote auf 10 bis 50 Prozent.
- NS-Zeit: Auch unter extremem Druck wurde nicht alles Gold abgegeben.
Die Besteuerung ist dabei stets die Vorstufe zur Konfiskation. Erst erfassen, dann besteuern, dann einziehen. Dass auch andere Länder wie der Libanon mit dem Gedanken spielen, nationale Goldreserven zu veräußern, zeigt: Der Zugriff auf Edelmetalle wird weltweit zum politischen Thema.
Wem gehört das Gold der Nationen?
Besonders brisant: Auch das Gold der Banca d'Italia soll heimgeholt werden – aus New York, der Schweiz, London und sogar aus Frankfurt, wo es bei der EZB liegt. Doch hier stellen sich fundamentale juristische Fragen. Bei der Euro-Einführung 1999 mussten alle Euroländer physisches Gold an die EZB übertragen. Der Rückforderungsanspruch lautet jedoch nur auf Euro – nicht auf physisches Gold.
Boehringer identifiziert drei mögliche Eigentümer:
- Das Volk – seine persönliche Rechtsauffassung
- Die nationale Zentralbank – die gängige institutionelle Sichtweise
- Die EZB – die zunehmend den Standpunkt vertritt, das Gold gehöre ihr
In Deutschland hat Boehringer es immerhin geschafft, etwa die Hälfte des Bundesbank-Goldes zurückzuholen. Doch bei einem aktuellen Wert von fast 400 Milliarden Euro – gegenüber über 2 Billionen Euro Bundesschulden – reicht das Gold bei weitem nicht, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Es wäre, wie Boehringer warnt, fatal, wenn der Staat das Gold „im Haushalt verwurstet", anstatt es als Volksvermögen mit Verfassungsrang zu schützen.
Der digitale Euro: Schrumpfgeld mit Verfallsdatum
Neben den Edelmetallmärkten treibt Boehringer ein weiteres Thema um: der digitale Euro. Was als harmlose Modernisierung des Zahlungsverkehrs verkauft wird, ist in Wahrheit ein Überwachungsinstrument von historischer Tragweite.
Die Fakten sind ernüchternd. Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, die sogenannte EUDI-Wallet bis Ende 2026 bereitzustellen. Der digitale Euro soll einem absoluten Annahmezwang unterliegen – privilegiert gegenüber Bargeld, bei dem es keinen solchen Zwang gibt. Die Implikationen sind weitreichend:
- Negativzinsen werden technisch möglich – Ihr Guthaben schrumpft automatisch.
- Verfallsdaten können programmiert werden – Geld, das Sie nicht ausgeben, verfällt.
- Vollständige Überwachung aller Transaktionen durch die EZB.
- Konten können jederzeit eingefroren oder abgeschaltet werden.
- Kaufbeschränkungen sind technisch implementierbar – bestimmte Güter könnten gesperrt werden.
„Der digitale Euro kann als Schrumpfgeld ausgestaltet werden – 2 Prozent minus pro Jahr, wenn du das Zeug nicht in Umlauf bringst. Wenn man es auf die Spitze treibt, wird es irgendwann nicht mehr möglich sein, über sein Eigentum zu verfügen, nicht mehr zu sparen. Das ist menschenunwürdig."
Boehringer verweist darauf, dass bereits Marx und Engels im Kommunistischen Manifest die Zentralisierung des Geldwesens forderten – vor über 170 Jahren. Der digitale Euro wäre die technologische Verwirklichung dieser Vision. Dass die EZB das Projekt zuletzt erneut verschoben hat und eine mindestens dreijährige Pilotphase angekündigt wurde, verschafft zwar Zeit. Doch die Richtung ist klar.
Physischer Besitz als ultimativer Schutz
Die Quintessenz aller Entwicklungen – ob Silberknappheit, Goldkonfiskationsbestrebungen oder digitaler Euro – läuft auf eine zentrale Erkenntnis hinaus: Entscheidend ist nicht das Eigentumsrecht auf dem Papier, sondern der physische Besitz.
Wer Silber in einem ETF hält, besitzt ein Versprechen. Wer einen Maple Leaf in der Hand hält, besitzt Realität. In einer Welt, in der Terminbörsen ihre Server abschalten, wenn zu viele Anleger auf Auslieferung bestehen, ist dieser Unterschied nicht akademisch – er ist existenziell.
Die Bundesbank argumentiert seit Jahren, man müsse das Gold im Ausland belassen, um im Krisenfall damit handeln zu können. Boehringer hält dagegen:
„Gerade im Falle einer Weltfinanzkrise will niemand Devisen haben, will auch niemand Papiergeld haben – sondern dann muss man das Physische haben."
Ob als 50-Gramm-Silberherz für den Einstieg oder als strategische Position in Silberbarren – der physische Besitz von Edelmetallen ist in Zeiten zusammenbrechender Auslieferungsketten, digitaler Überwachungswährungen und staatlicher Zugriffsfantasien nicht nur eine Anlageentscheidung. Es ist ein Akt der finanziellen Selbstbestimmung.
Was Anleger jetzt wissen müssen
Die Situation am Silbermarkt ist beispiellos. Noch nie in der Geschichte gab es eine derart fundamentale physische Knappheit bei gleichzeitig explodierender industrieller Nachfrage. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
- Die COMEX steht unter beispiellosem Druck – 12.000 Tonnen physische Abforderung allein bis November.
- Das Papiersilbersystem zeigt Risse – der Handel wurde bereits einmal ausgesetzt, als die Auslieferungsforderungen zu groß wurden.
- Die industrielle Nachfrage ist strukturell – Solar, Rüstung, Elektronik – und kurzfristig nicht substituierbar.
- Shanghai baut eine Alternative auf – die westliche Preishoheit bei Edelmetallen erodiert.
- Physischer Besitz ist der einzige echte Schutz – Papierversprechen können gebrochen werden, Metall nicht.
Die Volatilität wird bleiben. Rücksetzer sind jederzeit möglich und sogar wahrscheinlich. Doch die fundamentale Richtung ist klar. Wer heute noch physisches Silber zu aktuellen Preisen erwerben kann, sollte diese Möglichkeit nicht als selbstverständlich betrachten. Denn wenn die physische Auslieferung an den großen Börsen tatsächlich zusammenbricht, wird der Preis für reales, anfassbares Silber ein ganz anderer sein als der auf dem Bildschirm.
Die Geschichte lehrt uns: In Zeiten systemischer Krisen überlebt nicht das Versprechen auf Wert – sondern der Wert selbst. Gold und Silber haben diese Lektion über Jahrtausende bewiesen. Diesmal wird es nicht anders sein.



