Kettner Edelmetalle
05.09.2025
13:59 Uhr

UN-Hauptquartier New York: Wenn Amerika die WeltbĂŒhne zur Privatveranstaltung macht

Die Vereinten Nationen sollten eigentlich ein neutraler Ort sein, an dem alle Nationen gleichberechtigt zusammenkommen. Doch die jĂŒngste Entscheidung Washingtons, dem palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmoud Abbas und 80 weiteren Beamten die Einreise zur UN-Generalversammlung zu verweigern, zeigt einmal mehr: Die USA missbrauchen ihre Rolle als Gastgeber schamlos fĂŒr ihre eigenen geopolitischen Spielchen.

Der Hausherr bestimmt die GĂ€steliste

Ab dem 9. September 2025 tagt die UN-Generalversammlung zum 80. Mal in New York. WĂ€hrend sich die Weltgemeinschaft auf wichtige Diskussionen vorbereitet, darunter ein Gipfeltreffen, bei dem LĂ€nder wie Großbritannien, Frankreich, Australien und Kanada die formelle Anerkennung eines palĂ€stinensischen Staates zusagen wollten, spielen die USA den ungebetenen TĂŒrsteher. Das US-Außenministerium begrĂŒndet die Visa-Verweigerung mit nebulösen Sicherheitsbedenken – ein durchsichtiges Manöver, das selbst dem naivsten Beobachter die wahren Motive offenbart.

Das BĂŒro von Abbas sieht darin zu Recht eine eklatante Verletzung des UN-Hauptquartier-Abkommens von 1947. Dieses verpflichtet die USA grundsĂ€tzlich dazu, auslĂ€ndischen Diplomaten den Zugang zur UNO zu gewĂ€hren. Doch Washington interpretiert diese Verpflichtung nach eigenem GutdĂŒnken und verweigert Visa, wann immer es den eigenen außenpolitischen Interessen dient.

Ein Déjà-vu mit System

Die Geschichte wiederholt sich: Bereits 1988 verweigerten die USA dem PLO-Vorsitzenden Yasser Arafat ein Visum. Die UN reagierte damals konsequent und verlegte die Beratungen zur "PalĂ€stina-Frage" kurzerhand nach Genf. Dort konnte Arafat seine historische Rede halten, und die Generalversammlung erkannte gegen die Stimmen Israels und der USA den Staat PalĂ€stina an. Ein LehrstĂŒck darĂŒber, wie die internationale Gemeinschaft amerikanische Obstruktionspolitik umgehen kann – wenn sie nur will.

Die Liste der Visa-Verweigerungen liest sich wie ein Who's Who der amerikanischen Feindbilder: Iranische Delegierte, darunter Außenminister Mohammad Javad Zarif, wurden 2019 und 2020 ausgesperrt. Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch eine US-Drohne war Zarif plötzlich zu gefĂ€hrlich fĂŒr New York. Russische Delegierte kĂ€mpfen seit Beginn des Ukraine-Krieges mit mysteriösen Visa-Verzögerungen. Kubas PrĂ€sident Miguel DĂ­az-Canel ist nach frischen US-Sanktionen ebenfalls persona non grata bei den Vereinten Nationen.

Der Globale SĂŒden bleibt draußen

Besonders perfide: Die Visa-Schikanen treffen ĂŒberproportional Vertreter des Globalen SĂŒdens. Lateinamerikanische Journalisten, die kritisch ĂŒber US-Politik berichten, afrikanische Aktivisten, die unbequeme Wahrheiten aussprechen – sie alle scheitern regelmĂ€ĂŸig an der amerikanischen Visa-BĂŒrokratie. Ein Schelm, wer dabei an politische Motive denkt.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow brachte es im Juni auf den Punkt: Die Schwierigkeiten fĂŒr Vertreter des Globalen SĂŒdens, an UN-Konferenzen teilzunehmen, seien ein gewichtiges Argument fĂŒr die Verlegung des UN-Sitzes. Doch es geht nicht nur um Politik: New York ist eine der teuersten StĂ€dte der Welt. FĂŒr Ă€rmere LĂ€nder bedeutet die Unterhaltung einer stĂ€ndigen Vertretung dort eine enorme finanzielle Belastung – ein weiterer Mechanismus, der die ohnehin Benachteiligten zusĂ€tzlich schwĂ€cht.

Zeit fĂŒr einen Umzug nach Genf?

Die Forderung nach einer Verlegung der UN-Generalversammlung nach Genf gewinnt an Fahrt. Die neutrale Schweiz böte einen wĂŒrdigeren Rahmen fĂŒr eine Organisation, die NeutralitĂ€t und Gleichberechtigung verkörpern sollte. Doch die USA werden ihre Machtposition nicht kampflos aufgeben. Zu bequem ist es, unliebsame Stimmen einfach aussperren zu können.

Die Kritik an den verkrusteten UN-Strukturen reicht bis in die Zeit der Entkolonialisierung zurĂŒck. Stimmen aus dem Globalen SĂŒden fordern seit Jahrzehnten grundlegende Reformen: Die StĂ€rkung der Generalversammlung, die Reform des Sicherheitsrats, ja sogar die Abschaffung von Institutionen wie IWF und Weltbank, die als Instrumente imperialer Machtabsicherung gesehen werden.

Israel genießt Narrenfreiheit

Vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges wird die AbsurditĂ€t des Systems besonders deutlich. WĂ€hrend palĂ€stinensische Vertreter nicht einmal nach New York reisen dĂŒrfen, genießt Israel trotz massiver Völkerrechtsverletzungen faktische Straffreiheit. UN-Mitarbeiter werden getötet, Hilfsorganisationen die Einreise verweigert – und die internationale Gemeinschaft schaut zu. Die USA blockieren jeden ernsthaften Versuch, Israel zur Rechenschaft zu ziehen, und missbrauchen dafĂŒr auch ihre Rolle als UN-Gastgeber.

Es ist höchste Zeit, dass die Weltgemeinschaft diese unhaltbaren ZustĂ€nde beendet. Die UN mĂŒssen reformiert oder an einen neutraleren Ort verlegt werden. Solange Washington nach Belieben entscheiden kann, wer auf der WeltbĂŒhne sprechen darf und wer draußen bleiben muss, bleibt die Organisation eine Farce – ein exklusiver Club, in dem die MĂ€chtigen unter sich bleiben und unbequeme Wahrheiten ausgesperrt werden.

Die aktuelle Visa-Verweigerung fĂŒr die palĂ€stinensische Delegation ist mehr als nur ein diplomatischer Affront. Sie ist ein Symptom fĂŒr ein krankes System, in dem Macht vor Recht geht und die Stimmen der Schwachen systematisch zum Schweigen gebracht werden. Wenn die UN ihrer eigenen Charta gerecht werden wollen, mĂŒssen sie sich aus der amerikanischen Umklammerung befreien. Genf wartet.

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