Kettner Edelmetalle
19.02.2026
07:25 Uhr

ZDF-Fake-Skandal: Hayali will von nichts gewusst haben – und der Sender spielt mit

Es ist eine jener Geschichten, die man sich kaum ausdenken könnte, wĂ€re sie nicht bittere RealitĂ€t: Das ZDF, jener öffentlich-rechtliche Sender, der sich seit Jahren als Bollwerk gegen Desinformation und Fake News inszeniert, wurde beim Einsatz manipulierter KI-Videos im eigenen Flaggschiff-Format Heute Journal ertappt. Und die Reaktion? Man schiebt die Schuld auf eine einzelne Autorin und nimmt die prominente Moderatorin Dunja Hayali demonstrativ in Schutz. Die habe schließlich von nichts gewusst.

Die dreiste Verteidigungslinie des Senders

Laut einem ZDF-Sprecher habe die Redaktion des Heute Journals „die PrĂŒf- und Verifikationsverfahren nicht wie vorgesehen angewendet". Hayali sei ahnungslos gewesen, was die gefĂ€lschten Videosequenzen in dem Beitrag ĂŒber ICE-EinsĂ€tze in den USA betrifft. Das ist bemerkenswert – denn ausgerechnet in ihrer Anmoderation warnte die Moderatorin selbst vor gefĂ€lschten Videos zu den EinsĂ€tzen der US-Einwanderungsbehörde. Man könnte fast meinen, die Ironie schreibe hier ihr eigenes Drehbuch.

Stattdessen wird die Leiterin des New Yorker ZDF-Studios, Nicola Albrecht, als Verantwortliche prĂ€sentiert. Sie habe Videomaterial ausgewĂ€hlt, ohne es „gewissenhaft und vollstĂ€ndig auf Herkunft und AuthentizitĂ€t ĂŒberprĂŒft" zu haben. Ein klassisches Bauernopfer? Vieles deutet darauf hin.

Die unbequemen Fakten, die das ZDF verschweigt

Denn die Sachlage ist weitaus komplizierter, als der Sender es darstellen möchte. Recherchen haben ergeben, dass bereits am 13. Februar eine nahezu identische, etwas lĂ€ngere Version des besagten Beitrags im ZDF-Mittagsmagazin ausgestrahlt wurde – ohne die KI-generierten Fake-Clips. Die manipulierten Sequenzen wurden also erst nachtrĂ€glich fĂŒr die Heute-Journal-Ausgabe vom 15. Februar in den bereits existierenden Beitrag hineingeschnitten.

Das wirft fundamentale Fragen auf: Wer hat die Entscheidung getroffen, einen bereits fertigen und gesendeten Beitrag mit gefĂ€lschtem Material anzureichern? Geschah dies in New York oder in der Mainzer Zentrale? Und vor allem: Wer hat das „Gesamtkunstwerk" final abgesegnet? Diese Fragen lĂ€sst das ZDF bislang unbeantwortet – und genau das macht die Verteidigungsstrategie so unglaubwĂŒrdig.

Was zeigten die Fake-Videos?

In einem der KI-generierten Clips ist zu sehen, wie ICE-Beamte eine Latino-Frau abfĂŒhren, wĂ€hrend zwei weinende Kinder an ihr hĂ€ngen – eine Szene, die offensichtlich darauf abzielte, maximale emotionale Wirkung gegen die Einwanderungspolitik der Trump-Administration zu erzeugen. Hinzu kam eine aus dem Kontext gerissene Sequenz eines Jungen, der von einem Polizeibeamten abgefĂŒhrt wird. Beides war geeignet, beim Zuschauer ein verzerrtes Bild der RealitĂ€t zu erzeugen. Propaganda im Gewand seriöser Berichterstattung – finanziert mit ZwangsgebĂŒhren.

Moderatoren als ahnungslose Sprechpuppen?

Die Behauptung, Hayali habe von nichts gewusst, wirft ein bezeichnendes Licht auf das SelbstverstĂ€ndnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Entweder die Moderatorin ist tatsĂ€chlich nur eine ĂŒberbezahlte Vorleserin, die BeitrĂ€ge anmoderiert, ohne deren Inhalt zu kennen – dann stellt sich die Frage, wofĂŒr der GebĂŒhrenzahler ihr geschĂ€tztes sechsstelliges Jahresgehalt finanziert. Oder aber sie war, wie es bei Sendungen dieser GrĂ¶ĂŸenordnung ĂŒblich ist, in die redaktionellen AblĂ€ufe eingebunden und hat die BeitrĂ€ge vor der Ausstrahlung gesehen. Beides wĂ€re ein Skandal – nur eben ein unterschiedlicher.

Wer die ArbeitsablĂ€ufe beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen kennt, weiß: Moderatoren nehmen an den Redaktionssitzungen teil, sichten BeitrĂ€ge und besprechen deren Inhalte vor der Sendung. Die Vorstellung, dass eine erfahrene Journalistin wie Hayali einen Beitrag anmoderiert, den sie vorher nicht einmal gesehen hat, erscheint bestenfalls naiv – schlimmstenfalls als bewusste IrrefĂŒhrung der Öffentlichkeit.

Ein Symptom des Systems

Dieser Vorfall steht nicht isoliert da. Er reiht sich ein in eine lange Kette von Verfehlungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: manipulierte Wetterkarten, verzerrte Wahldiagramme, „zufĂ€llig" ausgewĂ€hlte BĂŒrger bei Straßenumfragen, die sich als Lokalpolitiker entpuppen, und eine Berichterstattung, die sich immer hĂ€ufiger wie politischer Aktivismus anfĂŒhlt statt wie unabhĂ€ngiger Journalismus. Der KI-Skandal ist lediglich die Spitze eines Eisbergs, der seit Jahren wĂ€chst.

Besonders pikant ist die Tatsache, dass ausgerechnet jene Institution, die sich als HĂŒterin der Wahrheit und als Schutzwall gegen Desinformation geriert, nun selbst beim Verbreiten von Fake-Inhalten erwischt wurde. Wie soll der BĂŒrger einem Sender vertrauen, der mit erhobenem Zeigefinger vor Falschinformationen in sozialen Medien warnt – und im selben Atemzug KI-generierte Propagandavideos in seine Nachrichtensendungen einbaut?

Die Forderung nach Konsequenzen

Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Rund 18,36 Euro zahlt jeder Haushalt in Deutschland monatlich fĂŒr den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – ob er will oder nicht. DafĂŒr darf er erwarten, dass die damit finanzierten Sender zumindest die grundlegendsten journalistischen Standards einhalten. Stattdessen wird er mit gefĂ€lschten Videos konfrontiert und anschließend mit durchsichtigen Ausreden abgespeist.

Die Causa Hayali offenbart einmal mehr, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner jetzigen Form einer grundlegenden Reform bedarf. Nicht kosmetischer Korrekturen, nicht neuer Compliance-Richtlinien, sondern einer fundamentalen Neuausrichtung, die den Sender wieder zu dem macht, was er sein sollte: ein unabhĂ€ngiges, der Wahrheit verpflichtetes Medium im Dienste der BĂŒrger. Solange jedoch Skandale wie dieser mit Bauernopfern und Schutzbehauptungen beantwortet werden, dĂŒrfte das Vertrauen der Bevölkerung in den ÖRR weiter erodieren – und das völlig zu Recht.

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