Kettner Edelmetalle
22.07.2025
11:39 Uhr

Wenn Antifaschisten zu Zensur-Aposteln werden: Der Fall Philipp Ruch

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher SelbstverstĂ€ndlichkeit sich manche Zeitgenossen als Retter der Demokratie inszenieren, wĂ€hrend sie gleichzeitig deren Grundprinzipien mit FĂŒĂŸen treten. Der jĂŒngste Fall des selbsternannten AktionskĂŒnstlers Philipp Ruch offenbart diese Paradoxie in ihrer ganzen Pracht. Im Podcast mit Paul Ronzheimer prĂ€sentierte sich der GrĂŒnder des "Zentrums fĂŒr Politische Schönheit" als moderner WiderstandskĂ€mpfer – und entlarvte sich dabei unfreiwillig als das, was er vorgibt zu bekĂ€mpfen: ein Feind der Meinungsfreiheit.

Die Hybris der selbsternannten Guten

Ruch störte das ARD-Sommerinterview mit Alice Weidel mit einer Aktion, die an KreativitĂ€t ungefĂ€hr so viel zu bieten hatte wie ein durchschnittlicher Abitur-Streich. "Scheiß AfD" in Dauerschleife – mehr fiel dem politischen KĂŒnstler nicht ein. Doch die eigentliche Brisanz liegt nicht in der Einfallslosigkeit der Aktion, sondern in Ruchs Rechtfertigung dafĂŒr. Er kritisierte die ARD dafĂŒr, ĂŒberhaupt ein Interview mit der AfD-Vorsitzenden zu fĂŒhren, und warf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor, "gegen die Institutionen dieses Staates" zu handeln.

Man muss sich diese Aussage auf der Zunge zergehen lassen: Ein Mann, der sich als KÀmpfer gegen den Faschismus versteht, fordert allen Ernstes, dass Journalisten nach der Pfeife staatlicher Behörden tanzen sollen. Wenn der Verfassungsschutz eine Partei als "gesichert rechtsextrem" einstuft, dann habe sich gefÀlligst auch die Presse daran zu halten. Was Ruch hier propagiert, ist nichts anderes als die Selbstgleichschaltung der Medien im Sinne staatlicher Narrative.

Stauffenberg-Vergleiche und andere Peinlichkeiten

Die Hybris erreichte ihren Höhepunkt, als Ruch seine lĂ€rmende Störaktion tatsĂ€chlich in eine Reihe mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 stellte. Auch Stauffenberg sei vorgeworfen worden, sein Anschlag sei Wasser auf die MĂŒhlen der NSDAP gewesen. Diese geschichtsvergessene SelbstĂŒberhöhung zeigt, wie sehr sich Ruch in seiner eigenen Bedeutung verloren hat. WĂ€hrend Stauffenberg sein Leben riskierte, um einen Massenmörder zu stoppen, beschallt Ruch mit Lautsprechern ein Fernsehinterview.

"Ich habe die AfD sehr gerne an diesem Punkt, wo sie Opfer sind oder sich als Opfer inszenieren. Wollen Sie das Gegenteil? Wollen wir sie als TĂ€ter sehen? Ich mag sie in der Ecke."

Mit solchen pseudo-philosophischen Phrasen versucht Ruch seine argumentative Leere zu kaschieren. Es sind SĂ€tze, die vielleicht in einem bekifften Studentenzirkel Eindruck schinden mögen, aber fĂŒr eine ernsthafte politische Auseinandersetzung völlig untauglich sind.

Die RealitÀtsverweigerung der modernen Linken

Was Ruch und seine Gesinnungsgenossen nicht verstehen wollen: Die AfD hat sich lĂ€ngst von den klassischen Medien emanzipiert. Sie hat ihr eigenes Kommunikationsuniversum aufgebaut, insbesondere in den sozialen Medien. Ob die ARD ein Interview fĂŒhrt oder nicht, ist fĂŒr den Erfolg dieser Partei mittlerweile zweitrangig. Die Störaktion bewirkte genau das Gegenteil des Beabsichtigten: Sie verschaffte der AfD zusĂ€tzliche Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, sich einmal mehr als Opfer zu inszenieren.

Noch wĂ€hrend der Aktion verlor Ruch die Deutungshoheit ĂŒber sein eigenes Handeln. In den sozialen Medien kursierten Theorien ĂŒber eine mögliche Absprache zwischen ARD und Störern. Selbst Medien, die der AfD kritisch gegenĂŒberstehen, verurteilten die Aktion. Die SĂŒddeutsche Zeitung etwa, wahrlich kein AfD-Sympathisant, kritisierte das Vorgehen scharf.

Der neue Autoritarismus von links

Die eigentliche Tragik liegt darin, dass Menschen wie Ruch in ihrem Kampf gegen einen vermeintlichen Faschismus selbst zu dem werden, was sie zu bekĂ€mpfen vorgeben. Sie fordern Zensur, verlangen die Gleichschaltung der Medien und halten jeden, der nicht ihrer Meinung ist, fĂŒr einen Feind der Demokratie. Dass Ruch "die letzten Jahre die NSDAP studiert" hat, wie er stolz verkĂŒndet, macht ihn nicht zum Experten fĂŒr Faschismus – es macht ihn zu jemandem, der ĂŒberall Nazis sieht.

Die moderne Linke, einst Speerspitze der AufmĂŒpfigkeit gegen staatliche AutoritĂ€t, ist zu einem Haufen autoritĂ€rer MoralwĂ€chter verkommen, die dem Staat nicht kritisch genug sein können, solange er ihre Agenda verfolgt. Sie haben vergessen, dass Meinungsfreiheit gerade dann verteidigt werden muss, wenn es um Meinungen geht, die man ablehnt.

Ein Symptom des politischen Versagens

Ruchs Aktionismus ist letztlich ein Symptom des Versagens der etablierten Politik. Anstatt sich inhaltlich mit den Themen auseinanderzusetzen, die Menschen zur AfD treiben – sei es die unkontrollierte Migration, die explodierende KriminalitĂ€t oder die ideologische Bevormundung durch Gender-Sprache und Klimahysterie –, flĂŒchtet man sich in symbolische Aktionen und moralische Überlegenheitsgesten.

Die Bundesregierung unter Friedrich Merz mag die Ampel-Koalition abgelöst haben, doch an der grundsĂ€tzlichen Fehlausrichtung der deutschen Politik hat sich wenig geĂ€ndert. Das neue 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur wird die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen belasten – trotz Merz' Versprechen, keine neuen Schulden zu machen. Die KriminalitĂ€t erreicht Rekordniveau, wĂ€hrend man sich in Berlin mehr Sorgen um die korrekte Anrede von Minderheiten macht als um die Sicherheit der BĂŒrger.

In diesem Klima gedeihen Figuren wie Ruch, die sich als Retter der Demokratie inszenieren, wĂ€hrend sie deren Fundamente untergraben. Eine Nazi-Obsession macht eben noch keinen Demokraten – und schon gar nicht einen neuen Stauffenberg.

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