Kettner Edelmetalle
12.08.2025
19:15 Uhr

Trumps Zollpolitik verpufft: US-Inflation verharrt bei 2,7 Prozent – Fed-Chef Powell im Kreuzfeuer

Die mit Spannung erwarteten US-Inflationsdaten haben die BefĂŒrchtungen vieler Ökonomen nicht bestĂ€tigt. Trotz der massiven Zollerhöhungen, die PrĂ€sident Donald Trump seit seinem Amtsantritt im Januar durchgepeitscht hat, verharrt die Teuerungsrate bei 2,7 Prozent. Ein Ergebnis, das Trump sofort fĂŒr seine Attacken gegen Notenbankchef Jerome Powell nutzte – und das Fragen ĂŒber die tatsĂ€chliche Wirksamkeit seiner protektionistischen Handelspolitik aufwirft.

Die Ruhe vor dem Sturm?

Die Zahlen des US-Arbeitsministeriums zeigen ein paradoxes Bild: WĂ€hrend die allgemeine Inflationsrate stagniert, kletterte die Kerninflation – bereinigt um die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise – von 2,9 auf besorgniserregende 3,1 Prozent. Ein deutliches Warnsignal, das die Fed nicht ignorieren kann, auch wenn Trump lautstark das Gegenteil fordert.

Experten hatten angesichts der drakonischen Zölle – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren und 25 Prozent auf Produkte aus Mexiko und Kanada – mit einer höheren Inflation von 2,8 Prozent gerechnet. Dass diese Erwartung nicht eintraf, könnte sich als trĂŒgerische Momentaufnahme erweisen.

Trumps Frontalangriff auf die Fed

Der PrĂ€sident nutzte die Daten umgehend fĂŒr einen erneuten Rundumschlag gegen Powell. Auf seiner Plattform Truth Social drohte Trump mit einer "großen Klage" gegen den Fed-Chef wegen dessen angeblich "schrecklicher und grob inkompetenter Arbeit". Eine Formulierung, die selbst fĂŒr Trumps VerhĂ€ltnisse bizarr anmutet – ging es doch plötzlich um die Leitung von Bauarbeiten an Fed-GebĂ€uden.

"GlĂŒcklicherweise ist die Wirtschaft so gut, dass wir Powell und den selbstgefĂ€lligen Vorstand einfach ĂŒberrollt haben"

Diese Aussage Trumps offenbart die gefÀhrliche Vermischung von Politik und Geldpolitik, die unter seiner PrÀsidentschaft neue Dimensionen erreicht hat. Die UnabhÀngigkeit der Notenbank, ein Grundpfeiler stabiler WÀhrungspolitik, wird systematisch untergraben.

Die tickende Zeitbombe der Zollpolitik

Analysten warnen eindringlich vor voreiligen SchlĂŒssen. Elmar Völker von der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg spricht von einer "verhaltenen" Inflation im Vergleich zum "preistreibenden Potenzial der US-Zollpolitik". Sein Kollege Bernd Weidensteiner von der Commerzbank sieht den bisherigen Effekt als "relativ moderat" – betont aber, dass dies nur eine Momentaufnahme sei.

Die wahren Auswirkungen der Zollpolitik dĂŒrften sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Unternehmen werden gezwungen sein, die höheren Importkosten an die Verbraucher weiterzugeben. Ein Teufelskreis, der die Kaufkraft der amerikanischen Konsumenten schwĂ€chen und den Wachstumsmotor der US-Wirtschaft ins Stottern bringen könnte.

Die Fed zwischen Hammer und Amboss

Die Federal Reserve befindet sich in einer prekĂ€ren Lage. Mit einem Leitzins zwischen 4,25 und 4,50 Prozent hĂ€lt sie an ihrer restriktiven Geldpolitik fest – trotz des massiven politischen Drucks aus dem Weißen Haus. Powell und seine Kollegen wollen erst Klarheit ĂŒber die langfristigen Auswirkungen der Trump'schen Handelspolitik gewinnen, bevor sie ihre Strategie anpassen.

Diese Vorsicht ist mehr als berechtigt. Die Kerninflation von 3,1 Prozent liegt deutlich ĂŒber dem Zielwert von zwei Prozent. Eine voreilige Zinssenkung könnte die Inflationsspirale erst recht in Gang setzen – mit verheerenden Folgen fĂŒr die StabilitĂ€t des Dollars und die Ersparnisse der Amerikaner.

Ein gefÀhrliches Spiel mit dem Feuer

Trumps Attacken auf die Fed-UnabhĂ€ngigkeit erinnern an dunkle Zeiten der Wirtschaftsgeschichte, als politischer Opportunismus ĂŒber solide Geldpolitik triumphierte. Die Folgen waren stets dieselben: galoppierende Inflation, WĂ€hrungsverfall und wirtschaftliche Verwerfungen.

Bastian Hepperle von der Hauck AufhĂ€user Lampe Privatbank warnt, dass der "allgemeine Preisdruck durch höhere Zölle" zunehmen werde. Unternehmen wĂŒrden ihre "PreisĂŒberwĂ€lzungspolitik" in den kommenden Monaten verstĂ€rken mĂŒssen. Die SchwĂ€chesignale vom Arbeitsmarkt dĂŒrften sich verstĂ€rken – ein Szenario, das Trump mit seiner populistischen Rhetorik auszublenden versucht.

Die aktuelle Stagnation der Inflationsrate darf nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass die amerikanische Wirtschaft auf einem Pulverfass sitzt. Die Zollpolitik mag kurzfristig innenpolitische Punkte bringen, langfristig gefĂ€hrdet sie jedoch die wirtschaftliche StabilitĂ€t der USA und damit auch die globalen MĂ€rkte. In dieser unsicheren Lage bleibt physisches Gold als bewĂ€hrter Inflationsschutz und KrisenwĂ€hrung eine der wenigen verlĂ€sslichen Konstanten fĂŒr vorausschauende Anleger.

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