
Zwei Monate nach Erfurt: Vier VerdÀchtige nach Angriff auf Reporter

Es hat gedauert â nun gibt es erste Namen. Rund acht Wochen nach dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt hat die ThĂŒringer Polizei nach Medienberichten vier volljĂ€hrige MĂ€nner als TatverdĂ€chtige identifiziert, die im Umfeld der Gegendemonstrationen Journalisten des Portals Apollo News angegriffen haben sollen. Abgeschlossen sind die Ermittlungen damit nicht.
Der Vorfall ereignete sich am ersten Juliwochenende am Gothaer Platz, am Rande einer Blockadeaktion. Drei Reporter wurden dort tĂ€tlich attackiert, ein Mitarbeiter der Wochenzeitung Junge Freiheit wurde ebenfalls Opfer eines Ăbergriffs.
Vom Raubverdacht zur gefÀhrlichen Körperverletzung
Im Fall des Journalisten der Jungen Freiheit ermittelt die Polizei laut Berichten gegen drei VerdĂ€chtige, einer davon ist demnach ein 35-jĂ€hriger Mann aus Nordrhein-Westfalen. UrsprĂŒnglich stand der Verdacht des Raubes im Raum, weil dem Reporter das Mobiltelefon entwendet worden sein soll.
Nach dem aktuellen Stand prĂŒfen die Behörden dem Vernehmen nach nun stattdessen den Verdacht der gefĂ€hrlichen Körperverletzung. FĂŒr alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Eine Kleine Anfrage â und keine Antwort
Politisch brisant ist ein Detail am Rande: Der AfD-Landtagsabgeordnete Ringo MĂŒhlmann wollte per Kleiner Anfrage wissen, ob die TatverdĂ€chtigen linksextremistischen Strukturen zuzurechnen seien. Eine Antwort der ThĂŒringer Landesregierung steht dem Bericht zufolge bislang aus.
FĂŒr viele BĂŒrger dĂŒrfte genau das den Kern des Unbehagens treffen. Wenn parlamentarische Kontrollrechte ins Leere laufen, entsteht der Eindruck, es werde nicht mit gleicher Elle gemessen. Wie schnell wĂ€ren IdentitĂ€t und Milieu der TĂ€ter geklĂ€rt worden, hĂ€tte die politische Zuordnung umgekehrt gelegen?
âFaschisten blockierenâ â und dann Schweigen
Bemerkenswert bleibt die Reaktion des BĂŒndnisses âWidersetzenâ, das groĂe Teile der Proteste organisiert hatte. Eine Distanzierung von der Gewalt gegen die Journalisten blieb aus. Eine entsprechende Frage von Apollo News wollte man auf einer Pressekonferenz zunĂ€chst gar nicht beantworten; erst gegenĂŒber Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Ă€uĂerte sich Sprecher Noa Sander.
âWir sind nach Erfurt gekommen, um Faschisten zu blockierenâ â und weiter: âFaschist*innen mit einem Presseausweis sind immer noch Faschist*innenâ.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein bemerkenswerter Satz. Pressefreiheit ist kein GĂŒtesiegel fĂŒr Gesinnung, sondern ein Grundrecht â Artikel 5 des Grundgesetzes kennt keine GesinnungsprĂŒfung an der Absperrung. Wer Journalisten nach politischer Ausrichtung sortiert und den Schutz relativiert, sĂ€gt an einem Fundament, von dem am Ende alle Medien leben.
180 Anzeigen â die Bilanz eines Wochenendes
Die Dimension der Ereignisse zeigen die nackten Zahlen. Nach Polizeiangaben registrierten die Behörden rund um den Parteitag 180 Strafanzeigen und 22 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten. Einen Schwerpunkt bildeten SachbeschĂ€digungen, in sechs FĂ€llen sollen sich Personen gegen polizeiliche MaĂnahmen gewehrt haben.
72 Strafverfahren und zehn Ordnungswidrigkeitsverfahren seien inzwischen abgeschlossen und an Staatsanwaltschaften, BuĂgeldstellen oder andere Behörden abgegeben worden. An den Gegendemonstrationen hatten nach behördlichen Angaben rund 31.000 Menschen teilgenommen â der gröĂte Polizeieinsatz, den ThĂŒringen seit der Wiedervereinigung erlebt hat.
Die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit dieser Demonstranten blieb friedlich. Umso wichtiger wĂ€re ein klares Signal aus Politik und Zivilgesellschaft: Wer prĂŒgelt, hat kein Mandat â auch nicht im Namen der Demokratie.
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