
Von der Zeitenwende zur Konfrontation: Wie die USA und Europa sich auf den groĂen Krieg vorbereiten
Die NATO rĂŒstet auf, wĂ€hrend Russland als gröĂte Bedrohung dargestellt wird. Die USA und Europa verstĂ€rken ihre militĂ€rischen KapazitĂ€ten. Droht ein neuer Kalter Krieg?
Das Aspen Security Forum: Einflussreiche Kreise unter sich
Das Aspen Security Forum ist eine US-Konferenz, auf der sicherheits- und auĂenpolitische Fragen diskutiert werden. Die Liste der Sponsoren reicht von McKinsey ĂŒber American Airlines bis zu Lockheed Martin und Boeing. Eine Einladung zur Teilnahme am Forum gilt als Ritterschlag und bestĂ€tigt die Zugehörigkeit zu den einflussreichsten Kreisen der Politik und des militĂ€risch-industriellen Komplexes.
In diesem Jahr war auch der auĂen- und sicherheitspolitische Berater des deutschen Bundeskanzlers, Jens Plötner, eingeladen. Er nahm an einem Panel teil, das von Shashank Joshi, dem verteidigungspolitischen Experten des Economist, moderiert wurde. Mit von der Partie waren hochrangige Vertreter der NATO und der EU, darunter General Christopher G. Cavoli, der Oberkommandierende der NATO- und US-StreitkrĂ€fte in Europa.
General Cavoli: Der Star des Panels
General Cavoli, der aufgrund seiner russischen und italienischen Sprachkenntnisse hervorstach, erklĂ€rte die Notwendigkeit der Zwei-Prozent-Verpflichtung der NATO-Mitglieder. Diese Regel sei das Minimum, um erfolgreich in Europa einen Krieg fĂŒhren zu können. Angesichts der russischen Bedrohung mĂŒsse die NATO ihre Verteidigungsausgaben erhöhen.
Cavoli betonte, dass am Ende des Konflikts in der Ukraine â unabhĂ€ngig vom Ausgang â ein groĂes Problem mit Russland bestehen werde. Russland werde seine StreitkrĂ€fte rekonstituieren und weiterhin als Gegner betrachtet werden. Diese EinschĂ€tzung fand breite Zustimmung, obwohl die NATO selbst zur VerschĂ€rfung der Situation beigetragen habe.
Das europÀische Erwachen
Am Ende des Panels sprach Cavoli vom "europĂ€ischen Erwachen". Die europĂ€ischen Alliierten seien nun bereit, die Lasten der Verteidigung zu tragen. Dies sei gut fĂŒr die USA, da ihre BeitrĂ€ge maximiert wĂŒrden. Cavoli drĂŒckte sich jedoch um eine klare Prognose zum Ausgang des Krieges in der Ukraine. Es komme darauf an, wer mehr Potenzial mobilisieren könne.
Die Rolle der EU
Stefano Sannino, GeneralsekretĂ€r des AuswĂ€rtigen Dienstes der EU, pries die neuen politischen Leitlinien der EU-Kommission unter FĂŒhrung von Ursula von der Leyen. Die EU wolle eine Verteidigungsgemeinschaft werden und die Produktion von Artilleriegeschossen finanzieren, die an die Ukraine geliefert wĂŒrden. Sannino betonte, dass die EU und die NATO keine Konkurrenten seien, sondern zusammengeschmiedet.
Deutschland im Fokus
Jens Plötner, der Berater des deutschen Bundeskanzlers, hatte einen schwierigen Stand. Er musste sich zur Zwei-Prozent-Verpflichtung Deutschlands und zur chinesischen Bedrohung Ă€uĂern. Plötner versuchte, die US-Partner nicht zu verschrecken und gleichzeitig einen Seitenhieb zu verteilen. Deutschland mĂŒsse China in neue Regeln einbinden, um wirtschaftlich nicht den Westen auszumanövrieren.
Stationierung amerikanischer Waffen in Deutschland
Im Diskussionsverlauf ging es auch um die Stationierung amerikanischer Mittelstrecken- und Ăberschallwaffen in Deutschland ab 2026. Plötner entgegnete, dass es zwar einen Tag Aufregung gegeben habe, aber bis auf ein paar "Extreme" sei alles ruhig geblieben. Diese Entscheidung wird die militĂ€rische Konfrontation mit Russland und die damit verbundene wechselseitige Bedrohung in Europa erhöhen.
Fazit
Die Diskussion auf dem Aspen Security Forum verdeutlichte die wachsenden Spannungen zwischen der NATO und Russland. WĂ€hrend die USA und Europa ihre militĂ€rischen KapazitĂ€ten verstĂ€rken, bleibt die Frage, ob dies zu einem neuen Kalten Krieg fĂŒhren könnte. Die deutsche Politik steht vor der Herausforderung, sich in diesem Spannungsfeld zu positionieren und gleichzeitig die Sicherheit des Landes zu gewĂ€hrleisten.










