Kettner Edelmetalle
20.04.2026
16:24 Uhr

WĂ€hrend die Welt auf den Iran starrt, schafft Israel im Stillen Fakten

Es ist ein altbekanntes Muster der Geopolitik: WĂ€hrend die Weltöffentlichkeit gebannt auf den einen Krisenherd blickt, werden anderswo vollendete Tatsachen geschaffen. Genau dieses Spiel lĂ€uft derzeit im Nahen Osten – und die Akteure könnten zynischer kaum agieren.

Diplomatisches Schattenboxen zwischen Washington und Teheran

Die Signale aus Washington und Teheran könnten widersprĂŒchlicher kaum sein. Nachdem die US-Marine einen iranischen Tanker festgesetzt hatte, drohte Teheran zunĂ€chst mit Vergeltung. Doch der iranische PrĂ€sident Masoud Pezeshkian, seit langem als BefĂŒrworter einer Westbindung bekannt, ließ verlauten, er wolle die neuesten „VorschlĂ€ge" der amerikanischen Seite prĂŒfen, da der Krieg niemandem nĂŒtze. Ein bemerkenswerter Schwenk – oder bloß taktisches KalkĂŒl?

Donald Trump seinerseits verkĂŒndete auf seiner Plattform Truth Social, seine Vertreter wĂŒrden nach Pakistan reisen, „um zu verhandeln". VizeprĂ€sident JD Vance solle die Delegation leiten – obwohl es ursprĂŒnglich geheißen hatte, dieser solle aus „SicherheitsgrĂŒnden" zu Hause bleiben. In einem Interview mit der New York Post erklĂ€rte Trump, er sei offen fĂŒr direkte diplomatische Kontakte mit der iranischen FĂŒhrung. Nur einen Tag zuvor hatte er noch gedroht, das gesamte Stromnetz und sĂ€mtliche BrĂŒcken des Iran zu zerstören, sollte es keinen Deal geben. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Ist das Diplomatie oder Schizophrenie?

Immobilienmakler als Friedensstifter

Besonders pikant ist die Zusammensetzung der amerikanischen Verhandlungsdelegation. Neben Vance sollen Steve Witkoff und Jared Kushner – Trumps Schwiegersohn – die GesprĂ€che fĂŒhren. Keiner der beiden verfĂŒgt ĂŒber eine politische Legitimation im klassischen Sinne. Beide sind jedoch Trump privat und geschĂ€ftlich eng verbunden. Beide sind Experten fĂŒr eines: Immobiliendeals.

Die Verflechtungen sind dabei so offensichtlich, dass sie fast schon dreist anmuten. Witkoffs Söhne Alex und Zach sind GeschĂ€ftspartner von Trumps Söhnen Donald Jr. und Eric. Letztere reisen seit der Wiederwahl ihres Vaters durch Europa und den Nahen Osten, um GeschĂ€fte zu tĂ€tigen, die Marke Trump zu fördern und ihr KryptowĂ€hrungsimperium auszubauen. Wo die Grenze zwischen StaatsgeschĂ€ft und PrivatgeschĂ€ft verlĂ€uft, scheint in der Trump-Ära eine zunehmend philosophische Frage zu sein.

Israels schleichende Landnahme im SĂŒdlibanon

WĂ€hrend die Welt auf das diplomatische Hin und Her zwischen Washington und Teheran starrt, nutzt Israel die Gunst der Stunde mit einer Konsequenz, die an BrutalitĂ€t grenzt. MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu ließ ĂŒber die israelische Zeitung Ha'aretz verlauten, der Krieg gegen den Iran sei noch nicht beendet. Gleichzeitig warnte das israelische MilitĂ€r die Bewohner des SĂŒdlibanon davor, in die Gebiete innerhalb der angestrebten „Sicherheitszone" zurĂŒckzukehren.

Die Dimensionen dieser Zone sind bemerkenswert: Sie erstreckt sich ĂŒber mehrere hundert Quadratkilometer, umfasst Dutzende von StĂ€dten und Dörfern – und reicht sogar nördlich des Litani-Flusses. Trotz einer zehntĂ€gigen Waffenruhe stationiert Israel weiterhin Truppen in der Region. Laut einem Reuters-Bericht haben israelische MilitĂ€roperationen seit Inkrafttreten der Waffenruhe 39 Siedlungen im SĂŒdlibanon zerstört. Der libanesische Abgeordnete Ali Hassan Khalil bestĂ€tigte demnach die Zerstörung von WohnhĂ€usern durch israelische Angriffe.

Libanesische Zivilisten, die in ihre weiter nördlich gelegenen Dörfer zurĂŒckkehren wollten, dĂŒrfen die von Israel gezogene Demarkationslinie nicht ĂŒberschreiten. Über eine Million Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Was mit ihnen im Falle eines erneuten Aufflammens des Krieges geschieht, bleibt völlig offen. Eine humanitĂ€re Katastrophe, die in der westlichen Berichterstattung erstaunlich wenig Beachtung findet.

Religiöse Radikale feiern im Westjordanland

Noch deutlicher wird Israels Strategie der vollendeten Tatsachen im Westjordanland. Am Sonntag feierten Kabinettsmitglieder, Knesset-Abgeordnete, Lokalpolitiker und Hunderte von Siedleraktivisten die Wiederinbetriebnahme und Neubesiedlung der Siedlung Sa-Nur im nördlichen Westjordanland – fast 21 Jahre nach ihrer Evakuierung. Verteidigungsminister Israel Katz bekrĂ€ftigte bei der Zeremonie, dass die Regierung an der Legalisierung von 140 illegal errichteten landwirtschaftlichen Außenposten arbeite.

Finanzminister Bezalel Smotrich, ein religiöser Hardliner, bezeichnete die Wiedererrichtung von Sa-Nur als „nationalen Feiertag" und „historische Wiedergutmachung" der „sĂŒndhaften Vertreibung aus Nordsamaria". Mehr noch: Er forderte Netanjahu auf, die israelischen StreitkrĂ€fte anzuweisen, sich auf eine „vollstĂ€ndige Besetzung" des Gazastreifens vorzubereiten und dort ebenfalls Siedlungen wiederzuerrichten. Man muss kein Nahostexperte sein, um zu erkennen, dass hier nicht Sicherheitspolitik betrieben wird, sondern religiös motivierte Expansionspolitik.

Kushners „Riviera des Nahen Ostens" – Luxusresorts auf TrĂŒmmern

Die vielleicht verstörendste Entwicklung betrifft den Gazastreifen selbst. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar hatte Jared Kushner KI-generierte Visionen eines „neuen Rafah" mit Wolkenkratzern und Luxusresorts prĂ€sentiert. Rafah – eine Stadt, die durch zweijĂ€hrige israelische Bombardierungen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Trump bewarb diese „Riviera des Nahen Ostens" mit einem 20-Punkte-Plan und versprach zehn Milliarden US-Dollar an Fördermitteln ĂŒber seinen eigens gegrĂŒndeten Friedensrat, der als potenzieller Konkurrent der Vereinten Nationen positioniert sei.

Die RealitĂ€t sieht freilich anders aus. Laut Berichten von Al Jazeera wurden die AufrĂ€umarbeiten in Beit Hanoon im Norden und in Rafah zwar weitgehend eingestellt, doch israelische StreitkrĂ€fte etablieren systematisch eine dauerhafte militĂ€rische PrĂ€senz in dem verwĂŒsteten Gebiet. Die in Genf ansĂ€ssige Menschenrechtsorganisation Euro-Med Human Rights Monitor warnte, der Plan fĂŒr das „Neue Rafah" sei in Wahrheit ein Mechanismus zur demografischen Umgestaltung und zur Vertreibung von PalĂ€stinensern. Der Plan sehe die Aufteilung des Gazastreifens in Bevölkerungsblöcke und militĂ€rische Sperrzonen vor. Die PalĂ€stinenser sollten in sogenannten „StĂ€dten" aus Wohnwagen zusammengepfercht werden – jeweils etwa 25.000 Menschen auf einem Quadratkilometer, umgeben von ZĂ€unen und Kontrollpunkten.

China nutzt das Machtvakuum

WĂ€hrend der Westen diese Entwicklungen mit bemerkenswerter ZurĂŒckhaltung diskutiert, schmiedet China seine eigenen Allianzen in der Region. Der chinesische PrĂ€sident Xi Jinping erklĂ€rte im Rahmen eines TelefongesprĂ€chs mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, China sei bereit, das strategische Vertrauen mit den Saudis zu vertiefen. Riad signalisierte seinerseits Bereitschaft, die Kommunikation und Koordination mit Peking zu intensivieren. Die geopolitischen Tektonik-Platten verschieben sich – und Europa steht einmal mehr nur daneben.

Was bedeutet das fĂŒr Deutschland und Europa?

FĂŒr Deutschland und Europa sollten diese Entwicklungen ein Weckruf sein. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz tĂ€te gut daran, die Lage im Nahen Osten nicht nur als fernes Krisengebiet zu betrachten, sondern als unmittelbare Bedrohung fĂŒr die europĂ€ische Sicherheitsarchitektur. Jede Eskalation in der Region treibt FlĂŒchtlingsströme an, destabilisiert EnergiemĂ€rkte und gefĂ€hrdet die ohnehin fragile Weltwirtschaft. In Zeiten, in denen Deutschland bereits mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen seine eigene Infrastruktur zu retten versucht und die Inflation den BĂŒrgern das Leben schwer macht, kann sich Europa keine weitere Krise leisten.

Die Tatsache, dass Immobilienmakler und Familienangehörige des US-PrĂ€sidenten die Außenpolitik der mĂ€chtigsten Nation der Erde gestalten, wĂ€hrend religiöse Extremisten in Israel die Gunst der Stunde fĂŒr ihre Siedlungspolitik nutzen, sollte jeden nachdenklich stimmen. Die „Ruhe vor dem Sturm" könnte sich als trĂŒgerisch erweisen – und wenn der Sturm kommt, werden es wieder die einfachen Menschen sein, die den Preis zahlen. In solchen Zeiten der geopolitischen Unsicherheit erweisen sich ĂŒbrigens physische Edelmetalle einmal mehr als verlĂ€sslicher Anker der Vermögenssicherung – ein Baustein, den jeder kluge Anleger in seinem Portfolio berĂŒcksichtigen sollte.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche basieren. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.

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