
ZDF-Skandal eskaliert: Redakteurin verwendete KI-Fake-Video mit voller Absicht

Was sich beim Zweiten Deutschen Fernsehen hinter verschlossenen TĂŒren abspielt, dĂŒrfte selbst hartgesottene Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erschĂŒttern. Geleakte Tonaufnahmen einer internen Betriebsversammlung offenbaren nun das ganze AusmaĂ eines Vorfalls, der das ohnehin ramponierte Vertrauen in den gebĂŒhrenfinanzierten Sender weiter erschĂŒttert. Die ZDF-Redakteurin Nicola Albrecht hat ein KI-generiertes Fake-Video wissentlich in einen Nachrichtenbeitrag eingebaut â und die Chefredaktion brauchte offenbar Tage, um die Tragweite des Debakels ĂŒberhaupt zu begreifen.
Der Vorfall: Fake-Bilder im Nachrichtenformat
Am 15. Februar wurde im ZDF heute journal ein Beitrag ausgestrahlt, der sich mit den AbschiebemaĂnahmen der US-Behörde ICE unter PrĂ€sident Trump befasste. Der Beitrag sollte suggerieren, dass ICE-Beamte Eltern vor den Augen ihrer Kinder verhaften und sogar gegen MinderjĂ€hrige vorgehen wĂŒrden. Doch die dafĂŒr verwendeten Bilder waren schlicht gefĂ€lscht. Ein KI-generiertes Video der Plattform Sora von OpenAI wurde eingeblendet â ohne jede Kennzeichnung als kĂŒnstlich erzeugt. Lediglich ein kleines Wasserzeichen hĂ€tte aufmerksamen Zuschauern den Betrug verraten können.
Damit nicht genug: ZusĂ€tzlich wurde ein Video aus dem Jahr 2022 gezeigt, in dem ein Junge wegen Terrorandrohungen in Gewahrsam genommen wurde. Im ZDF-Beitrag diente diese Aufnahme jedoch als vermeintlicher Beleg dafĂŒr, dass Kinder von ICE-Beamten verhaftet wĂŒrden. Eine dreiste Umdeutung von Bildmaterial, die in einer seriösen Nachrichtenredaktion schlicht undenkbar sein sollte.
Chefredakteurin Schausten: Ăberfordert und ahnungslos
Auf der internen Betriebsversammlung am Montag, von der nun Tonaufnahmen an die Ăffentlichkeit gelangten, gab Chefredakteurin Bettina Schausten erstaunlich freimĂŒtig zu, dass die FĂŒhrungsebene zunĂ€chst völlig ĂŒberfordert gewesen sei. Man habe anfangs von âtechnischen Problemen" gesprochen und damit selbst zur Verharmlosung beigetragen. Der Fehler sei in der Chefredaktion passiert, weil man nicht schnell genug erkannt habe, dass man âecht gerade ein Problem" habe.
Schausten stellte klar, dass Albrecht das KI-Video wissentlich in den Beitrag eingebaut habe. Es sei âfahrlĂ€ssig und ohne Absicht" geschehen â eine Formulierung, die bei nĂ€herer Betrachtung geradezu absurd anmutet. Wie kann etwas gleichzeitig wissentlich und ohne Absicht geschehen? Die Chefredakteurin versuchte es so zu erklĂ€ren: Albrecht habe sich selbst eingeredet, die Verwendung sei in Ordnung, solange sie das Material kennzeichne. Sie habe es ânoch nicht einmal verheimlichen" wollen, dass es sich um KI-generiertes Material handele.
TheveĂen verteidigt â und entlarvt das eigentliche Problem
Besonders aufschlussreich war der Einwurf von Elmar TheveĂen, dem ZDF-Studioleiter in Washington. Er verteidigte die Redakteurin mit den Worten, kein einziges Wort in ihren BeitrĂ€gen sei falsch gewesen. Unter Trump seien schlieĂlich mehr Kinder von ICE-Beamten verhaftet worden als unter Obama. Man solle sich das âGeraune" kritischer Medien nicht zu eigen machen.
Diese Verteidigung offenbart das eigentliche Kernproblem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland: Der Zweck heiligt die Mittel. Solange die politische StoĂrichtung stimmt, solange die âHaltung" passt, scheint jedes Mittel recht â selbst KI-generierte Fake-Videos in einer Nachrichtensendung. Es ist genau dieser Haltungsjournalismus, der das Vertrauen der BĂŒrger in die Medien systematisch zerstört.
âRelotius-Moment" â oder doch schlimmer?
Intern wird der Vorfall bereits mit dem Relotius-Skandal beim Spiegel verglichen. Bettina Warken, Leiterin von ZDF Reportage, rĂ€umte ein: âWir haben einen Relotius-Moment." Mitarbeiter berichteten von massiver Verunsicherung. Eine WISO-Moderatorin erzĂ€hlte, sie werde bei Terminen mittlerweile mit âAch, Sie kommen vom KI-Fernsehen" begrĂŒĂt. Ein anderer Mitarbeiter fragte offen, ob man beim ZDF etwas so sehr wolle, dass man die GrĂŒndlichkeit vermissen lasse, Geschichten wirklich zu hinterfragen.
Chefredakteurin Schausten wehrte sich gegen den Vergleich. Der Relotius-Fall sei anders gewesen, jener habe getĂ€uscht und sich Geschichten ausgedacht. Das sei hier nicht der Fall gewesen. Doch ist diese Unterscheidung wirklich so klar? Wer ein KI-generiertes Fake-Video wissentlich in einen Nachrichtenbeitrag einbaut und ein drei Jahre altes Video in einen völlig anderen Kontext stellt â was ist das, wenn nicht TĂ€uschung?
Moderatorin Hayali: Nicht einmal hingeschaut?
Ein weiteres pikantes Detail: Moderatorin Dunja Hayali, die den Beitrag im heute journal prĂ€sentierte, soll sich die Sendung vorher nicht noch einmal angesehen haben. Sie habe lediglich die Information erhalten, es handele sich um eine gekĂŒrzte Fassung aus dem Mittagsmagazin. Schausten kommentierte trocken, es wĂ€re âschön gewesen", hĂ€tte Hayali sich die Sachen noch einmal angeschaut â dann hĂ€tte sie vielleicht bemerkt, dass der Beitrag nicht nur gekĂŒrzt, sondern verĂ€ndert worden war. Vielleicht hĂ€tte sie sogar das Wasserzeichen erkannt.
Die Arroganz der Ertappten
Am entlarvendsten war jedoch Schaustens Schlussbemerkung. Man mĂŒsse sich dagegen wehren, dass âjeder kleine Fehler ausgeleuchtet" werde und als Beleg dafĂŒr genommen werde, dass man âtotal unfĂ€hig und inkompetent" sei. Was âbei bestimmten Plattformen" derzeit los sei, sei âinfam und böswillig".
âUnd was in diesem Zusammenhang im Moment sozusagen bei bestimmten Plattformen los ist, ist infam und ist böswillig."
Man muss sich diese Chuzpe auf der Zunge zergehen lassen: Eine Sendeanstalt, die mit ZwangsgebĂŒhren von ĂŒber acht Milliarden Euro jĂ€hrlich finanziert wird, baut wissentlich KI-Fake-Videos in Nachrichtensendungen ein, verfĂ€lscht den Kontext von Videomaterial â und beschwert sich dann darĂŒber, dass kritische Medien dies aufdecken. Nicht die FĂ€lschung ist das Problem, sondern deren EnthĂŒllung. Es ist diese Haltung, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland zu einem Relikt vergangener Zeiten macht.
FĂŒr Millionen von BĂŒrgern, die jeden Monat zwangsweise ihren Rundfunkbeitrag entrichten mĂŒssen, stellt sich eine ganz einfache Frage: Warum sollen sie fĂŒr ein System bezahlen, das sie offenkundig fĂŒr dumm verkauft? Die Forderung nach einer grundlegenden Reform â oder besser noch: der Abschaffung der ZwangsgebĂŒhren â ist lĂ€ngst keine Randposition mehr, sondern Ausdruck eines tiefen und berechtigten Vertrauensverlustes. Wer Fake-Videos wissentlich in Nachrichtensendungen einbaut, hat jeden Anspruch auf GlaubwĂŒrdigkeit verwirkt.
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