Kettner Edelmetalle
24.02.2026
19:37 Uhr

Trumps Vertrauter macht Geschäfte mit Russlands Gasriesen – während Sanktionen gelten

Was für ein bemerkenswertes Schauspiel sich da auf der weltpolitischen Bühne abspielt: Während die westliche Welt offiziell Russland mit Sanktionen überzieht und Europa seinen vollständigen Ausstieg aus russischem Gas bis 2027 beschlossen hat, bahnt ein dem US-Präsidenten nahestehender texanischer Investor seelenruhig ein Flüssiggasprojekt mit dem russischen Energiekonzern Novatek an. Die Doppelmoral könnte kaum offensichtlicher sein.

Ein Deal, der Fragen aufwirft

Der texanische Geschäftsmann Gentry Beach – ein langjähriger Vertrauter von Donald Trump jr. und ehemaliger Vizevorsitzender für Finanzen beim Inaugurationskomitee des damaligen Präsidenten im Jahr 2017 – hat gegenüber der New York Times eingeräumt, im Herbst 2025 ein Abkommen mit Novatek zur Entwicklung eines LNG-Projekts in Alaska unterzeichnet zu haben. Es gehe um den Einsatz einer mobilen Verflüssigungsanlage auf Basis russischer Technologie. Beach sprach von einer „rein geschäftlichen Entscheidung" und betonte, das Vorhaben sei „auf höchster Ebene" sowohl in Moskau als auch in Washington bekannt.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Dieselben Vereinigten Staaten, die unter Joe Biden das russische Großprojekt Arctic LNG 2 mit harten Sanktionen belegten und jahrelang die Nord-Stream-Pipelines politisch torpedierten, dulden nun offenbar, dass ein dem Präsidenten nahestehender Investor mit genau jenem Konzern anbandelt, der Arctic LNG 2 mehrheitlich betreibt. Novatek selbst steht zwar nicht unter umfassenden US-Sanktionen – ein juristisches Schlupfloch, das man in Washington offenbar bewusst offengelassen hat.

Gespräche auf höchster Ebene

Beach soll Gespräche mit Novatek-Chef Leonid Mikhelson geführt haben, einem der einflussreichsten Unternehmer im russischen Energiesektor. Mikhelson steht in Großbritannien und Kanada unter Sanktionen, nicht jedoch in den USA oder der EU. Ein Detail, das Bände spricht über die Selektivität westlicher Sanktionspolitik. Novatek bestätigte zwar Gespräche über die mögliche Nutzung seiner Verflüssigungstechnologie in Nordalaska, bestritt jedoch eine formelle Zusammenarbeit mit Beach und machte deutlich, dass eine Umsetzung nur mit behördlicher Unterstützung beider Länder denkbar sei.

Beach selbst bestreitet erwartungsgemäß, dass seine Nähe zur Trump-Familie bei den Verhandlungen eine Rolle gespielt habe. Sein Credo klingt dabei so zynisch wie ehrlich: „Derjenige, der früh in eine Gelegenheit einsteigt, ist meist derjenige, der Geld verdient." Pragmatismus in Reinform – oder schlicht die Offenlegung dessen, was hinter den Kulissen der Geopolitik schon immer galt: Geld kennt keine Moral.

Europa als Zaungast der eigenen Energiepolitik

Besonders brisant wird die Angelegenheit, wenn man den Blick auf Europa richtet. Während Berlin eine Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines offiziell strikt ablehnt und die EU den vollständigen Ausstieg aus russischem Gas proklamiert, berichten Medien seit Monaten über amerikanische Investoren, die sich für Teile der europäischen Energieinfrastruktur interessieren. Ein Investor aus Miami soll die beschädigten Nord-Stream-Leitungen im Visier haben. In informellen Gesprächskanälen werde über Modelle unter Beteiligung der USA spekuliert – etwa über amerikanische Zwischenakteure, die als Käufer auftreten könnten.

Die Ironie ist kaum zu überbieten: Die USA haben maßgeblich dazu beigetragen, Europas Energieversorgung von Russland abzukoppeln – und positionieren sich nun selbst als potenzielle Profiteure genau jener russischen Energieressourcen, auf die Europa verzichten musste. Für den deutschen Bürger, der seit 2022 explodierende Energiepreise schultern muss, ist das ein Schlag ins Gesicht.

Arctic LNG 2 liefert trotz Sanktionen nach China

Dass Sanktionen ohnehin nur so wirksam sind wie der politische Wille, sie durchzusetzen, zeigt das Beispiel Arctic LNG 2 eindrücklich. Trotz der US-Sanktionen gegen das Projekt wurden bereits einzelne Lieferungen nach China abgewickelt – selbst unter schwierigen Eisbedingungen in der Arktis. China, das sich bekanntlich wenig um westliche Sanktionsregime schert, profitiert von günstigen russischen Energielieferungen, während Europa teures amerikanisches LNG importiert. Ein Geschäftsmodell, das vor allem einem nützt: den Vereinigten Staaten.

Geopolitisches Kalkül statt Prinzipientreue

Der Vorstoß von Beach offenbart eine unbequeme Wahrheit: Zumindest einzelne Akteure im Umfeld der US-Regierung warten nicht auf ein formelles Ende des Ukraine-Krieges, bevor sie wirtschaftliche Optionen ausloten. Vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion ist ein Friedensschluss kaum in Sicht – was die Geschäftemacher jedoch nicht zu bremsen scheint. Das Projekt befindet sich zwar noch in einem frühen Stadium und steht vor erheblichen Hürden, doch allein die Tatsache, dass solche Verhandlungen offen geführt werden, markiert einen Paradigmenwechsel.

Für Deutschland und Europa sollte dieser Vorgang ein Weckruf sein. Die naive Vorstellung, dass Sanktionen alle gleichermaßen treffen und die transatlantische Partnerschaft auf gemeinsamen Werten statt auf knallharten Wirtschaftsinteressen basiert, erweist sich einmal mehr als Illusion. Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen plant und die Energiewende vorantreibt, sichern sich amerikanische Investoren die Zugänge zu genau jenen Energiequellen, die Europa aus ideologischen Gründen aufgegeben hat. Wer in dieser Konstellation der Gewinner und wer der Verlierer ist, dürfte selbst dem wohlwollendsten Beobachter nicht verborgen bleiben.

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass auch in Berlin eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse die ideologisch aufgeladene Energiepolitik der vergangenen Jahre ablöst. Denn eines steht fest: Die Welt wartet nicht auf deutsche Befindlichkeiten – sie macht Geschäfte.

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