
Warum das Rentenpaket II von FDP und Anderen kritisiert wird
Das von der Ampel-Koalition geplante Rentenpaket II soll die Renten langfristig stabil halten. Rund um die Expertenanhörung im Bundestag gibt es an der Reform jedoch viel Kritik. Mit dem Rentenpaket II will die Ampel das Rentenniveau auf 48 Prozent stabilisieren.
Stabiles Rentenniveau und Generationenkapital
Das Rentenpaket II soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden, um die langfristige Stabilisierung des Rentenniveaus zu gewĂ€hrleisten. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat vor einem Ărmer-Werden kĂŒnftiger Rentnerinnen und Rentner im Fall eines Scheiterns der geplanten Ampel-Rentenreform gewarnt. "Wenn wir jetzt nichts machen, werden kĂŒnftige Rentner Ă€rmer im VerhĂ€ltnis zur arbeitenden Bevölkerung", sagte Heil anlĂ€sslich einer Bundestagsanhörung in Berlin. Dies wolle er verhindern. "Mit dem Rentenpaket II stabilisieren wir die Rente dauerhaft."
Kern des Vorhabens ist ein lĂ€ngeres Festschreiben des Rentenniveaus von 48 Prozent, bis 2040 plant das die Ampel-Koalition. Das Rentenniveau drĂŒckt aus, bei wie viel Prozent des Durchschnittseinkommens die Standardrente liegt. Neu gebildet werden soll ein sogenanntes Generationenkapital: Unter anderem mit Schulden, die nicht auf die Schuldenbremse angerechnet werden, soll bis Mitte der 30er Jahre eine 200 Milliarden Euro schwere Kapitalmarkt-Anlage gebildet werden.
Hubertus Heil will zudem Anreize fĂŒr lĂ€ngeres Arbeiten setzen. "Gleichzeitig setzen wir auf flexible ĂbergĂ€nge in den Ruhestand, etwa durch finanzielle Anreize, freiwillig lĂ€nger zu arbeiten", so Heil. Eine weitere Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von 67 Jahren werde es aber nicht geben.
Was die FDP am Rentenpaket II kritisiert
Die Reform von Heil und Finanzminister Christian Lindner (FDP) soll die Renten stabil halten und die BeitrĂ€ge nicht allzu stark durch die Decke gehen lassen. Aus der FDP-Fraktion gibt es aber die Forderung nach Ănderungen, weil die BeitrĂ€ge und SteuerzuschĂŒsse aus dieser Sicht zu stark steigen mĂŒssten. Stabilisierung der Rente könne nicht bedeuten: "Wir erhöhen einfach die BeitrĂ€ge fĂŒr die arbeitende Mitte und fĂŒr die Jungen immer weiter", sagte der Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, im Bundestag. Die Reform fĂŒhrt laut Regierung dazu, dass die Renten-Ausgaben bis 2045 von 372 nicht nur auf 755 Milliarden Euro klettern dĂŒrften, sondern auf 802 Milliarden.
Werding: Rentenpaket II belastet die JĂŒngeren
Der Ăkonom und Renten-Experte Manfred Werding Ă€uĂerte in der Anhörung des Bundestags in Berlin ebenfalls Kritik. Alle Personen, die derzeit 46 Jahre oder jĂŒnger sind, wĂŒrden durch höhere RentenbeitrĂ€ge und dadurch sinkende Nettoeinkommen stĂ€rker belastet als sie durch die Festschreibung des Rentenniveaus profitierten, sagte Werding. Dies bedeute eine Abkehr von der langjĂ€hrigen Politik, die Lasten der Alterung der Gesellschaft auf JĂŒngere und Ăltere möglichst gleichmĂ€Ăig zu verteilen, erklĂ€rte Werding, der als Mitglied des Wirtschafts-SachverstĂ€ndigenrats auch die Bundesregierung berĂ€t. Dass die ErtrĂ€ge aus dem geplanten Generationenkapital den Anstieg der RentenbeitrĂ€ge merklich dĂ€mpfen werden, glaubt Werding nicht: "Es kommen Belastungen zusammen, die bisher verniedlicht worden sind."
Gewerkschaften und VerbÀnde warnen vor Rentensinkflug
Ein breites BĂŒndnis von Gewerkschaften, weiteren Arbeitnehmervertretungen und SozialverbĂ€nden warnt dagegen: "Nur ein auskömmliches Rentenniveau ermöglicht eine auskömmliche Rente." Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die SozialverbĂ€nde VdK, SoVD, VolkssolidaritĂ€t, ParitĂ€tischer und andere fordern deshalb die Abgeordneten auf, das Rentenpaket zu verabschieden. Sonst drohe ein "Rentensinkflug", wie sie in ihrem Aufruf warnen.










