Kettner Edelmetalle
06.07.2026
05:44 Uhr

Vom Schmuddelkind zum Börsenliebling: Wie die Merkel-Jahre Deutschlands Wehrhaftigkeit verspielten

Vom Schmuddelkind zum Börsenliebling: Wie die Merkel-Jahre Deutschlands Wehrhaftigkeit verspielten

Es gibt Sätze, die eine ganze Epoche entlarven. Einer davon fiel jetzt auf dem Welt-Sicherheitsgipfel im Berliner Axel-Springer-Haus, als Rheinmetall-Chef Armin Papperger an die Jahre der Großen Koalition erinnerte. Angela Merkel, so berichtete er, habe der Rüstungsbranche einst beschieden: Man brauche sie eigentlich nicht – wenn ein Problem auftauche, rufe man einfach die Amerikaner an. Ein bemerkenswertes Bekenntnis politischer Bequemlichkeit, das die sicherheitspolitische Verantwortungslosigkeit einer ganzen Ära in einem einzigen Satz bündelt.

Die Quittung für sechzehn Jahre Sorglosigkeit

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Über anderthalb Jahrzehnte lang wurde die deutsche Verteidigungsfähigkeit dem Prinzip Hoffnung überlassen. Die Bundeswehr schrumpfte während der Merkel-Jahre von rund 251.000 Soldaten im Jahr 2005 auf gerade einmal 183.695 zum Stichtag 31. Dezember 2021 – so ergab es eine Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage aus dem Bundestag. Statt einer wehrhaften Nation setzte man auf die Gutmütigkeit Verbündeter und das Wunschbild einer Welt ohne Feinde.

Papperger sprach es offen aus: Deutsche Rüstungsunternehmen seien bewusst in die „Schmuddelecke“ gestellt worden, allein weil sie exportierten, was jeder souveräne Staat zur Selbstverteidigung braucht. Es ist die bittere Ironie deutscher Politik, dass eine Branche, die man moralisch geächtet hatte, nun händeringend gebraucht wird, seit der russische Angriff auf die Ukraine die Illusion vom ewigen Frieden zertrümmerte.

Rheinmetall – der Überflieger unter den DAX-Werten

Nirgendwo lässt sich dieser Stimmungsumschwung deutlicher ablesen als am Aktienkurs des Düsseldorfer Konzerns. Jahrelang galt Rheinmetall als solider, aber langweiliger Industriewert. Ende 2017 überschritt die Aktie erstmals die Marke von 100 Euro – ein damals kaum beachtetes Ereignis. Dann folgte der Aufstieg im Zeitraffer.

  • März 2023: Aufstieg in den DAX
  • Februar 2025: erstmals über 1.000 Euro je Aktie
  • 3. Oktober 2025: Allzeithoch bei knapp über 2.000 Euro
  • Aktuell: rund 1.090 Euro nach spürbarer Korrektur

Die Marktkapitalisierung kletterte von etwa drei Milliarden Euro im Jahr 2017 auf inzwischen mehr als 50 Milliarden Euro, zeitweise waren es sogar über 85 Milliarden. Der Umsatz stieg von 7,7 Milliarden Euro (2024) auf 9,9 Milliarden Euro (2025), das operative Ergebnis legte um 33 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Für 2026 peilt der Konzern gar einen Umsatz zwischen 14 und 14,5 Milliarden Euro an.

Wenn der Staat plötzlich klopft

Was Papperger da offenbarte, ist mehr als eine Abrechnung mit der Vergangenheit. Es ist ein Lehrstück über die Wankelmütigkeit der Politik. Solange man eine Branche nicht braucht, wird sie moralisch verdammt. Kaum aber steht das eigene Haus in Flammen, biedert man sich an. Deutschland habe die USA bei der Produktion konventioneller Munition inzwischen überholt, so der Rheinmetall-Chef – von 70.000 auf eine Million Schuss Artilleriemunition pro Jahr sei die Kapazität gesteigert worden.

„Wir sind besser, als die Pessimisten in Deutschland denken“, erklärte Papperger. Zugleich forderte er mehr Planungssicherheit, denn viele Verträge seien lediglich Rahmenverträge und keine verbindlichen Bestellungen.

Die eigentliche Lehre: Souveränität kann man nicht outsourcen

Die vergangenen Jahre haben eine schmerzhafte Wahrheit ans Licht gebracht: Wer seine Sicherheit auf den Anruf beim großen Bruder jenseits des Atlantiks gründet, macht sich erpressbar. Die Abhängigkeit von den USA wurde einst bewusst in Kauf genommen – aus heutiger Sicht ein folgenschwerer Fehler für die Eigenständigkeit unseres Landes. Eine Nation, die nicht in der Lage ist, sich selbst zu schützen, gibt ein Stück ihrer Freiheit preis. Diese Erkenntnis hätte man freilich schon vor Jahrzehnten haben können, statt die Bundeswehr kaputtzusparen und die Wehrpflicht auszusetzen.

Milliarden im Nebel

Bei aller berechtigten Debatte über Wehrhaftigkeit bleibt eine kritische Frage stehen: Wohin fließen die gewaltigen Summen tatsächlich? Die Sondervermögen wachsen, die Staatsschulden erreichen mit weit über 2.700 Milliarden Euro immer neue Rekordhöhen. Wer glaubt, dass jeder Euro auch wirklich in schlagkräftige Verteidigung mündet, dürfte die Realität deutscher Verwaltung unterschätzen. Ein solides Sicherheitskonzept beginnt im Übrigen nicht erst bei teuren Waffensystemen, sondern schon beim konsequenten Schutz der eigenen Grenzen – ein Gedanke, den weite Teile der Bevölkerung längst teilen, während die politische Klasse ihn geflissentlich ignoriert.

Beständige Werte statt kurzlebiger Kursfantasien

So beeindruckend die Kursrallye einzelner Rüstungswerte auch sein mag – sie zeigt vor allem eines: An den Börsen kann sich das Sentiment über Nacht drehen. Was gestern noch Schmuddelkind war, ist heute Liebling der Anleger, und morgen bereits Objekt einer schmerzhaften Korrektur. Wer sein Vermögen langfristig sichern will, sollte sich nicht allein auf die Launen der Kapitalmärkte verlassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie unabhängig von politischen Moden und Kriegskonjunkturen ihren Wert bewahren – als solide Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio ein zeitloser Anker der Vermögenssicherung.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Kursdaten und Unternehmenszahlen dienen der Information und sind keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Bei Bedarf sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.

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